Die AfD baut ihren Vorsprung vor der Union weiter aus – und erreicht dabei einen historischen Bestwert. Die neue Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt ein politisches Kräfteverhältnis in Deutschland, das es in dieser Form noch nie gegeben hat.
Ein Rekordwert für die AfD
Wie Ipsos in seiner aktuellen Erhebung mitteilt, käme die AfD bei einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag auf 28 Prozent der Stimmen und bliebe damit stärkste politische Kraft. Für die Partei ist das der höchste je von dem Institut gemessene Wert – ein Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vormonat. Die Erhebung wurde zwischen 4. und 6. Juli 2026 durchgeführt, befragt wurden laut ad-hoc-news.de 1.000 Wahlberechtigte, gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der Bundestagswahl.
Union stürzt auf Tiefstwert seit 2022
Während die AfD zulegt, geht es für CDU und CSU weiter bergab: Die Union verliert einen Prozentpunkt und kommt nur noch auf 22 Prozent – laut Ipsos der niedrigste Stand seit Januar 2022. Damit wächst der Abstand zwischen AfD und Union bei Ipsos erstmals auf sechs Prozentpunkte. Noch im Juni hatte die AfD bei 27 Prozent gelegen, die Union bei 23 Prozent.
Linke zieht mit SPD gleich
Auch bei den kleineren Parteien gibt es Bewegung: Die Linke legt einen Prozentpunkt zu und erreicht mit 13 Prozent ihren bislang höchsten Wert in der Ipsos-Sonntagsfrage – und liegt damit erstmals gleichauf mit der SPD, die unverändert bei 13 Prozent verharrt. Die Grüne bleiben stabil bei 14 Prozent, die FDP unverändert bei 4 Prozent unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde, das BSW bei 3 Prozent.
Auch andere Institute sehen ähnliches Bild
Der Trend zeigt sich nicht nur bei Ipsos. Wie die Berliner Zeitung berichtet, hatten zuletzt auch Forsa (26 Prozent für die AfD) und Insa (29 Prozent) ähnliche Werte für die AfD gemessen, jeweils bei rund 22 Prozent für die Union. Auch die Erhebung von Infratest dimap Anfang Juli sah die AfD mit 27 Prozent vor der Union mit 22 Prozent.
Was das für eine Regierungsbildung bedeuten würde
Überträgt man die aktuellen Werte auf eine hypothetische Sitzverteilung im Bundestag, käme die AfD laut einer Modellrechnung von Apollo News bei insgesamt 630 Sitzen auf rund 196 Mandate, die Union auf 154, die Grünen auf 98 sowie SPD und Linke auf jeweils 91. Für eine Mehrheit wären 316 Sitze nötig. Hält man an der bisherigen „Brandmauer“ zur AfD fest, wäre eine Mehrheitsbildung der übrigen Parteien nur noch über ein Dreierbündnis möglich – am wahrscheinlichsten erschiene demnach eine Koalition aus Union, Grünen und SPD.
Auch die Zufriedenheit mit der Regierung sinkt
Die schwache Performance der Regierungsparteien spiegelt sich auch in anderen Ipsos-Erhebungen wider: Die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz sank zuletzt auf nur noch 15 Prozent, ein Rückgang um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. Auch die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung insgesamt bewerten laut Ipsos nur 17 Prozent der Deutschen positiv – ein Wert, der seit Monaten auf niedrigem Niveau verharrt.
Bis zur nächsten Wahl ist es noch hin
Sofern es nicht zu vorgezogenen Neuwahlen kommt, findet die nächste reguläre Bundestagswahl erst zwischen Januar und März 2029 statt. Wie Apollo News anmerkt, gilt angesichts der anhaltenden Reputationskrise und interner Streitigkeiten innerhalb der schwarz-roten Koalition ein früherer Wahltermin aber nicht als ausgeschlossen.
Credits: Thomas Köhler / photothek
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