Iventa vor dem Konkurs: 7,28 Millionen Euro Schulden – 51 Mitarbeiter betroffen

Iventa vor dem Konkurs: 7,28 Millionen Euro Schulden – 51 Mitarbeiter betroffen

Die Wirtschaftskrise hat einen der bekanntesten österreichischen Personalberater erfasst. Die Wiener Iventa-Gruppe hat für zwei Gesellschaften Konkursanträge beim Handelsgericht Wien eingebracht. Insgesamt stehen Forderungen von rund 7,28 Millionen Euro im Raum. 51 Mitarbeiter sind unmittelbar betroffen. Geschäftsführer Martin Mayer, ein gut vernetzter Unternehmer mit Verbindungen in Wirtschaft und Gesellschaft, strebt eine Restrukturierung an.

Die seit 1991 bestehende Iventa-Gruppe, die neben Wien auch Standorte in Linz, Graz und Salzburg betreibt und international tätig ist, steht vor einer umfassenden wirtschaftlichen Neuaufstellung. Wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) am Mittwoch, dem 4. November 2026, bekannt gab, haben die Iventa Group Holding GmbH und die Iventa Austria Personalwerbung GmbH Konkursanträge beim Handelsgericht Wien eingebracht.

Die Verfahren waren zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch nicht eröffnet. Die Unternehmensführung begründet die wirtschaftliche Schieflage insbesondere mit der anhaltenden Rezession und der rückläufigen Nachfrage nach Personaldienstleistungen.

Rund 7,28 Millionen Euro an Forderungen

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Schwierigkeiten wird bei einem Blick auf die Verbindlichkeiten deutlich. Bei der Iventa Group Holding GmbH stehen laut AKV Forderungen von rund 3,27 Millionen Euro im Raum. Betroffen sind 60 Gläubiger und 20 Mitarbeiter.

Die Holding übernimmt innerhalb der Unternehmensgruppe zentrale Aufgaben wie Buchhaltung, Personalwesen, Marketing und IT.

Bei der Iventa Austria Personalwerbung GmbH belaufen sich die ausgewiesenen Forderungen auf rund 4,01 Millionen Euro. Hier sind 84 Gläubiger und 31 Beschäftigte betroffen.

Zusammengerechnet ergeben sich damit Forderungen von rund 7,28 Millionen Euro. Insgesamt sind 51 Arbeitsplätze unmittelbar von den beiden beantragten Insolvenzverfahren betroffen.

Drei Jahre Rezession setzen Personalberater unter Druck

Als wesentliche Ursache für die finanzielle Schieflage nennt Iventa die seit mehreren Jahren schwierige wirtschaftliche Situation im deutschsprachigen Raum.

Die schwache Konjunktur habe die Nachfrage nach Recruiting-Dienstleistungen erheblich reduziert. Gleichzeitig seien die Margen durch veränderte Konditionen auf Lieferantenseite unter Druck geraten.

Die Kombination aus sinkenden Umsätzen und geringeren Erträgen habe die wirtschaftliche Situation zunehmend verschärft.

Die Entwicklung zeigt, wie stark die Personalberatungsbranche von der Investitionsbereitschaft der Unternehmen abhängig ist. Werden Neueinstellungen verschoben, Personalbudgets gekürzt oder offene Stellen nicht nachbesetzt, trifft dies auch jene Dienstleister, die auf Personalvermittlung, Stellenanzeigen und Recruiting-Lösungen spezialisiert sind.

Martin Mayer: Ein Netzwerker mit Verbindungen zum Haus Habsburg

Im Mittelpunkt der angestrebten Restrukturierung steht Geschäftsführer Martin Mayer, der die Iventa-Gruppe seit vielen Jahren maßgeblich prägt. Mayer gilt als gut vernetzter Unternehmer mit langjährigen Kontakten in die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft.

Neben seiner Tätigkeit in der Personalberatungsbranche ist Mayer nach vorliegenden Angaben auch Mitglied des christlichen St. Georgs-Ordens, eines europäischen Ordens des Hauses Habsburg-Lothringen. Der Orden versteht sich als christlich geprägte Wertegemeinschaft und steht in der Tradition des Hauses Habsburg.

Die Mitgliedschaft verdeutlicht Mayers gesellschaftliche Vernetzung über die klassische Wirtschaft hinaus. Ob diese Kontakte bei der nun notwendigen wirtschaftlichen Neuaufstellung eine Rolle spielen werden, ist nicht bekannt.

Für den erfahrenen Personalberater steht jedenfalls eine schwierige Aufgabe bevor: Nach mehr als drei Jahrzehnten Unternehmensgeschichte muss die Iventa-Gruppe ihre wirtschaftlichen Strukturen an die veränderten Marktbedingungen anpassen.

Fortführung trotz Konkursanträgen geplant

Trotz der eingebrachten Konkursanträge soll der Geschäftsbetrieb nicht unmittelbar eingestellt werden.

Nach Angaben des AKV ist vorgesehen, die Iventa Austria Personalwerbung GmbH nach einer möglichen Verfahrenseröffnung zunächst für vier bis sechs Wochen weiterzuführen. Die dafür notwendige Liquidität soll laut den vorliegenden Unterlagen vorhanden sein.

Auch bei der Holding wird eine Fortführung angestrebt. Ein Sanierungsantrag wurde bislang allerdings bei keiner der beiden Gesellschaften eingebracht.

Ob eine nachhaltige Restrukturierung gelingt, wird wesentlich davon abhängen, ob die Unternehmensgruppe ihre Kostenstruktur anpassen, bestehende Kundenbeziehungen sichern und neue Aufträge gewinnen kann.

Weitere Gesellschaften der Iventa-Gruppe

Iventa zählt seit Jahrzehnten zu den etablierten österreichischen Unternehmen im Bereich Personalberatung und Recruiting.

Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem Executive Search, Personalentwicklung, Employer Branding und Dienstleistungen rund um die Personalwerbung.

Zur Unternehmensgruppe gehören weitere Gesellschaften, darunter die Iventa International Management Consulting GmbH sowie Unternehmen in Deutschland und der Schweiz.

Die aktuellen Konkursanträge betreffen zwei konkrete Gesellschaften. Eine Insolvenz sämtlicher Unternehmen der Iventa-Gruppe lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie geht es mit Iventa weiter?

Die kommenden Wochen dürften für die Zukunft der beiden betroffenen Gesellschaften entscheidend werden. Neben der Frage einer möglichen Fortführung stehen insbesondere die Interessen der Gläubiger und die Sicherung der betroffenen Arbeitsplätze im Mittelpunkt.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines seit 1991 bestehenden Personalberaters verdeutlichen zugleich den zunehmenden Druck auf eine Branche, deren Geschäftsentwicklung eng mit der allgemeinen Konjunktur verbunden ist.

Für Martin Mayer und die Unternehmensführung wird es nun darum gehen, das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern zu erhalten und eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln.

Ob die Restrukturierung gelingt, bleibt vorerst offen.


Quellen: Alpenländischer Kreditorenverband (AKV), Insolvenzmitteilungen vom 4. November 2026; Firmenbuch; Unternehmensangaben Iventa.

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