Umfragebeben in den Bundesländern: Bis zu sechs Landeshauptleute-Sessel für ÖVP und SPÖ in Gefahr

Umfragebeben in den Bundesländern: Bis zu sechs Landeshauptleute-Sessel für ÖVP und SPÖ in Gefahr

Die schwachen Umfragewerte der Bundesregierung schlagen zunehmend auch auf die einstigen Kernländer von ÖVP und SPÖ durch. Sollte sich der Trend bis zu den anstehenden Landtagswahlen 2027 und 2028 fortsetzen, könnten am Ende sechs von neun Bundesländern unter freiheitlicher Führung stehen.

Der Ausgangspunkt: Eine historisch schwache Koalition

Grundlage der aktuellen Debatte ist eine Umfrage der Kronen Zeitung, wonach die Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS gemeinsam nur noch auf 42 Prozent kommt. Erstmals verlieren dabei alle drei Regierungsparteien gleichzeitig an Zustimmung. Besonders dramatisch fällt der Einbruch bei der SPÖ aus: Die Partei von Vizekanzler Andreas Babler liegt mit 15 Prozent sechs Punkte unter ihrem ohnehin historisch schlechten Ergebnis bei der Nationalratswahl 2024. Innerhalb der Schwankungsbreite haben die Grünen die SPÖ damit bereits eingeholt – die Sozialdemokraten drohen erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik nach der nächsten Wahl aus dem Nationalratspräsidium zu fliegen. Auch die ÖVP, die 2019 noch bei 37 Prozent lag, überzeugt aktuell nur noch jeden fünften Wähler und kommt auf 20 Prozent, während die FPÖ bereits bei 37 Prozent liegt.

Tirol: Erstmals Kopf-an-Kopf-Rennen im „Heiligen Land“

Besonders brisant ist die Entwicklung in Tirol, wo die ÖVP traditionell als unangefochten stärkste Kraft galt. Laut einer Foresight-Umfrage im Auftrag des ORF Tirol, für die zwischen 11. Juni und 6. Juli 800 Personen befragt wurden, kommen ÖVP und FPÖ nun gleichauf auf jeweils 29 Prozent. Bei der Landtagswahl 2022 hatte die ÖVP noch 34,71 Prozent erreicht, die FPÖ lediglich 18,84 Prozent. Auch die SPÖ verliert deutlich und würde nach 17,48 Prozent bei der letzten Wahl nur noch auf 12 Prozent kommen. Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger relativierte das Ergebnis zwar mit dem Hinweis, dass sich rund ein Drittel der Wähler erst im kommenden Jahr endgültig entscheiden werde – dennoch schlage sich der für die FPÖ günstige Bundestrend derzeit spürbar auch in Tirol durch. Bei der sogenannten Landeshauptmann-Frage liegt ÖVP-Amtsinhaber Anton Mattle mit 29 Prozent zwar weiterhin vor FPÖ-Chef Markus Abwerzger, der nur 15 Prozent erreicht.

Kärnten: Ein enger werdender Zweikampf

Auch in Kärnten deutet sich Bewegung an. Eine Erhebung des Instituts für Demoskopie & Datenanalyse (IFDD) sieht die regierende SPÖ bei 34 Prozent, während die FPÖ um 7,5 Prozentpunkte auf 32 Prozent zulegt. Bei einer angegebenen Schwankungsbreite von 4 Prozentpunkten gilt das Rennen um die Nachfolge von Langzeit-Landeshauptmann Peter Kaiser als offen. Zur Einordnung: Diese Umfrage wurde vom SPÖ-Landtagsklub selbst in Auftrag gegeben, während ein aggregierter Trendwert unabhängiger Institute auf dem Portal PolitPro mit Stand 19. Juli einen deutlich größeren Abstand zwischen SPÖ (38,9 Prozent) und FPÖ (24,6 Prozent) ausweist – ein Hinweis darauf, dass die tatsächliche Ausgangslage je nach Datenquelle unterschiedlich eingeschätzt wird.

Oberösterreich und Salzburg: Amtsinhaber unter Druck

Auch in jenen Bundesländern, in denen die FPÖ bereits als Juniorpartner der ÖVP mitregiert – Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg –, könnten die Landtagswahlen 2027 und 2028 einen Machtwechsel bringen. Die schwache Performance der Bundesregierung könnte dabei selbst populären Landeshauptleuten wie Johanna Mikl-Leitner in Niederösterreich oder Thomas Stelzer in Oberösterreich die bisherige Nummer-eins-Position kosten. In Salzburg muss sich die frühere Bundesministerin Karoline Edtstadler bei ihrem ersten Antreten als Spitzenkandidatin gegen FPÖ-Landesparteichefin Marlene Svazek behaupten.

Ein Bild mit wenigen Ausnahmen

Weitgehend stabil bleibt die Lage bislang nur in drei Bundesländern: Wien und das Burgenland werden von der SPÖ geführt, Vorarlberg von der ÖVP – dort ist eine blaue Mehrheit aktuell nicht in unmittelbarer Reichweite. In der Steiermark hingegen stellt die FPÖ mit Mario Kunasek bereits seit Ende 2024 den Landeshauptmann. Sollte sich die Performance der Bundesregierung nicht deutlich verbessern, könnten nach Abschluss der anstehenden Landtagswahlserie theoretisch bis zu sechs der neun Bundesländer unter freiheitlicher Führung stehen.

Credits: BKA, Christopher Dunker

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