Frontex-Video sorgt für Ermittlungen gegen Sea-Watch-Kapitänin

Frontex-Video sorgt für Ermittlungen gegen Sea-Watch-Kapitänin

Ein rund siebenminütiges Video der EU-Grenzschutzbehörde Frontex hat in Italien Ermittlungen gegen die Besatzung des Seenotrettungsschiffs „Sea-Watch 5“ ausgelöst. Auch Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) äußerte sich nun zu dem Fall, der europaweit für politische Diskussionen sorgt.

Was das Video zeigt

Die Aufnahmen entstanden am 11. Mai 2026 durch ein Überwachungsflugzeug von Frontex rund 70 Kilometer nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis. Wie Euronews berichtet, bestätigte Frontex einen entsprechenden Flugzeugeinsatz an diesem Tag in dem betreffenden Gebiet. Zu sehen ist demnach, wie rund 90 Migranten – nach übereinstimmenden Medienberichten überwiegend aus Bangladesch – von einem Schnellboot mit mehreren maskierten Männern an Beiboote der „Sea-Watch 5“ übergeben werden. Vier Tage später lief das Schiff mit insgesamt 166 geretteten Migranten im süditalienischen Hafen Brindisi ein.

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Die Reaktion der italienischen Justiz

Nach Auswertung der Frontex-Aufnahmen leitete die Staatsanwaltschaft Brindisi ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einwanderung ein. Wie 20 Minuten berichtet, richtet sich das Verfahren gegen die niederländische Kapitänin des Schiffs, Anne van Dam. In Italien kann Beihilfe zur illegalen Einreise unter erschwerenden Umständen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren geahndet werden. Bei Einfahrt des Schiffs in Brindisi wurden laut mehreren Berichten die Küstenwache und Polizei aktiv: Navigationsdaten wurden kopiert, Logbücher sichergestellt und zwei Besatzungsmitglieder zur Befragung mitgenommen.

Sea-Watch weist die Vorwürfe zurück

Die Organisation Sea-Watch bestreitet jeden Kontakt oder eine Absprache mit Schleusern und betont, dass sich aus einem einzelnen Video keine eindeutige Schuld ableiten lasse. Seenotrettung sei eine völkerrechtliche Pflicht, so die NGO. Zugleich wirft Sea-Watch der deutschen Bundesregierung und der Europäischen Union vor, libysche Akteure über Frontex seit Jahren politisch, finanziell und operativ zu unterstützen, obwohl dokumentierte Gewalt gegen Schutzsuchende bekannt sei. Nach eigenen Angaben sei die „Sea-Watch 5“ sowohl im September 2025 als auch im Mai 2026 mehrfach bedroht, bedrängt und beschossen worden, zudem hätten libysche Milizen im Mai gedroht, das Schiff zu entern und samt Besatzung nach Libyen zu verschleppen.

Politische Reaktionen in mehreren Ländern

Der Fall löste auch politisch Reaktionen aus. Wie Heute.at berichtet, griffen sowohl AfD-Chefin Alice Weidel als auch die österreichische FPÖ-Politikerin Petra Steger den Fall in sozialen Netzwerken auf. Auch österreichische Innenminister Gerhard Karner äußerte sich am Donnerstag gegenüber der „Kronen Zeitung“ dazu: „Genau um diesem Treiben ein Ende zu setzen und auch um das Geschäft der Schleppermafia nachhaltig zu zerschlagen, arbeitet Österreich intensiv an der Umsetzung des Asylpakts und ganz konkret an Rückkehrzentren in Staaten außerhalb Europas.“ Kritischere Stimmen, etwa aus dem linken Medienspektrum, ordnen die mediale Verbreitung des Videos hingegen als Teil einer gezielten politischen Kampagne gegen die Arbeit ziviler Seenotretter ein.

Ein Fall mit Vorgeschichte

Der Vorwurf, zivile Seenotretter würden Schleppern im zentralen Mittelmeer faktisch zuarbeiten, ist nicht neu und wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Die „Sea-Watch 5“ selbst war bereits Ende März 2026 von italienischen Behörden nach einem Rettungseinsatz vorübergehend festgesetzt worden, wobei eine Geldstrafe verhängt wurde. Das Schiff war zudem erst Mitte Mai an einem separaten Einsatz beteiligt, bei dem 152 Migranten in Bari an Land gingen, darunter zahlreiche Verletzte mit Verbrennungen sowie 27 Minderjährige.

Credits: Screenshot / Le Figaro X

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