GovGPT startet: Österreichs Verwaltung bekommt eigenen KI-Assistenten

GovGPT startet: Österreichs Verwaltung bekommt eigenen KI-Assistenten

250.000 Beamtinnen und Beamte, ein hausgemachtes KI-Tool und ein Wettlauf gegen die demografische Uhr. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) hat am Montag mit „GovGPT“ das erste konkrete Produkt seiner „Public AI“-Strategie präsentiert.

Was GovGPT können soll

Wie Pröll bei einem Pressegespräch erklärte, sollen bis Jahresende rund 250.000 öffentliche Bedienstete mit dem neuen Tool bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden. Konkret hilft die Anwendung beim Verfassen von Texten, beim Zusammenfassen von Dokumenten sowie beim Anlegen eigener Wissenssammlungen. Man wolle mit GovGPT „Vorreiter in Europa“ sein, so der Staatssekretär – man habe etwas gebaut, das „wirklich dem Anspruch eines modernen digitalen Staates gerecht wird“.

Warum die Verwaltung jetzt handeln muss

Hinter dem Vorstoß steht ein handfestes demografisches Problem: Wie Pröll erläuterte, gehen in den kommenden 13 Jahren 44 Prozent der öffentlich Bediensteten in Pension. Gleichzeitig soll im Rahmen der laufenden Budgetkonsolidierung künftig nur noch jede zweite frei werdende Stelle nachbesetzt werden. GovGPT soll diese Lücke zumindest teilweise abfedern, ohne dabei laut Pröll Personal zu ersetzen, sondern es zu entlasten.

Technische Basis: Souveräne Server statt US-Cloud

Besonderen Wert legt das Digitalisierungsstaatssekretariat auf die technische Souveränität der Anwendung. Das Tool laufe über Server des Bundesrechenzentrums (BRZ) und basiere aktuell auf der Sprach-KI des französischen Anbieters Mistral AI – dieser erhalte allerdings keinen Zugriff auf die Daten der heimischen Verwaltung. Das System sei zudem bewusst so konstruiert, dass der zugrunde liegende KI-Anbieter künftig ausgetauscht werden könnte, ohne die gesamte Infrastruktur neu aufbauen zu müssen. Diese „Shared Service“-Architektur soll laut einer früheren Aussendung des Bundeskanzleramts ressortübergreifend nutzbar sein und einen koordinierten Ansatz statt vieler paralleler Einzellösungen ermöglichen.

Der Fahrplan für die Einführung

In den kommenden Tagen soll GovGPT zunächst im Bundeskanzleramt selbst implementiert werden, danach folgen schrittweise weitere Teile der Verwaltung bis Jahresende. Der aktuelle Rollout war bereits bei der ursprünglichen Präsentation der „Public AI“-Initiative im März für das „Ende des ersten Halbjahres 2026“ angekündigt worden und liegt damit leicht hinter dem ursprünglichen Zeitplan.

Teil einer größeren KI-Strategie

GovGPT ist nur eines von insgesamt fünf konkreten Vorhaben, die Pröll bereits im März unter dem Dach „Public AI“ vorgestellt hatte. Ergänzt wird das Programm um KI-Funktionen im elektronischen Akt (ELAK), mit denen sich künftig Fragen an ganze Aktenbestände stellen lassen sollen, sowie um den Recherche-Assistenten „KAPA“ zur Unterstützung bei parlamentarischen Anfragen – hier soll laut ausdrücklicher Vorgabe stets ein „Human-in-the-loop“-Prinzip gelten, der Mensch also das letzte Wort behalten. Bereits verfügbar ist der interne Wissensassistent „KI-SUN“, der über 6.000 Seiten Schulungsunterlagen der Bundesverwaltung kennt. Noch Ende Juli soll zudem der Bürger-Chatbot „ida“ in der ID-Austria-App und auf oesterreich.gv.at eingeführt werden, gegen Ende des Sommers folgt der stufenweise Rollout von KI-Funktionen im elektronischen Akt des Bundeskanzleramts.

Kritik: Zu wenig Einbindung heimischer Expertise

Nicht ohne Kritik blieb die Initiative bislang allerdings. Das Technologiemagazin brutkasten bemängelte bereits bei der ursprünglichen Präsentation im März, die Regierung greife bei der Entwicklung öffentlicher KI-Infrastruktur zu wenig gezielt auf das vorhandene Netzwerk heimischer KI-Expertise zurück – ein Hackathon allein reiche als Einbindung nicht aus. Auch das Magazin Business Punk ordnete die präsentierten Anwendungen wie Chatbots und Dokumentenzusammenfassungen als Technologien ein, die in der Privatwirtschaft bereits seit Jahren Standard seien – aus dieser Perspektive handle es sich für den öffentlichen Sektor eher um notwendige Aufholarbeit als um einen echten Durchbruch.

Credits: Parlamentsdirektion, ​Johannes Zinner

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