Er verlor die Wahl, sollte seinen Pass abgeben – und saß zwei Tage später im Privatjet Richtung Florida. Brasiliens unterlegener Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat sich in die USA abgesetzt. Donald Trump stellt sich demonstrativ hinter ihn: “Er kann hier so lange bleiben, wie er will.”
Trump auf der Halloween-Party
Seine Unterstützung äußerte Trump am Samstagabend bei einer Halloween-Party in seinem Club Mar-a-Lago in Florida, wie der ORF unter Berufung auf Agenturen berichtet. Treffen wolle er Bolsonaro nicht. Laut Reuters erhielt der Brasilianer für die Einreise eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen, eine sogenannte “humanitarian parole”, die meist auf ein Jahr befristet ist. Das US-Außenministerium kündigte laut Fox News an, ihm und seiner Familie Visa auszustellen.
Pass weg, Jet startklar
Die Flucht kam schnell. Am Sonntag, 25. Oktober, verlor der rechte Senator die Stichwahl gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva, der mit 51,8 Prozent eine historische vierte Amtszeit gewann. Schon am Montag ordnete ein brasilianisches Gericht an, dass Bolsonaro binnen 24 Stunden seine Pässe abgeben müsse. Hintergrund sind laut “Time” Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verbindungen zu einem Anwalt, der über ein Betrugssystem mehr als eine Milliarde Dollar gewaschen haben soll. Die Polizei stufte Bolsonaro als fluchtgefährdet ein. Er kam der Anordnung nicht nach: Am Dienstag verließ er Brasilien heimlich und landete laut ABC am Mittwoch mit einem Privatjet in Florida, nach Zwischenstopps in Argentinien und Ecuador. Argentiniens Präsident Javier Milei soll bei der Ausreise geholfen haben.
“Verfolgung” oder Flucht vor der Justiz?
Bolsonaro selbst spricht von politischer Verfolgung. “Die Verfolgung begann noch früher, als ich gedacht hatte”, sagte er laut ABC in einem Instagram-Livestream. Er wirft dem Richter am Obersten Gericht, Alexandre de Moraes, falsche Anschuldigungen vor und will die Opposition nun nach eigenen Worten aus dem Exil anführen. “Ich habe Brasilien nicht verlassen, ich bin für Brasilien gegangen.” Lula sieht das anders. Er nannte die Ausreise laut “Time” einen “beschämenden Akt” und fügte, in Anspielung auf seine eigene Haft, hinzu: “Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.”
Hilfe aus dem Weißen Haus?
Brisant ist die Rolle Washingtons. Außenminister Marco Rubio erklärte laut ORF, die US-Regierung sei “nicht direkt an den Schritten beteiligt” gewesen, die zur Ausreise führten. Ein Berater Trumps sagte dagegen dem Sender CNN, Trump habe die Einreise genehmigt, und man habe Bolsonaro bereits am Montag signalisiert, dass er in die USA kommen könne – also noch bevor die Frist zur Abgabe der Pässe abgelaufen war. Medienberichten zufolge soll zudem ein Mitarbeiter des Weißen Hauses bei der Organisation der Reise geholfen haben. Lulas Regierung hatte der Trump-Regierung schon vor der Wahl Einmischung vorgeworfen.
Wie der Vater
Für die Familie Bolsonaro ist Florida kein unbekanntes Terrain. Flávios Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro, flog Ende 2022 nach seiner eigenen Niederlage gegen Lula ebenfalls dorthin, zwei Tage vor der Amtsübergabe. Inzwischen wurde er wegen der Planung eines Putsches nach dieser Wahl verurteilt und steht unter Hausarrest. Lula selbst saß 2018 und 2019 wegen Korruptionsvorwürfen rund eineinhalb Jahre in Haft, das Urteil wurde später vom Obersten Gericht aufgehoben. Ob Brasilien nun die Auslieferung seines Sohnes beantragt, ist offen.
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