Gute Nachrichten vom heimischen Arbeitsmarkt – zumindest für einen Teil der Betroffenen. Immer mehr Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte finden in Österreich einen Job. Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt jedoch ein zweigeteiltes Bild.
Deutlicher Rückgang bei der Arbeitslosigkeit
Grundlage der aktuellen Erkenntnisse ist ein neues Factsheet des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) mit dem Titel „Flüchtlinge und Schutzberechtigte in Arbeit“, das aktuelle Zahlen, Daten und Fakten zu Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit und Sozialleistungsbezug dieser Gruppe zusammenfasst, wie aus einer Aussendung auf der Plattform OTS hervorgeht. Grundlage dafür sind Daten von Statistik Austria, dem Arbeitsmarktservice, dem Innenministerium, dem ÖIF selbst sowie dem Dachverband der Sozialversicherungsträger. Die zentrale Zahl: Waren im Jahresdurchschnitt 2025 noch rund 44.000 Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte arbeitslos gemeldet oder in Schulung, sank dieser Wert bis Juni 2026 auf etwa 37.000, wie oe24 unter Berufung auf die Auswertung berichtet. Auch news.ORF.at bestätigt diesen Rückgang und ordnet ihn als Zeichen dafür ein, dass Flüchtlinge zuletzt schneller am Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten.
Der Rückgang betrifft vor allem Männer
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass der positive Trend ungleich verteilt ist. Bei männlichen Flüchtlingen schrumpfte die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,6 Prozent, wie oe24 aus der ÖIF-Auswertung zitiert. Bei den Frauen hingegen stieg die Zahl der Arbeitslosen im selben Zeitraum sogar leicht an, um 0,6 Prozent. Ein ganz ähnliches Muster zeigt sich bei subsidiär Schutzberechtigten: Hier sank die Arbeitslosigkeit bei Männern um 37,3 Prozent, bei Frauen jedoch nur um 0,5 Prozent. Der ÖIF spricht in seiner eigenen Zusammenfassung deshalb treffend von einer „stagnierend hohen Arbeitslosigkeit unter weiblichen Flüchtlingen“.
Syrer stellen die größte Gruppe
Bei der Herkunft dominiert weiterhin eine Nationalität deutlich: Knapp 51 Prozent der arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge stammen aus Syrien, gefolgt von afghanischen und somalischen Staatsangehörigen, wie oe24 berichtet. Gerade bei Syrern war der Rückgang mit gut 21,5 Prozent besonders ausgeprägt.
Frauen deutlich seltener erwerbstätig
Wie groß die Kluft zwischen den Geschlechtern tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Erwerbstätigenquoten: Unter Syrerinnen waren zuletzt knapp 44 Prozent arbeitslos gemeldet, unter syrischen Männern hingegen nur gut 30,5 Prozent. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei afghanischen Staatsangehörigen aus, wo mit 36 Prozent fast doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen sind. Das ÖIF-Factsheet bringt es in seiner Überschrift auf den Punkt: Knapp jede vierte Frau aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ist erwerbstätig – ein Wert, der die strukturellen Hürden für geflüchtete Frauen am heimischen Arbeitsmarkt sichtbar macht.
Wo gearbeitet wird
Wer eine Stelle findet, landet vor allem in bestimmten Branchen: 2025 arbeiteten Personen aus den sechs wichtigsten Herkunftsländern der Fluchtmigration am häufigsten in der Beherbergung und Gastronomie (rund 15.500 Personen), gefolgt vom Handel (12.000) und der Warenherstellung (10.100), wie oe24 aus der Auswertung zusammenfasst.
Regionale Unterschiede
Auch die Bundesländer unterscheiden sich deutlich. Der weitaus größte Teil der arbeitslos gemeldeten oder in Schulung befindlichen Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten entfällt auf Wien, wie aus den Integrationsdaten des ÖIF hervorgeht. Die niedrigsten Werte finden sich in Kärnten, Oberösterreich und dem Burgenland. Frühere ÖIF-Forschung zu den Erwerbsverläufen von Migranten zeigt zudem, dass Geflüchtete außerhalb Wiens tendenziell höhere Erwerbsquoten und Einkommen erzielen als in der Bundeshauptstadt.
Credits: AMS, Fotostudio B&G
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