Geiselnahme in Berliner Supermarkt nach fast zwölf Stunden beendet

Geiselnahme in Berliner Supermarkt nach fast zwölf Stunden beendet

Fast zwölf Stunden lang hielt ein Mann in einem Berliner Supermarkt eine Frau als Geisel fest – dann griff das Spezialeinsatzkommando zu. Über die Hintergründe der Tat ist weiterhin fast nichts bekannt.

Der Beginn: Ein Messer kurz vor Ladenschluss

Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, brachte der Täter die Frau kurz nach 22 Uhr am Freitagabend in einem Rewe-Supermarkt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt. Ein 22-jähriger Mitarbeiter der Filiale, der die Situation aus nächster Nähe miterlebte, schilderte gegenüber dem ORF, die Filiale habe kurz vor der Schließung gestanden, als er die Kunden hinausbegleiten wollte. In diesem Moment habe ein Mann ein Messer gezogen, das nach seiner Beschreibung „sehr groß“ gewesen sei. Der junge Mann, der als Minijobber in dem Markt arbeitet, sagte, alles sei sehr schnell gegangen und kaum zu erkennen gewesen – er habe aber ein „funkelndes Messer“ gesehen und sei daraufhin gemeinsam mit einer Kollegin aus dem Geschäft geflüchtet, um die Polizei zu rufen. Die betroffene Kollegin sei schlicht „am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“ gewesen. Die Polizei wollte diese Schilderung zunächst weder bestätigen noch dementieren.

Großeinsatz mit Spezialkräften

Der Ort des Geschehens liegt an der Kreuzung Hildburghauser Straße und Tirschenreuther Ring im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, einer nach Angaben von t-online eher ruhigen Wohngegend am südlichen Stadtrand Berlins. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK), zahlreiche Streifenwagen, Rettungswagen und die Feuerwehr. Wie t-online berichtet, wurde der Bereich rund um den Supermarkt weiträumig abgesperrt, aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei zunächst weder zur Identität des Täters noch zu einem möglichen Motiv oder etwaigen Forderungen Angaben. Für die Anwohner habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, betonten die Beamten.

Kontakt zum Täter über Stunden

Während der gesamten Nacht stand die Polizei nach eigenen Angaben in Kontakt mit dem Geiselnehmer. Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann bestätigte gegenüber der dpa in den frühen Morgenstunden, Mann und Frau befänden sich weiterhin gemeinsam im Supermarkt, der Einsatz dauere an. Auch am frühen Samstagmorgen verschafften sich Beamte über eine an das Gebäude gestellte Leiter einen Blick in den Markt. Laut dem ORF hielten mehrere Angestellte des Supermarkts, die sich zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Geschäft befunden hatten, hinter der Absperrung aus – in dünne Rettungsdecken gehüllt, die ihnen der Rettungsdienst zur Verfügung gestellt hatte.

Die Befreiung am Samstagmorgen

Nach fast zwölf Stunden gelang schließlich der Zugriff: Wie die Berliner Zeitung berichtet, teilte ein Polizeisprecher mit, die Spezialeinsatzkräfte hätten die Frau befreien können. Sie werde derzeit von Rettungskräften untersucht. Auch der Täter wurde festgenommen. Zum genauen Gesundheitszustand der Frau, zur Identität beider Beteiligter sowie zum Motiv der Tat machte die Polizei bislang keine weiteren Angaben – all das sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, hieß es. Ein Anwohner berichtete gegenüber Reportern vor Ort, er habe den Polizeizugriff aus der Nähe mitverfolgen können, bevor ihn Einsatzkräfte gebeten hätten, sich zu entfernen.

Offene Fragen

Nach wie vor unklar bleibt, ob die Geisel während der stundenlangen Geiselnahme verletzt wurde und ob der Täter tatsächlich bewaffnet war, wie es der Mitarbeiterbericht nahelegt. Auch zu den Hintergründen und einem möglichen Tatmotiv hat sich die Polizei bislang nicht geäußert.

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