„Da wurde mir übel“: FPÖ-Jugend Kärnten verliert Mitglieder nach Rechtsruck-Vorwürfen

„Da wurde mir übel“: FPÖ-Jugend Kärnten verliert Mitglieder nach Rechtsruck-Vorwürfen

Der nächste „Einzelfall“ in der Debatte um FPÖ-Verbindungen zu den Identitären: Nach der Wahl eines neuen Landesobmanns mit langer Vorgeschichte im rechtsextremen Milieu haben gleich fünf Mitglieder der Freiheitlichen Jugend Kärnten aus Protest die Organisation verlassen.

Ein Aufsteiger mit bewegter Vorgeschichte

Seit diesem Jahr steht Viktor Erdesz an der Spitze der Jungen Freiheitlichen in Kärnten. Der 30-Jährige wuchs in Deutschland auf, bevor er über Wien nach Kärnten kam. Politisch führte sein Weg zunächst über die AfD und das Team HC Strache zur FPÖ Kärnten, wo er zuletzt sogar als möglicher Gemeinderatskandidat für Klagenfurt gehandelt wurde.

Eine lange Liste an Vorwürfen

Erdesz werden seit Jahren enge Kontakte ins rechtsextreme Milieu nachgesagt. Er soll Mitglied der Wiener Burschenschaft Olympia sowie Mitbegründer der Kleinpartei „Die Stimme“ gewesen sein, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) an der Grenze zum Neonazismus verortet. 2020 lud er zudem mit einem Wehrmachts-Foto zu einer Veranstaltung ein. Hinzu kommen laut übereinstimmenden Berichten Verbindungen zur Identitären Bewegung, gemeinsame Auftritte mit bekannten Szene-Akteuren sowie die Teilnahme an einschlägigen Demonstrationen. Mit dem bekannten Identitären-Mitglied Gernot Schmidt soll Erdesz sogar gemeinsam im Urlaub gewesen sein und außerdem an einem rechtsextremen Stammtisch in Deutschland teilgenommen haben.

Fünf Austritte aus Protest

Nach Erdesz‘ Wahl zum Landesobmann traten fünf Mitglieder der Freiheitlichen Jugend Kärnten geschlossen aus. In einem Schreiben an die Partei begründeten sie ihren Schritt damit, dass der aktuelle Kurs der Organisation eindeutig in eine rechtsextreme und deutschnationale Richtung abdrifte. Man distanziere sich klar von den bestehenden Tendenzen und Aktivitäten der Jugendpartei, heißt es darin. Ein weiteres ehemaliges Mitglied schrieb an die FPÖ Kärnten, man habe jahrelang daran gearbeitet, einen bestimmten Ruf von der Jugendorganisation fernzuhalten – diese Arbeit werde nun zunichtegemacht. Als die Person sich näher über den neuen Obmann informierte und auf die Vorwürfe stieß, sei ihr regelrecht übel geworden.

Auch Weggefährten bereits ausgeschlossen

Der Fall Erdesz steht nicht isoliert da: Mehrere seiner früheren Weggefährten wurden bereits aus der FPÖ ausgeschlossen, teils wegen extremistischer Ansichten, teils wegen rechtskräftiger Verurteilungen nach dem Verbotsgesetz. Erst kürzlich traf es etwa ein 22-jähriges Mitglied seiner eigenen Organisation, das aus der FPÖ Kärnten entfernt wurde.

Landespartei sieht bislang keinen Ausschlussgrund

Landesparteichef Erwin Angerer bestätigte, von den Vorwürfen bereits gehört zu haben – sie seien an ihn herangetragen worden. Er habe daraufhin auf allen ihm möglichen Ebenen versucht, die Vorwürfe zu überprüfen, sei dabei aber bislang auf keinen Grund für einen Parteiausschluss gestoßen. Derzeit sei ihm nichts bekannt, sollte sich das aber ändern, müsse die Situation neu beurteilt werden. Erdesz selbst äußerte sich zu den Vorwürfen nicht.

Teil eines größeren Musters

Der Kärntner Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle der vergangenen Wochen ein. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass ein früherer parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Abgeordneten unter den Tatverdächtigen einer Attacke auf einen Taxifahrer in Leoben war. Kurz darauf wurde publik, dass ein weiterer Ex-Mitarbeiter eines FPÖ-Mandatars bei einer rechtsextremen Gewaltattacke vor dem Parlament in Wien anwesend gewesen sein soll.

Credits: Bild KI-erzeugt

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