Ein Luxusauto mit Skiern auf dem Dach, ein Versteck hinter der Rückbank, das sich nur mit einem Magneten öffnen ließ, und eine unscheinbare Garage in Liesing als Umschlagplatz: Die Wiener Polizei hat einen internationalen Drogenring zerschlagen. Mehr als 30 Kilogramm Kokain wurden sichergestellt, so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr in Wien. Sechs Verdächtige wurden festgenommen.
Von Valencia über Genua nach Wien
Geschmuggelt wurde das Kokain laut Landeskriminalamt aus Valencia in Spanien, mit der Fähre über Genua und dann auf der Straße nach Wien, wie der ORF berichtet. Das Transportmittel war ein speziell präparierter Mercedes der S-Klasse. Hinter der Rückbank war ein Geheimfach eingebaut, das sich nur mithilfe eines Magnetschalters öffnen ließ. Bei normalen Kontrollen blieb es verborgen, erst Spezialisten des Bundeskriminalamts stießen bei forensischen Untersuchungen darauf. Zur Tarnung führte der Fahrer stets eine Skiausrüstung mit, sagte Major Christoph Hackl vom Landeskriminalamt am Montag.
Der Tipp aus dem Nachtlokal
Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch einen Hinweis aus der Drogenszene. Eine serbische Tätergruppe soll rund um ein Lokal in der Steinbauergasse in Meidling internationalen Drogenhandel betrieben haben. Die Spur führte zu einem 43-jährigen Serben, der laut Polizei in einem “unscheinbaren Mehrparteienhaus” in Liesing eine Wohnung samt Garage angemietet hatte, ohne dort gemeldet zu sein. Von dort aus soll er die Geschäfte geleitet haben. Die Ermittler sprechen laut APA von einer “mafiösen Struktur” eines Balkan-Clans.
Zugriff bei der Übergabe
Am 16. Jänner schlug die Polizei zu. Laut 5min.at übergab der 43-Jährige gerade 600 Gramm Kokain an zwei mutmaßliche Subdealer, einen 39-jährigen Serben und einen 36-jährigen Iraker. Bei ihm wurden 20 Kilogramm Kokain gefunden. Die restlichen zehn Kilogramm waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit der S-Klasse Richtung Slowenien unterwegs, ein 31-jähriger Kroate wurde an der Grenze in Spielfeld festgenommen. Bei einem 31-jährigen Österreicher stellten die Ermittler rund 27 Kilogramm Cannabisharz sicher. Laut MeinBezirk führte die Spur auch zu einer Festnahme in Düsseldorf. Den Schwarzmarktwert des Kokains schätzt die Polizei auf drei bis 3,5 Millionen Euro, dazu kamen eine fünfstellige Summe Bargeld und drei Fahrzeuge.
“Ein verhinderter Femizid”
Im März mussten die Ermittler ihre Pläne ändern. Ein weiterer mutmaßlicher Subdealer, ein 38-jähriger Österreicher, hatte laut Polizei seine Ex-Frau mehrfach gefährlich bedroht und ihr Auto mit einem Peilsender überwacht, trotz mehrerer Betretungsverbote. Dazu kam eine Morddrohung. “Die Delikte nach dem Suchtmittelgesetz wurden hinten angestellt, um gegen den Beschuldigten eine Festnahme zu erwirken und die Gefahr abzuwenden”, berichteten die Kriminalisten. Bei der Festnahme lag in der Mittelkonsole seines Autos eine geladene Pistole griffbereit. Ein verhinderter Femizid sei mehr wert als alle Drogenaufgriffe, meinten die Ermittler laut APA sinngemäß.
Lange Haftstrafen
Für einen Teil der Gruppe hatte der Fall bereits Folgen vor Gericht. Laut APA wurden die Beteiligten zusammen bereits zu 17 Jahren und zwei Monaten unbedingter Haft verurteilt. Ob die Urteile rechtskräftig sind und wie sie sich auf die einzelnen Beschuldigten verteilen, nannte die Polizei nicht. Für noch nicht verurteilte Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung.
Credits: FotoGablitz
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