Flop statt Massenandrang: Nur 313 Anträge auf Teilpension

Flop statt Massenandrang: Nur 313 Anträge auf Teilpension

Zehntausend Anträge pro Jahr hatte das Sozialministerium erwartet, um damit hunderte Millionen Euro einzusparen. Nach einem halben Jahr zeigt sich: Die Realität sieht deutlich anders aus. Das neue Pensionsmodell zündet einfach nicht.

Ein Modell mit großen Ambitionen

Die Teilpension ist seit 1. Jänner 2026 in Kraft und richtet sich an ältere Beschäftigte, die nicht abrupt in den Ruhestand wechseln, sondern gleichzeitig reduziert weiterarbeiten und einen Teil ihrer Pension beziehen wollen. Wie das Sozialministerium in seiner offiziellen Ankündigung erläutert, sollen Betroffene ihre Arbeitszeit dafür um mindestens 25 und höchstens 75 Prozent reduzieren – vorausgesetzt, der Dienstgeber stimmt zu und es besteht bereits Anspruch auf eine reguläre, vorzeitige oder Langzeitversicherten-Alterspension. Ziel der Reform ist es laut Ministerium, das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen und Menschen länger gesund im Erwerbsleben zu halten.

Die ernüchternde Zwischenbilanz

Von den hochgesteckten Erwartungen ist nach sechs Monaten wenig übrig geblieben. Wie oe24.at unter Berufung auf Daten der Pensionsversicherungsträger berichtet, gingen im gesamten ersten Halbjahr lediglich 313 Anträge auf Teilpension ein. Den Löwenanteil davon verzeichnete die Pensionsversicherung (PVA) mit 289 Anträgen, von denen bislang 118 tatsächlich zuerkannt wurden. Bei der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) langten 19 Anträge ein, bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) gerade einmal 5.

Noch bemerkenswerter als die absolute Zahl ist der Verlauf über die Monate: Statt eines Aufwärtstrends zeigt sich beim Interesse eher eine Flaute. In den ersten beiden Monaten des Jahres gingen bei der PVA 80 Anträge ein, im März weitere 81 – danach ging es bergab: 51 im April, nur noch 33 im Mai, ein leichter Wiederanstieg auf 44 im Juni. Von einer sich beschleunigenden Nachfrage kann also keine Rede sein.

Die Kluft zu den ursprünglichen Erwartungen

Wie groß die Diskrepanz zwischen Plan und Realität ausfällt, zeigt ein Vergleich mit den ursprünglichen Prognosen des Sozialministeriums. Laut oe24.at war die Behörde im Vorjahr noch davon ausgegangen, dass sich rund 10.000 Menschen pro Jahr für die Teilpension entscheiden würden. Daran geknüpft waren auch handfeste budgetäre Erwartungen: Kalkuliert wurden Einsparungen von rund 200 Millionen Euro im Jahr 2026 und 400 Millionen Euro im Jahr 2027 – Zahlen, die sich bei aktuell 313 tatsächlichen Anträgen naturgemäß nicht erfüllen dürften.

Das Ministerium hält sich bei Prognosen bedeckt

Mit einer konkreten neuen Einschätzung zu den finanziellen Folgen des schwachen Andrangs hält sich das Sozialministerium bislang zurück. „Eine finanzielle Abschätzung ist nach so kurzer Zeit nicht seriös machbar“, zitiert die „Salzburger Nachrichten“ eine Stellungnahme des Ministeriums auf Anfrage. Die Teilpension sei schließlich ein neues Modell, das erst Zeit brauche, um sich zu etablieren. Zugleich räumt das Ministerium einen möglichen Kommunikationsmangel ein: „Gleichzeitig sehen wir, dass wir noch intensiver darüber informieren müssen“, heißt es weiter – eine verstärkte Informationsarbeit wolle man künftig gemeinsam mit den Sozialpartnern angehen.

Wer die Teilpension bislang nutzt

Ein Blick auf die Antragsteller zeigt zudem ein auffälliges Ungleichgewicht. Unter den PVA-Anträgen dominiert mit 104 Fällen die Gruppe jener mit Anspruch auf die Langzeitversichertenregelung, umgangssprachlich als „Hackler“ bekannt. Es folgen 71 Anträge von Personen mit Korridorpensions-Anspruch, 89 reguläre Pensionsanwärter sowie 25 mit Anspruch auf Schwerarbeiterpension. Auffällig ist auch die Geschlechterverteilung: 227 der PVA-Anträge stammen von Männern, nur 62 von Frauen – wobei fast alle antragstellenden Frauen einen Anspruch auf reguläre Alterspension hatten, was auf strukturelle Unterschiede beim Zugang zu den einzelnen Pensionsarten hindeutet.

Was jetzt zu erwarten ist

Ob sich die Nachfrage in den kommenden Monaten noch spürbar erhöht, bleibt offen. Das Sozialministerium selbst signalisiert, an dem Modell festhalten und stärker dafür werben zu wollen, statt es infrage zu stellen. Ob eine intensivere Informationskampagne tatsächlich ausreicht, um die Lücke zur ursprünglichen Prognose von 10.000 Anträgen pro Jahr zu schließen, wird sich frühestens im Jahresverlauf 2027 zeigen.

Credits: BKA/Regina Aigner

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