Neue Akten aufgetaucht: Bablers Habsburg-Diamant-Plan gerät ins Wanken

Neue Akten aufgetaucht: Bablers Habsburg-Diamant-Plan gerät ins Wanken

Erst wollte Vizekanzler Andreas Babler den sagenumwobenen Habsburger-Schatz für die Republik zurückholen, jetzt bekommt sein Vorhaben einen empfindlichen Dämpfer. Im Archiv des italienischen Außenministeriums sind zwei bislang unbekannte diplomatische Noten aus den Jahren 1919 und 1922 aufgetaucht, die dem Kulturminister die Sache erheblich erschweren könnten. Wie Heute.at berichtet, deuten die Dokumente darauf hin, dass Österreich selbst schon kurz nach dem Ende der Monarchie zum Schluss gekommen war, es könnte sich beim Schmuck um reines Familieneigentum der Habsburger handeln.

Der Fund in Kanada: Ein 100 Jahre gehütetes Geheimnis

Der Ursprung der ganzen Debatte liegt im vergangenen November: Damals wurde bekannt, dass der als verschollen geltende Familienschmuck der Habsburger die ganze Zeit über in einem Bankschließfach in Kanada lag. Wie Karl Habsburg, Enkel des letzten österreichischen Kaisers, gegenüber dem „Spiegel“ erklärte, hatte seine Großmutter, Kaiserwitwe Zita, die Juwelen dorthin gebracht – und das Versteck sollte laut ihrer Verfügung erst 100 Jahre nach dem Tod Kaiser Karls I. öffentlich gemacht werden, wie der ORF berichtet.

Im Zentrum des Schatzes steht der legendäre 137-Karat-Diamant „Florentiner“, einst im Besitz der Medici und durch die Heirat Franz Stephans von Lothringen mit Maria Theresia in habsburgischen Besitz übergegangen. Kaiser Karl I. hatte den Familienschmuck bereits im November 1918, kurz vor dem Ende seiner Regentschaft, aus der Wiener Hofburg in die Schweiz bringen lassen. Nach seinem Tod 1922 floh Zita mit dem Schmuck durch Europa, bevor sie 1940 vor den Nationalsozialisten schließlich nach Kanada gelangte.

Babler will prüfen lassen – Kommission unter Finanzprokuratur

Nach Bekanntwerden des Fundes hatte in Österreich eine Debatte begonnen, ob der Schmuck nicht eigentlich der Republik gehöre. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) reagierte prompt und kündigte an, mögliche Eigentumsansprüche der Republik prüfen zu lassen. „Falls sich herausstellt, dass der Florentiner Diamant Eigentum der Republik Österreich ist, werde ich den Prozess zur Rückholung des Juwels einleiten“, erklärte Babler damals laut Heute.at. Zur Klärung setzte er eine Expertenkommission unter Leitung der Finanzprokuratur ein.

Die neuen Dokumente: Renner selbst war skeptisch

Genau an dieser Stelle setzen die nun aufgetauchten Akten an. Besonders brisant: Eine der beiden Noten stammt vom damaligen Staatskanzler Karl Renner – einem der Gründerväter der SPÖ, also ausgerechnet der Partei, der auch Babler angehört. Wie Heute.at berichtet, hatte bereits Italien 1919 den „Florentiner“ von Österreich zurückgefordert. Renner selbst zeigte sich damals unsicher, ob Österreich überhaupt rechtliche Ansprüche gegenüber den Habsburgern geltend machen könne.

Noch deutlicher fällt eine zweite Note aus dem Jahr 1922 aus: Darin hält das damalige österreichische Außenministerium fest, Kaiser Karl habe den Schmuck rechtmäßig aus der Schatzkammer mitgenommen – eine Rückforderung durch Österreich sei rechtlich nicht möglich. Zu diesem Schluss war laut Heute.at bereits damals eine Prüfung durch die Finanzprokuratur gekommen – also jene Institution, die Babler heute erneut mit der Klärung der Eigentumsfrage beauftragt hat.

Habsburg sieht sich bestätigt

Für Karl Habsburg, das heutige Oberhaupt der Familie, sind die neuen Dokumente eine willkommene Bestätigung seiner bisherigen Position. „Damit ist bestätigt, was wir immer schon wussten und gesagt haben“, erklärte er den Salzburger Nachrichten laut Heute.at. Die Familie hatte von Anfang an argumentiert, dass der Schmuck von der historischen Enteignung der Habsburger nicht betroffen sei, weil er sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des sogenannten Habsburgergesetzes 1919 bereits außerhalb Österreichs befand. Zudem handle es sich laut Karl Habsburg um reines Privateigentum der Familie.

Auch historisch ist die Eigentumsfrage nicht ganz einfach: Wie die NZZ berichtet, hatte auch Italien unter Berufung auf den Friedensvertrag von St. Germain 1919 Anspruch auf den „Florentiner“ erhoben, weil der Diamant einst zum Kronschatz der Medici gehört hatte – die Forderung verlor sich in den 1920er-Jahren allerdings ebenfalls im Sand.

Kommission arbeitet trotzdem weiter

Trotz der neu aufgetauchten historischen Dokumente lässt sich die von Babler eingesetzte Kommission nicht von ihrer Arbeit abhalten. Die Finanzprokuratur will ihre endgültige rechtliche Bewertung laut Heute.at bis Herbst vorlegen. Historiker weisen zudem darauf hin, dass selbst im Fall eines anerkannten österreichischen Anspruchs weitere Nachfolgestaaten der einstigen Habsburgermonarchie eigene Ansprüche anmelden könnten – ein Umstand, der die ohnehin komplizierte Rechtslage zusätzlich verkompliziert.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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