Ein Fußballspiel, ein Lokalbesuch, ein serbisches Lied – und schwere Vorwürfe gegen einen Politiker: Der ASK Wilhelmsburg wirft dem FPÖ-Stadtrat und Landtagsabgeordneten Christian Brenner vor, drei seiner Spieler rassistisch und wegen ihrer Religion beleidigt zu haben, und hat ihm ein Platzverbot erteilt. Nun hat sich Brenner auf Anfrage von exxtra24 geäußert. Er räumt “unangemessene Äußerungen” ein und entschuldigt sich. Den größeren Teil seiner Antwort widmet er allerdings dem Verhalten der anderen.
Der Vorfall im Lokal
Laut einer Stellungnahme des Vereins auf Facebook, besuchten drei Spieler nach dem Spiel gegen Neulengbach am 24. Oktober ein Lokal in Wilhelmsburg im Bezirk St. Pölten. “Nach ihren Schilderungen wurden sie dort von Sozialstadtrat Christian Brenner (FPÖ) mehrfach rassistisch und aufgrund einer ihnen zugeschriebenen Religionszugehörigkeit beleidigt”, heißt es darin. Auslöser soll ein serbisches Lied gewesen sein, das sich die Spieler gewünscht hatten. Der Verein beruft sich auch auf den Kellner, der die Schilderungen “auf Nachfrage” bestätigt habe. “Als Konsequenz sprechen wir Herrn Christian Brenner ein Platzverbot für unsere Sportanlage aus.”
Brenner: “Wortwahl nicht in Ordnung”
In seiner Antwort an exxtra24 bestätigt Brenner im Kern, dass er sich im Ton vergriffen hat. “Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war ein Musikwunsch, wobei ich mich im Zusammenhang mit diesem Musikstück zu unangemessenen Äußerungen habe hinreißen lassen. Mir ist bewusst, dass meine Wortwahl auch nicht in Ordnung war.” Dafür habe er sich bereits öffentlich entschuldigt, er wiederhole dies und übernehme “auch die Verantwortung”. Was genau er gesagt hat, schreibt Brenner nicht.
“Nicht einseitig verlaufen”
Gleich danach wechselt Brenner die Perspektive. “Gleichzeitig muss ich aber festhalten, dass der Vorfall nicht einseitig verlaufen ist”, schreibt er. Er selbst sei im weiteren Verlauf “massiv beschimpft und sogar mit körperlicher Gewalt bedroht” worden. Zudem sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den Spielern und anderen Gästen gekommen, an der er nicht beteiligt gewesen sei. Die drei Spieler seien schließlich aus dem Lokal geworfen worden.
Kritik am Verein
Auch dem Verein macht Brenner Vorwürfe. Er wisse nicht, ob die Spieler die Vereinsverantwortlichen “wahrheitsgemäß” über ihr eigenes Verhalten informiert hätten. Sollte der Verein darüber Bescheid gewusst haben, sei “die einseitige Darstellung aber auch nicht tragbar”. Wer einen Social-Media-Kanal nutze, um Anschuldigungen gegen Dritte zu verbreiten, trage “eine besondere Verantwortung im Sinne der Wahrheitsfindung und Objektivität”. Er fordert, dass “alle Seiten gehört werden”, bevor “einseitige öffentliche Anschuldigungen und Vorverurteilungen stattfinden”. Seine Antwort endet mit dem Satz: “Meine Hand ist ausgestreckt.”
Der Maßstab vom Februar
Bemerkenswert ist der Vergleich mit einer Aussage, die Brenner selbst vor wenigen Monaten getroffen hat. Im Februar war der SPÖ-Vizebürgermeister von Wilhelmsburg nach einer mutmaßlich diskriminierenden Aussage bei einem Faschingsumzug zurückgetreten. Was er gesagt haben soll, wurde nie öffentlich bekannt, er selbst bestritt die Vorwürfe. Brenner schrieb damals laut ORF: “Auch in geselligen Momenten und vor allem bei öffentlichen Feiern trägt ein Mandatar Verantwortung für sein Auftreten und hat eine Vorbildwirkung für die Bevölkerung und Jugend.” Laut “Heute” sprach er zudem von einem möglichen “bemerkenswerten Kontrast zu den sonst so lauten Moralpredigten der Sozialdemokraten”. Auf seine eigene Aussage vom Februar geht Brenner in seiner Antwort nicht ein.
Wer Christian Brenner ist
Brenner sitzt seit 2010 im Wilhelmsburger Gemeinderat, ist seit 2015 FPÖ-Stadtparteiobmann und seit 2023 Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Gemeindewohnbau. Seit dem Vorjahr ist er zudem Abgeordneter zum niederösterreichischen Landtag. Ob der Vorfall rechtliche Folgen hat, ist offen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Neueste Kommentare