Eine Landkarte Europas, übersät mit roten Markierungen, darüber eine kaum verhüllte Drohung: Die Teheraner Tageszeitung “Hamshahri” hat am Dienstag Militärstützpunkte in neun europäischen Ländern als mögliche Angriffsziele dargestellt. Darunter sind Einrichtungen in Deutschland, Großbritannien, Italien und Zypern. Auslöser ist ein neuer US-Angriff auf iranisches Gebiet.
Ramstein, Sigonella, Akrotiri
Unter der Schlagzeile “Wir werden sehen, was passiert” zeigt die Titelseite eine Karte mit militärischen Einrichtungen in neun europäischen Staaten, wie die “Cyprus Mail” berichtet. Genannt werden unter anderem Zypern, Griechenland, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien, laut dem “Jewish Chronicle” auch Rumänien. Laut dem israelischen Sender i24News sind 15 mögliche Ziele markiert, vor allem große US-Stützpunkte wie die Air Base Ramstein in Deutschland und die Marinebasis Sigonella in Italien, die beide als zentrale Drehscheiben für US-Militäreinsätze gelten. Besonders hervorgehoben wird die britische Luftwaffenbasis Akrotiri auf Zypern.
Ziele nur bei Unterstützung der USA
Ausdrücklich angekündigt werden Angriffe nicht. Die Karte stellt die Stützpunkte als potenzielle Ziele der iranischen Revolutionsgarden dar, berichtet i24News. Die Zeitung argumentiert laut “Cyprus Mail”, dass militärische Infrastruktur in Europa, die zur Unterstützung amerikanischer Operationen genutzt werde, im Fall einer neuen großen Eskalation als “legitimes Ziel” betrachtet werden könne. Eine ähnliche Liste veröffentlichte die als Hardliner-Blatt geltende Zeitung “Kayhan”. “Hamshahri” gehört der Stadtverwaltung von Teheran und wird mit dem harten Lager des Regimes in Verbindung gebracht.
Der Anlass: Ein Angriff auf Qeschm
Die Drohungen folgen auf einen US-Angriff in der Nacht auf Dienstag. Das US-Militär bombardierte eine Flugabwehr- und Raketenanlage auf der Insel Qeschm vor der iranischen Südküste. Präsident Donald Trump bestätigte den Einsatz im Sender Fox News und sprach von einem “kleineren Angriff”. Man habe den Aufbau der Anlage beobachtet und sie nach ihrer Fertigstellung zerstört. Die USA und Israel führen seit Ende Februar Krieg gegen den Iran, eine Waffenruhe war im Juli zusammengebrochen.
Drohungen aus der Führung
Begleitet wird die Kampagne von scharfen Tönen aus der iranischen Führung. Der neue oberste Führer Mojtaba Khamenei soll laut oe24 vor Militärkommandeuren vor einer unmittelbaren Antwort “ohne geografische Grenzen” gewarnt haben. Abgeordnete wie Kamran Ghazanfari behaupteten zudem, der Iran verfüge über getestete Interkontinentalraketen, die Europa und die USA erreichen könnten, sowie über potenziell einsatzbereite Atomwaffen. Unabhängige Belege dafür gibt es nicht.
Europa im Fadenkreuz – nicht zum ersten Mal
Dass solche Drohungen ernst genommen werden, hat einen Grund. Bereits Anfang März hatte der Iran Raketen in Richtung der britischen Stützpunkte auf Zypern abgefeuert. Paradox wirkt deshalb eine Meldung vom selben Tag: Präsident Masoud Pezeshkian versicherte dem neuen zypriotischen Botschafter bei dessen Akkreditierung in Teheran, der Iran sei bereit, die Beziehungen zu vertiefen – während Zypern auf der Titelseite einer Teheraner Zeitung als mögliches Ziel auftauchte.
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