Ein weiterer Schritt im monatelangen Ringen um Gazas Zukunft: US-Präsident Donald Trump hat eine Vereinbarung zur vollständigen Entwaffnung der Hamas verkündet. Die islamistische Organisation, die eine Waffenabgabe bislang stets abgelehnt hatte, bestätigte die Einigung – Details der Umsetzung bleiben aber offen, und Israel äußerte sich bislang nicht dazu.
Trumps Ankündigung auf Truth Social
Der von den USA initiierte sogenannte Friedensrat, den Trump als Vorsitzender leitet, habe eine Vereinbarung zur „vollständigen Entwaffnung“ der Hamas und aller anderen bewaffneten Gruppen im Gazastreifen erzielt, schrieb der US-Präsident am Donnerstagabend auf seiner Plattform Truth Social, wie derStandard berichtet. „Today, the Board of Peace reached a HISTORIC agreement for the COMPLETE DISARMAMENT of Hamas and all other armed groups in Gaza. This is a monumental step toward lasting PEACE and SECURITY“, zitiert die „Jerusalem Post“ aus Trumps Beitrag. Als Vermittler bedankte sich Trump ausdrücklich bei Ägypten, Katar und der Türkei sowie bei seinem eigenen Verhandlungsteam.
Der Fahrplan: Waffenabgabe an ein neues Nationalkomitee
Laut einer Kopie der Vereinbarung, die dem Nachrichtensender Al Jazeera vorliegt, muss ein genauer Zeitplan für die Entwaffnung innerhalb von 14 Tagen ausgearbeitet werden, mit möglichen Verlängerungen, sofern ein internationales Kontrollgremium und alle beteiligten Parteien zustimmen. Die Waffen sollen demnach nicht an Israel oder eine andere nicht-palästinensische Stelle übergeben werden, sondern an ein neu zu schaffendes „Nationalkomitee“, das künftig als einzige Kraft in Gaza im Besitz von Waffen sein soll. Ein Vertreter des Friedensrats bestätigte gegenüber Al Jazeera, dass zunächst die Waffen der Hamas-Polizeikräfte übergeben würden, gefolgt von der Stilllegung schwerer Waffensysteme. Sämtliche militärische Aktivität in Gaza solle im Zuge des Plans eingestellt werden – dies werde allerdings Zeit brauchen, räumte der Vertreter ein.
Israelischer Truppenabzug an Bedingungen geknüpft
Im Gegenzug für die Entwaffnung sollen sich die israelischen Streitkräfte nach deren Abschluss aus Gaza zurückziehen. Nach Angaben Trumps soll dieser Prozess in „sorgfältig strukturierten Phasen“ ablaufen. Parallel zum Rückzug soll eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) gemeinsam mit einer neuen palästinensischen Polizei die Sicherheit in Gaza übernehmen, wie die „Jerusalem Post“ berichtet. Bereits am Donnerstag hatte eine diplomatische Quelle gegenüber der Zeitung erklärt, Israel habe die vollständige Entwaffnung der Hamas sowie die komplette Demilitarisierung des Gazastreifens als Vorbedingung für jeden Rückzugsprozess verlangt.
Hamas bestätigt – mit Vorbehalt
Auf palästinensischer Seite wurde die Einigung bereits bestätigt, allerdings nicht ohne Einschränkung. Ghazi Hamad, Mitglied der Hamas-Verhandlungsdelegation, bezeichnete die Verhandlungen gegenüber Al Jazeera als schwierig, man habe versucht, die bestmögliche erreichbare Formel zu finden. Zugleich stellte Hamad klar, dass die Hamas keinen Teil der Vereinbarung umsetzen werde, sollten die israelischen Streitkräfte ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommen.
Ein „bedingungsabhängiger Deal“
Wie belastbar die Einigung tatsächlich ist, bleibt vorerst unklar. US-Vertreter und Funktionäre des Friedensrats bezeichneten die Vereinbarung selbst als Ergebnis monatelanger „sehr heikler Verhandlungen“, die schließlich zu einem „Durchbruch“ geführt hätten – man verstehe nun, „was zu tun ist“, betonten sie zugleich aber ausdrücklich als „bedingungsabhängigen Deal“, wie CNN berichtet. Israel selbst hatte sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht offiziell zu der Vereinbarung geäußert.
Der größere Rahmen: Trumps 20-Punkte-Plan
Die nun verkündete Einigung ist Teil von Trumps bereits im Oktober vergangenen Jahres vorgestelltem 20-Punkte-Plan für einen dauerhaften Frieden in Gaza. Der „Board of Peace“ selbst wurde im Zuge des im Oktober 2025 vereinbarten Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas gegründet und im Jänner 2026 im Rahmen einer Unterzeichnungszeremonie in Davos offiziell aus der Taufe gehoben. Die Entwaffnung der Hamas galt seither durchgehend als zentraler, bislang ungelöster Streitpunkt für die weitere Zukunft Gazas.
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