Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wurden in Österreich innerhalb eines Halbjahres mehr Menschen abgeschoben als neue Asylanträge gestellt. ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl präsentierte die Zahlen am Freitag als Beleg für eine „Migrationswende“ – und nutzte den Termin auch für einen Seitenhieb gegen die FPÖ.
„Mehr raus als rein“
„Mehr raus als rein“, brachte Gödl die zentrale Botschaft der Halbjahresbilanz auf den Punkt, wie Heute.at berichtet. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut ÖVP rund 4.900 Asylanträge registriert, dem stehen rund 7.000 Abschiebungen gegenüber. Diese Größenordnung deckt sich mit den Zahlen, die das Innenministerium bereits am 21. Juli in einer eigenen Aussendung auf der Plattform OTS präsentiert hatte: Rund 2.000 Asylerstanträgen standen demnach mehr als 2.200 Abschiebungen nach einem Asylantrag gegenüber. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach in diesem Zusammenhang von einer „Minuszuwanderung“ und erklärte, verschiedene Maßnahmen hätten dazu geführt, dass die Abschiebungen im gesamten ersten Halbjahr erstmals höher ausgefallen seien als die Zahl neuer Anträge.
Niedrigster Wert seit 23 Jahren
Die Zahl der Asylanträge insgesamt ist laut Innenministerium im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 44 Prozent gesunken – von etwa 8.800 auf 4.900 Anträge. Dies sei der niedrigste Wert seit rund 23 Jahren, wie mehrere Medien unter Berufung auf das Innenministerium übereinstimmend berichten. Bei den sogenannten originären Erstanträgen – also Anträgen von Personen, die neu ins Land gekommen sind – wurde laut ÖVP sogar der niedrigste Stand seit 2015 erreicht.
Familiennachzug bricht praktisch ein
Besonders deutlich fällt der Rückgang beim Familiennachzug aus. Kamen im ersten Halbjahr 2024 noch rund 6.000 Personen auf diesem Weg nach Österreich, waren es im Vergleichszeitraum 2026 nur noch 48 Personen. Die endgültige Regelung zu einer künftigen Quote werde derzeit ausgearbeitet und dürfte „sehr gering“ ausfallen, kündigte Gödl laut Heute.at an.
Weniger Menschen in der Grundversorgung
Auch bei der Zahl der betreuten Asylwerber zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Aktuell befinden sich laut ÖVP rund 5.500 Personen in der Grundversorgung, zu Jahresbeginn waren es noch mehr als 10.500. Dadurch habe die Zahl der Bundesquartiere von 30 auf acht reduziert werden können. Für die kommenden beiden Jahre plant die Regierung zudem, das Budget für Asyl und Fremdenwesen um rund 20 Prozent zu senken.
Fußfessel-Forderung und Ausblick
Neben den Asylzahlen bekräftigte Gödl bei der Pressekonferenz auch seine bereits zuvor geäußerte Forderung nach einer elektronischen Fußfessel für Gefährder – ein Vorstoß, den er bereits Tage zuvor mit DSN-Chefin Sylvia Mayer geteilt hatte. Als nächste Schritte in der Asylpolitik nannte er den Aufbau von Rückkehrzentren außerhalb Europas, an dem Österreich gemeinsam mit Deutschland, Dänemark, Griechenland und den Niederlanden arbeite, sowie den weiteren Ausbau des Grenzschutzes und die konsequente Umsetzung des EU-Asylpakts, der laut Innenministerium Mitte Juni 2026 in Kraft trat.
Seitenhieb gegen die FPÖ
Die Pressekonferenz nutzte Gödl zudem für scharfe Kritik an der FPÖ. Vor dem Hintergrund jüngster Diskussionen über mögliche Verbindungen freiheitlicher Mitarbeiter zu den Identitären sprach er sich für verpflichtende Sicherheitsüberprüfungen parlamentarischer Mitarbeiter aus und kündigte an, seine eigenen Mitarbeiter freiwillig überprüfen zu lassen. Auch zog er einen Vergleich zur Amtszeit Herbert Kickls als Innenminister: 2018 habe es 61.000 Menschen in der Grundversorgung gegeben, aktuell seien es über 55.000 weniger. „Der Vergleich macht sicher“, so Gödl laut Heute.at.
Credits: Parlamentsdirektion, Thomas Topf
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