Wer steckt hinter dem Ruck-Tonband? Verdacht fällt auf SPÖ-Wirtschaftsvertreter

Wer steckt hinter dem Ruck-Tonband? Verdacht fällt auf SPÖ-Wirtschaftsvertreter

Die Affäre um Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck nimmt eine überraschende Wendung: Im Zentrum des Verdachts, wer die brisanten Tonbandaufnahmen angefertigt haben könnte, steht nun ausgerechnet der Präsident des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes selbst. Der Betroffene weist die Vorwürfe entschieden zurück, für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Vier Personen, ein Weinkeller, eine geheime Aufnahme

Ausgangspunkt der neuen Entwicklung ist ein Treffen am 20. November im Weinkeller von Walter Ruck. Wie oe24 unter Berufung auf eigene Recherchen berichtet, waren daran neben Ruck selbst ein Mitarbeiter des WKW-Präsidenten, Donaustadt-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy sowie Marko Fischer teilnahmen – Vizepräsident der Wiener Wirtschaftskammer und Chef des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV). Genau bei diesem Gespräch entstand offenbar jene geheime Tonaufnahme, die seit Wochen für Schlagzeilen sorgt und aus der zuvor bereits „Profil“ und „Krone“ zitiert hatten.

Drei erklären unter Eid, nichts aufgenommen zu haben

Brisant wird die Sache durch ein juristisches Detail: Laut oe24-Informationen haben Ruck, Nevrivy und der erwähnte WKW-Mitarbeiter am 28. Juli bei einem Anwalt in Wien eidesstattlich erklärt, bei dem Gespräch keine geheime Aufzeichnung gemacht zu haben. Auf Anfrage von oe24 bestätigte dies die Wiener Wirtschaftskammer: Die eidesstattliche Erklärung sei tatsächlich an diesem Tag abgegeben worden. Auffällig ist demnach, dass ausgerechnet Marko Fischer eine solche Erklärung nicht abgegeben hat. Mehrere der Gesprächsteilnehmer äußerten daraufhin gegenüber oe24 den Verdacht, er könnte hinter der Aufnahme stecken.

Fischer weist die Vorwürfe zurück

Fischer selbst reagierte nach Angaben von oe24 weder telefonisch noch schriftlich auf entsprechende Anfragen der Redaktion. Sein Anwalt bestritt die Vorwürfe jedoch entschieden: Es habe überhaupt kein Treffen mit Ruck, Nevrivy und dem Ruck-Mitarbeiter gegeben, und dementsprechend existiere auch keine Tonbandaufzeichnung. Wichtig zur Einordnung: Diese Version widerspricht den übereinstimmenden Angaben der drei anderen Beteiligten, gesichert ist damit derzeit nichts. Wer tatsächlich hinter der Aufnahme steckt, ist offen. In Österreich ist das Anfertigen geheimer Tonaufnahmen nach Paragraf 120 des Strafgesetzbuches strafbar und kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden.

Ein handfester Streit um Geld und Mandate als mögliches Motiv

Für Sprengstoff sorgt vor allem der politische Hintergrund. Fischer ist nicht nur WKW-Vizepräsident, sondern auch Fraktionsvorsitzender der SPÖ-Wirtschaft im Wirtschaftsparlament – und sein Verband liegt seit Wochen im offenen Streit mit Rucks Wirtschaftsbund. Wie das Magazin „Profil“ berichtete, wirft der SWV dem Wirtschaftsbund vor, nach der Kammerwahl 2025 vereinbarte Mandatsrückgaben aus gemeinsamen Wahllisten nicht eingehalten zu haben. Konkret geht es um Mandate aus sogenannten Einheitslisten, mit denen Wirtschaftsbund und SWV traditionell gemeinsam antreten – ein System, von dem laut „Profil“ beide Seiten über Jahre profitierten. Bleiben die Mandate beim Wirtschaftsbund, verliert der SWV nach eigenen Angaben jährlich rund 200.000 Euro an Förderung. Fischer selbst hatte öffentlich scharfe Kritik an Ruck geübt und ihn aufgefordert, „die notwendigen Schritte zu setzen“, wie aus einer Aussendung des SWV auf der Plattform OTS hervorgeht.

Auch der Bürgermeister ist Teil der Aufnahme

Zusätzliche politische Brisanz erhält der Fall durch die Rolle von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der als engster Verbündeter Rucks gilt und sich zuletzt demonstrativ hinter ihn gestellt hatte. Auch Ludwig kommt laut oe24 im aufgezeichneten Gespräch vor – ein Umstand, der die Frage aufwirft, ob eine mögliche Weitergabe der Aufnahme nicht nur Ruck, sondern indirekt auch dem eigenen SPÖ-Bürgermeister geschadet hätte.

SPÖ kündigt Konsequenzen an

Deutliche Worte fand der Wiener SPÖ-Landesgeschäftsführer Jörg Neumayer auf Anfrage von oe24: Die Vorfälle müssten geprüft werden, er habe bereits ähnliche Hinweise erhalten und versucht, Fischer damit zu konfrontieren – bislang ohne Erfolg. Solche Methoden lehne die SPÖ strikt ab, man setze auf politische Argumentation statt auf derartige Mittel. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, werde die Partei Konsequenzen ziehen, so Neumayer – auch der SWV selbst müsse dann seine eigenen Schlüsse ziehen.

Was offen bleibt

Trotz der eidesstattlichen Erklärungen dreier Beteiligter ist der Fall juristisch nicht geklärt. Fischer bestreitet über seinen Anwalt nicht nur die Urheberschaft der Aufnahme, sondern das gesamte Treffen als solches – eine Version, die im klaren Widerspruch zu den Angaben der anderen drei Teilnehmer steht. Bis zu einer möglichen gerichtlichen Klärung gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Credits: Christian Skalnik/WKW

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