Kurz zum 40er: „Es schmerzt mich“, die FPÖ-Koalition beendet zu haben

Kurz zum 40er: „Es schmerzt mich“, die FPÖ-Koalition beendet zu haben

Sieben Jahre nach dem Ibiza-Skandal blickt Alt-Kanzler Sebastian Kurz mit deutlichem Bedauern auf das Ende seiner ersten türkis-blauen Koalition zurück. In einem Interview zu seinem 40. Geburtstag lässt Kurz gegenüber der „Kronen Zeitung“ aufhorchen – und übt scharfe Kritik an der Zeit danach.

Der Skandal, der die Koalition zerstörte

Im Mai 2019 sorgte ein heimlich aufgenommenes Video für politisches Erdbeben in Österreich: Es zeigte den damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus im Gespräch mit der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen. Aufgenommen wurde das Material bereits kurz vor der Nationalratswahl 2017 in einer Villa auf der spanischen Insel Ibiza. Thema des Gesprächs waren unter anderem eine mögliche Übernahme parteiunabhängiger Medien, die Umgehung von Parteifinanzierungsgesetzen sowie Staatsaufträge im Gegenzug für finanzielle Spenden. In der Folge löste Kurz die Koalition zwischen seiner ÖVP und der FPÖ auf.

„Sehr erfolgreiche Koalition“

Genau dieser Schritt schmerze ihn im Rückblick, so Kurz gegenüber der „Krone“. Er bezeichnete die damalige türkis-blaue Regierung als „sehr erfolgreich“ – sie habe große Unterstützung in der Bevölkerung genossen, die Bürger seien mit der Regierungsarbeit zufrieden gewesen. Als konkrete Erfolge nannte er den erzielten Budgetüberschuss, die Arbeitszeitflexibilisierung sowie eine Kursänderung in der Migrationspolitik.

Vorwurf der „Täuschung“

Besonders deutlich wird Kurz bei der Einordnung des damaligen politischen Drucks. Viele bedeutende Personen – „vom Bundespräsidenten abwärts bis hin zu einzelnen Bundesländern“ – hätten die Koalition zwischen ÖVP und FPÖ damals nicht unterstützt. Zudem sei der Eindruck vermittelt worden, die veröffentlichten Video-Ausschnitte seien erst der Anfang und es gebe noch weiteres belastendes Material. Das sei laut Kurz jedoch nicht der Fall gewesen: Die gezeigten Minuten seien „sehr geschickt zusammengeschnitten“ worden. Der Alt-Kanzler ist überzeugt, dass damals „auch eine gewisse Täuschung“ im Spiel gewesen sei.

Reue auch bei der Grünen-Koalition

Nach dem Bruch der türkis-blauen Regierung übernahm zunächst eine Expertenregierung unter der 2026 bereits verstorbenen Brigitte Bierlein die Amtsgeschäfte. Nach den anschließenden Neuwahlen ging Kurz eine Koalition mit den Grünen ein – ein Schritt, den er im Rückblick ebenfalls zu bereuen scheint. „Wenn man sieht, was danach mit den Grünen stattgefunden hat, dann ist es nicht nur für mich persönlich schade, sondern auch für das ganze Land schlecht gewesen“, so Kurz zur „Krone“.

Ein später Blick zurück

Mit seinen Aussagen zum 40. Geburtstag liefert der frühere Kanzler damit eine bemerkenswert offene nachträgliche Bewertung einer der folgenreichsten politischen Entscheidungen seiner Karriere – sieben Jahre, nachdem das Ibiza-Video die österreichische Innenpolitik erschütterte.

Credits: Dragan Tatic, BKA

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