Ein „massiver Angriff“ stand bereit, der bis zu zwei Wochen hätte dauern können. Stattdessen herrscht seit dem Wochenende Funkstille an der Front. US-Präsident Donald Trump hat die geplante Eskalation gegen den Iran vorerst gestoppt – offiziell wegen neuer Diplomatie-Chancen, inoffiziell wegen eines Problems, das in Washington für erheblichen internen Streit sorgt: schwindende Munitionsvorräte.
Der Kriegsverlauf bis zur Pause
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran läuft mittlerweile seit rund fünf Monaten. Vor der aktuellen Pause hatten die US-Streitkräfte 13 Nächte in Folge Luftangriffe auf den Iran geflogen, wie France24 unter Berufung auf US-Medienberichte schreibt. Geplant war laut „Wall Street Journal“ ursprünglich eine deutlich größere Offensive – Berichten des Magazins „The Week“ zufolge erwog Trump sogar eine „massive Attacke“ samt Bodentruppen auf der iranischen Ölinsel Khark sowie Angriffen auf Energieanlagen, Küstenradarstationen und weitere zivile Ziele. Am Wochenende zog der Präsident dann überraschend die Reißleine.
Die Zahl, die für Streit sorgt
Im Zentrum der internen Debatte steht laut übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine. Er habe das Weiße Haus über die sinkenden Bestände an Patriot-Abfangraketen und anderer Luftverteidigungsmunition informiert, berichtet oe24.at unter Berufung auf das „Wall Street Journal“. Konkret sollen seit Kriegsbeginn bereits mindestens 1.500 Patriot-Abfangraketen verbraucht worden sein, wodurch den USA nach Einschätzung der Zeitung noch weniger als 1.000 Stück verbleiben – eine Zahl, die laut dem Portal National Security Journal vom Pentagon offiziell nicht bestätigt wurde. Zur Einordnung des Ausmaßes: Eine Analyse des Center for Strategic and International Studies (CSIS) vom April schätzte, dass allein die anfängliche Angriffskampagne bereits mindestens 45 Prozent der US-Bestände an Precision Strike Missiles, knapp die Hälfte der Patriot-Abfangraketen, mehr als die Hälfte der THAAD-Raketen und rund 30 Prozent der Tomahawk-Marschflugkörper aufgebraucht hatte.
Warnung ja, Blockade nein
Wichtig zur Einordnung: General Caine stellte die schwindenden Bestände laut mehreren Berichten nicht als komplettes Hindernis für weitere Kampfhandlungen dar, sondern als wachsendes Risiko. Die „Jerusalem Post“ zitiert US-Beamte mit der Einschätzung, Caine glaube zwar, dass ein Munitionsmangel keinen Angriff vollständig verhindern würde, aber ein zusätzliches Risiko darstelle, sollten die Angriffe wieder aufgenommen werden. Auch der Kommandeur des US-Zentralkommandos (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, soll laut denselben Quellen ähnlich argumentiert haben: Die USA könnten mit einem Munitionsengpass umgehen. Die „New York Times“ berichtet ergänzend, dass auch Vizepräsident JD Vance bei einer Besprechung am 24. Juli gemeinsam mit Caine eindringlich vor den Konsequenzen einer weiteren Eskalation gewarnt habe.
Trump widerspricht vehement
Der Präsident selbst weist die Munitionsknappheit als Grund für die Kampfpause entschieden zurück. In einer Stellungnahme gegenüber dem „Wall Street Journal“ beharrte Trump: „Wir haben weit mehr Munition als irgendjemand sonst auf der Welt, und weit mehr, als wir brauchen“, wie auch oe24.at aus der Erklärung zitiert. Bemerkenswert ist dabei der Kontext: Bereits im März, also vor Beginn des eigentlichen Kriegs, hatte das Faktencheck-Portal Politifact über eine ähnliche Trump-Aussage berichtet, wonach der Präsident einen „virtually unlimited supply“ an bestimmter Munition postulierte – während laut derselben Recherche bereits damals General Caine gegenüber der „Washington Post“ Bedenken wegen erheblich geschrumpfter US-Bestände geäußert haben soll.
Die Suche nach dem diplomatischen Ausweg
Neben der Munitionsfrage nennt Trump selbst einen zweiten Grund für die Kampfpause: die Chance auf eine Verhandlungslösung. „Es gibt einen militärischen Ausweg“, sagte der Präsident laut oe24.at zu Reportern. „Oder es gibt eine klügere Strategie, bei der man einen Deal macht. Und sie wollen einen Deal machen.“ Mehrere Golfstaaten nutzten die Gelegenheit, um die Diplomatie wiederzubeleben – laut oe24.at reisten am Freitag unter anderem omanische Diplomaten nach Teheran. Das Nachrichtenportal IBTimes UK bestätigt, dass auch Vermittler aus Qatar und Pakistan an den Gesprächen beteiligt sind, bei denen es vor allem um eine Öffnung der Straße von Hormuz geht.
Was auf dem Spiel steht
Analysten warnen unterdessen vor den längerfristigen strategischen Folgen des hohen Munitionsverbrauchs. Laut oe24.at befürchten Experten, dass der massive Einsatz an Abfangraketen die weltweite Fähigkeit der USA schwächen könnte, andere Gegner – etwa China – wirksam abzuschrecken. Der Wiederaufbau der Bestände dürfte zudem Jahre dauern: Das CSIS beziffert die Zeit für eine vollständige Auffüllung der Patriot-Bestände laut National Security Journal mit mehr als drei Jahren. Ob Trump die Angriffe in den kommenden Tagen wieder aufnimmt oder der diplomatischen Schiene endgültig den Vorzug gibt, ist nach Angaben mehrerer US-Beamter weiterhin offen – „die Lage bleibt fließend“, wie es aus dem Weißen Haus heißt.
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