Meinl-Reisinger reist nach Albanien – welche Rolle spielt Skandalbotschafter Fate Velaj?

Meinl-Reisinger reist nach Albanien – welche Rolle spielt Skandalbotschafter Fate Velaj?

Tirana/Wien – Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) setzt ihre diplomatische Reise fort und besucht Albanien, das als einer der „Frontrunner“ unter den EU-Beitrittskandidaten gilt. Regierungschef Edi Rama hat große Pläne: Bis 2030 soll Albanien Teil der Europäischen Union sein. Doch während Meinl-Reisinger Fortschritte lobt, sorgt ein Skandal um den albanischen Botschafter Fate Velaj weiter für Schlagzeilen.

Ein Treffen mit Signalwirkung

Am Dienstag trifft Meinl-Reisinger in Tirana nicht nur ihre Amtskollegin Elisa Spiropali, sondern auch den albanischen Premierminister Edi Rama. Im Mittelpunkt stehen die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen und die Zukunft der europäischen Integration. Wie die „Salzburger Nachrichten“ berichten, lobte Meinl-Reisinger im Vorfeld die Fortschritte Albaniens: „Das Land hat in den letzten Jahren grundlegende Reformen umgesetzt und setzt damit wichtige Signale für die gesamte Region.“

Österreich investiert auch in Albanien

Mit einem Investitionsvolumen von 896 Millionen Euro zählt Österreich zu den größten Investoren in Albanien. Besonders im Bereich der Rechtsstaatlichkeit unterstützt Wien die Bemühungen des Westbalkan-Staates. „Eine EU-Erweiterung ist eine Win-Win-Situation – wirtschaftlich und sicherheitspolitisch“, betonte Meinl-Reisinger laut einer Aussendung des Außenministeriums.

Der Fall Fate Velaj: Ein Skandal, der nicht verstummt

Während Meinl-Reisinger in Albanien Fortschritte feiert, gerät sie in Österreich unter Druck. Der albanische Botschafter Fate Velaj steht im Zentrum eines politischen Skandals. Wie Exxtra24 berichtet, wird Velaj vorgeworfen, trotz diplomatischer Immunität und klarer gesetzlicher Vorgaben weiterhin geschäftliche Tätigkeiten in Österreich auszuüben. Der ehemalige Maler und Autor verkauft Bücher und Gemälde, organisiert Lesungen und tritt öffentlich auf – ein klarer Verstoß gegen diplomatische Regeln.

Besonders brisant: Laut einer Verbalnote musste Velaj vor seinem Amtsantritt in Wien seine österreichische Staatsbürgerschaft zurücklegen und jegliche gewerbliche Tätigkeit einstellen. Dennoch hat er kürzlich sein Buch „Kreuztanne“ veröffentlicht. Die Frage, wie diese Einnahmen deklariert und versteuert werden, bleibt unbeantwortet.

Die lange Liste der Vorwürfe gegen Fate Velaj

Die Vorwürfe gegen den albanischen Botschafter sind zahlreich und werfen nicht nur ein schlechtes Licht auf ihn selbst, sondern auch auf die Institutionen, die ihn im Amt belassen haben. Hier ein Überblick:

  1. Geheimdienst-Vergangenheit: Velaj soll in seiner Heimat enge Verbindungen zu den albanischen Geheimdiensten gehabt haben. Diese Vergangenheit wirft Fragen über seine Integrität und seine Rolle als Diplomat auf.
  2. Dubiose Titelkäufe: Berichten zufolge hat Velaj akademische Titel an der umstrittenen „Krystal-Universität“ in Tirana erworben, einer Institution, die wegen fragwürdiger Praktiken und mangelnder akademischer Standards in der Kritik steht.
  3. Plagiatsvorwürfe: Besonders peinlich ist der Vorwurf, dass Velajs Masterarbeit durchgehend aus Plagiaten besteht. Der renommierte Plagiatsgutachter Dr. Stefan Weber erklärte: „Ich habe selten eine so schlechte Arbeit mit durchgängigen Plagiaten auf 40 Seiten gesehen.“
  4. Kriminelle Verbindungen: Berichten zufolge soll Velajs Schwägerin in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen sein. Sie soll in der Botschaft in Wien Schutz gefunden haben, was den Verdacht auf Amtsmissbrauch nährt.
  5. Sozialversicherungsbetrug: Es gibt Hinweise darauf, dass Velaj in Österreich Sozialleistungen bezogen haben könnte, obwohl er als Botschafter ein hohes Einkommen bezieht. Sein offiziell offengelegtes Einkommen in Albanien beträgt 1,7 Millionen Euro – eine Summe, die in keinem Verhältnis zu seiner Tätigkeit steht.
  6. Verstoß gegen gesetzliche Vorgaben: Trotz der Verpflichtung, jegliche gewerbliche Tätigkeit einzustellen, verkauft Velaj weiterhin Bücher und Gemälde und organisiert Lesungen. Die Frage, wie diese Einnahmen deklariert und versteuert werden, bleibt unbeantwortet.
  7. Aberkennung von Auszeichnungen: Es wird geprüft, ob Velajs „Goldenes Verdienstzeichen“ und sein „Professorentitel“ aufgrund falscher Voraussetzungen aberkannt werden können.

Neue Außenministerin unter Zugzwang

Auch in Albanien wächst der Druck. Die neue Außenministerin Elisa Spiropali steht vor der schwierigen Aufgabe, den Fall Velaj zu klären. Kritiker werfen ihr vor, die Vorwürfe zu ignorieren, um den EU-Beitrittsprozess nicht zu gefährden. Vertreter der albanischen Diaspora in Wien fordern offen den Rückruf des Botschafters: „Nur so können die bilateralen Beziehungen glaubwürdig bleiben.“

Credits: APA

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