Die extreme Trockenheit in Europa hat in Rumänien eine ernste Energiekrise ausgelöst. Weil der Pegel der Donau auf ein nie dagewesenes Niveau gesunken ist, musste das einzige Atomkraftwerk des Landes komplett vom Netz genommen werden – nun greift die rumänische Marine zu einem drastischen Mittel: gezielten Unterwassersprengungen im Flussbett.
Beide Reaktoren in Cernavodă vom Netz
Das Kraftwerk Cernavodă, Rumäniens einzige Atomanlage, deckt normalerweise rund 20 Prozent des landesweiten Strombedarfs. Wie der staatliche Betreiber Nuclearelectrica mitteilte, musste zunächst am 28. Juli Reaktor 1 wegen des „beispiellosen, extrem niedrigen“ Wasserstands der Donau kontrolliert heruntergefahren werden. Nur zwei Tage später folgte auch Reaktor 2 – seither steht die gesamte Anlage still. Die Reaktoren nutzen Donauwasser zur Kühlung, weshalb die Anlage besonders anfällig für niedrige Flusspegel ist. Laut aktuellen Prognosen soll Reaktor 1 frühestens am 4. August, Reaktor 2 am 10. August wieder ans Netz gehen – Fachleute des Nationalen Instituts für Hydrologie äußerten allerdings bereits Zweifel an diesem Zeitplan.
Sprengungen sollen die Wasserzufuhr sichern
Um den Wasserfluss zum Kraftwerk zu verbessern, kamen am Wochenende Spezialkräfte der rumänischen Marine zum Einsatz. Wie die Nachrichtenagentur AP mit einem Foto dokumentiert, führten Taucher am Montag im Ort Izvoarele eine kontrollierte Unterwassersprengung durch, um im Flussbett liegende Felsen zu beseitigen. Ziel ist es, das Wasser gezielt in jenen Bereich der Donau umzuleiten, der das Kraftwerk mit ausreichend Kühlwasser versorgt. Der erste Sprengversuch reichte laut oe24 offenbar nicht aus – bereits am Montag sollten daher weitere Detonationen folgen.
Eine europaweite Dürre historischen Ausmaßes
Der Fall Rumänien steht dabei nicht allein: Wie das Portal Techtimes berichtet, ist der Donaupegel in Budapest zuletzt auf einen historischen Tiefstand von nur 31 Zentimetern gefallen. Auch Ungarns Atomkraftwerk Paks musste seine Leistung deswegen bereits um 491 Megawatt drosseln, laut dem Betreiber MVM liegt der aktuelle Pegel rund 28 Zentimeter unter dem bisherigen Rekordtief von 2018. Selbst Bulgariens Kraftwerk Kosloduj könnte laut einem Bericht der „Ziarul Financiar“ betroffen sein, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Auch Serbien musste die Leistung des Wasserkraftwerks Djerdap 1 (Eisernes Tor) auf rund ein Drittel der Kapazität zurückfahren, wie Reuters berichtete. Die Krise beschränkt sich zudem nicht auf den Donauraum: Der Rhein verzeichnete am 15. Juli bei Lobith mit 771 Kubikmetern pro Sekunde den niedrigsten jemals gemessenen Julidurchfluss.
Landesweiter Notstand für den gesamten August
Die Auswirkungen auf die rumänische Stromversorgung sind erheblich: Neben dem Atomkraftwerk sind auch mehrere Wasserkraftwerke entlang der Donau betroffen. Angesichts der angespannten Energielage rief die rumänische Regierung für den gesamten Monat August den landesweiten Notstand aus, wie oe24 berichtet. Ministerpräsident Ilie Bolojan, der auch interimistisch das Energieministerium leitet, betonte jedoch, dass die Stromversorgung für Haushalte und Unternehmen weiterhin gesichert sei – nötigenfalls auch über den Ausgleich durch andere heimische Energiequellen oder Stromimporte.
Keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung
Nuclearelectrica versicherte mehrfach, dass die Abschaltung der Reaktoren eine reine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der nuklearen Sicherheit und der Anlagenzuverlässigkeit darstelle, ohne jede Gefahr für Bevölkerung, Personal oder Umwelt. Der frühere rumänische Energieminister Virgil Popescu wies dennoch darauf hin, wie verwundbar das Energiesystem des Landes angesichts sich verändernder hydrologischer Bedingungen inzwischen geworden sei.
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