Die frühere österreichische Außenministerin Karin Kneissl hat sich in einem Interview mit einem russischen Onlineportal zu ihrem Leben in Russland geäußert – und zu der Frage, ob sie die russische Staatsbürgerschaft annehmen möchte. Ihre Antwort fällt eindeutig aus, während in Österreich gleichzeitig über den Entzug ihres österreichischen Passes diskutiert wird.
„Glauben Sie wirklich, ich werde plötzlich Russin?“
Im Gespräch mit dem Nachrichtenportal „YA62“ erklärte Kneissl unmissverständlich, keine russische Staatsbürgerin werden zu wollen, wie oe24 aus dem Interview zitiert. „Ich bin bereits 61 Jahre alt. Glauben Sie wirklich, ich werde in diesem Alter plötzlich Russe? Nein“, so die Ex-Ministerin. Sie fügte hinzu: „Ich bin müde. Und ich werde nicht schon wieder alles ändern. Gleichzeitig bin ich Russland sehr dankbar.“ Das russische Portal selbst zeichnet ein durchweg wohlwollendes Bild von Kneissl: In Europa habe es eine „Hetzjagd“ gegen sie gegeben, die sie zum Verlassen Österreichs gezwungen habe, sie sei „offen und unkompliziert“ und äußere ihre Meinung frei – eine Einschätzung, die angesichts der Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit in Russland bemerkenswert ist.
Leben auf der Baustelle
Auch zu ihren finanziellen Verhältnissen äußerte sich Kneissl im Interview. „Viele Leute denken, ich sei sehr reich, aber das stimmt überhaupt nicht“, sagte sie laut oe24. Für ihr Haus in dem russischen Dorf, in dem sie mittlerweile lebt, fehle ihr das Geld für eine professionelle Baufirma – seit drei Jahren renoviere sie deshalb in Eigenregie, sie lebe im Grunde auf einer Baustelle.
Zum Dorfleben selbst meinte sie: „Wenn man als Ausländer in eine kleine Siedlung kommt, wird man als Außenseiter wahrgenommen. So ist das in jedem Dorf.“ Man tratsche über sie und verbreite Gerüchte, das sei ihr aber egal. Aufgefallen sei ihr hingegen ein verbreitetes Alkoholproblem im Dorf: „Am schwersten fällt es mir, Mütter unter Alkoholabhängigkeit leiden zu sehen. Auch mein Leben ist nicht einfach. Aber wenn ich Probleme habe, greife ich nicht zum Alkohol.“
Der politische Hintergrund in Österreich
Das Interview fällt in eine Zeit, in der Kneissls Verbindungen nach Russland in Österreich selbst für erheblichen politischen Wirbel sorgen. Die NEOS hatten bereits im März einen möglichen Entzug ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft ins Spiel gebracht. NEOS-Europasprecher Dominik Oberhofer übermittelte dazu eine Sachverhaltsdarstellung an das zuständige Amt der niederösterreichischen Landesregierung, wie unter anderem PULS 24 berichtete. Geprüft werden soll, ob Kneissl „im Dienst eines fremden Staates steht“ und „durch ihr Verhalten die Interessen oder das Ansehen der Republik erheblich schädigt“ – Voraussetzungen, unter denen Paragraf 33 Absatz 1 des Staatsbürgerschaftsgesetzes einen Entzug vorsieht.
Hintergrund sind Berichte der Tageszeitung „Der Standard“ und des russischen Exilmediums „Nowaja Gaseta Europe“, die nach eigenen Angaben über entsprechende Gehaltsnachweise verfügen: Demnach erhielt Kneissl zwischen September 2023 und Juli 2025 umgerechnet rund 244.000 Euro von einem eigens für sie geschaffenen Thinktank an der Staatlichen Universität St. Petersburg. Hinzu kommen laut diesen Berichten rund 90.000 Euro von Unternehmen des in der EU verbotenen Propagandasenders RT sowie 13.000 Euro für Auftritte im russischen Staatsfernsehen, wie PULS 24 und mehrere weitere Medien übereinstimmend berichten.
Offene Fragen zur Staatsbürgerschaft
Unklar ist unterdessen, ob Kneissl die österreichische Staatsbürgerschaft überhaupt noch besitzt: Sie lebt seit mehreren Jahren in Russland, und durch eine mögliche Annahme der russischen Staatsbürgerschaft hätte sie die österreichische automatisch verloren. Genau das schließt sie im aktuellen Interview mit „YA62“ nun aber selbst aus.
Credits: Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres – Romreise Karin Kneissl (16. Jänner 2018), CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67899288
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