Die Teuerung in Österreich verliert spürbar an Tempo. Regierungsvertreter feiern die aktuellen Zahlen als Erfolg ihrer Mehrwertsteuersenkung – Ökonomen warnen jedoch bereits vor einer Trendwende, die sich am Horizont abzeichnet.
Der zweite Rückgang in Folge
Laut einer Schnellschätzung von Statistik Austria lag die Inflation im Juli bei 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 3,2 Prozent im Juni, wie news.ORF.at berichtet. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits im Vormonat eingesetzt hatte. Wichtig zur Einordnung: Der von der Europäischen Zentralbank angepeilte Zielwert von zwei Prozent wird weiterhin deutlich überschritten, wie derStandard anmerkt.
Die Mehrwertsteuersenkung als Preistreiber nach unten
Zentraler Grund für den Rückgang sind niedrigere Lebensmittelpreise. Im Juli sanken die Preise für Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol um 0,1 Prozent – nachdem sie im Juni im Jahresvergleich noch um 1,5 Prozent gestiegen waren, wie aus dem Bericht von oe24 hervorgeht. Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk ordnete die Entwicklung konkret ein: Etwa die Hälfte des Rückgangs um 0,5 Prozentpunkte sei auf die leicht gesunkenen Lebensmittelpreise zurückzuführen, maßgeblich beigetragen habe dazu die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von zehn auf 4,9 Prozent seit 1. Juli, so Lenk laut derStandard.
Stocker und Babler zeigen sich zufrieden
Die Regierungsspitze nutzte die Zahlen prompt für positive Botschaften. „Dass die Inflationsrate im Juli auf 2,7 Prozent gesunken ist, zeigt, dass Maßnahmen wie die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel wirken“, erklärte Kanzler Christian Stocker (ÖVP), wie oe24 zitiert. Besonders erfreulich sei, dass die Teuerung bereits zum zweiten Mal in Folge um 0,5 Prozentpunkte zurückgegangen sei; nun gehe es darum, die Inflation nachhaltig auf zwei Prozent zu senken. Auch die SPÖ-Spitze meldete sich zufrieden zu Wort: Vizekanzler Andreas Babler betonte in einer Aussendung auf der Plattform OTS, man habe der Bevölkerung versprochen, die Teuerung „nicht durchrauschen zu lassen“, und halte dieses Versprechen. Finanzminister Markus Marterbauer sprach von einer „guten Nachricht für alle Haushalte und Betriebe“.
Dienstleistungen bleiben größter Preistreiber
Trotz der insgesamt sinkenden Inflation bleibt ein Bereich hartnäckig teuer: Dienstleistungen waren laut oe24 weiterhin der größte Inflationstreiber. Auch Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher verwies auf den anhaltenden Preisauftrieb in diesem Sektor und warnte zugleich, dass die nach wie vor volatile geopolitische Lage die Energiepreise und damit den gesamten Inflationsausblick rasch wieder verändern könnte.
Warnung vor „Climateflation“
Für Dämpfer bei der Feierlaune sorgt ein Blick nach vorne. Laut Oesterreichischer Nationalbank wurde die Steuerermäßigung zwar in erheblichem Ausmaß an die Kundschaft weitergegeben, die Preise für Lebensmittel dürften aber schon bald wieder steigen – Grund dafür ist die sogenannte Climateflation: Preissteigerungen, die durch Folgen der Klimakrise wie Extremwetter, Ernteausfälle und gestörte Lieferketten entstehen, wie oe24 erläutert. An den Rohstoffmärkten ziehen die Preise für Lebensmittel im Juli bereits an – Ökonomen bringen das mit der aktuellen Hitzewelle in Europa in Verbindung. Die Verkaufspreise im Einzelhandel dürften in der Folge steigen, bei frischen Lebensmitteln rascher als bei verarbeiteten Produkten, da Hitze und Trockenheit die kommende Spätsommerernte belasten.
Kritik von ÖGB und VCÖ
Nicht ungeteilt positiv fällt die Reaktion abseits der Regierungsparteien aus. Der ÖGB reagierte vorsichtiger und verwies auf den weiterhin hohen Preisdruck durch Sprit- und Heizölpreise, der vor allem Pendler und Familien belaste, für die der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oft keine realistische Option sei. Zusätzlich kritisierte die Gewerkschaft die kürzlich beschlossene Verlängerung der Spritpreisbremse ohne Margenbegrenzung. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein wirksames Instrument zur Begrenzung von Margen abgeschwächt wurde und jetzt gar nicht mehr eingesetzt wird“, so Angela Pfister, Leiterin des Volkswirtschaftlichen Referats im ÖGB, laut oe24. Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) äußerte sich skeptisch zur Spritpreisbremse und forderte stattdessen ein Maßnahmenpaket zur Reduktion des Treibstoffverbrauchs – etwa durch den Ausbau von Öffis und Radinfrastruktur, die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten sowie Tempolimits, wie VCÖ-Experte Michael Schwendinger laut Aussendung erklärte.
Credits: BKA, Christopher Dunker
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