Die Europäische Union hat mit Bangladesch ein umfassendes Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Teil davon ist ein Programm zur organisierten Arbeitsmigration – offiziell als „Talent Partnership“ vermarktet. Kritiker sehen darin gesteuerte Masseneinwanderung unter neuem Label.
Partnerschaftsabkommen in Brüssel paraphiert
Am 21. April 2026 unterzeichneten EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Bangladeschs Außenminister Khalilur Rahman in Brüssel ein sogenanntes Partnership and Cooperation Agreement (PCA). Wie der Europäische Auswärtige Dienst (EEAS) auf seiner Website berichtete, umfasst das Abkommen 82 Artikel und deckt Bereiche wie Handel, Investitionen, Energie, Migration, Sicherheit und Digitalisierung ab. Bangladesch soll laut Angaben aus dem bangladeschischen Außenministerium das erste südostasiatische Land sein, das ein solches Abkommen mit der EU abschließt.
„Talent Partnership“ – Migration mit neuem Namen
Herzstück aus migrationspolitischer Sicht ist die sogenannte Talent Partnership. Wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer Projektbeschreibung erläuterte, soll das mit drei Millionen Euro aus EU-Mitteln finanzierte Programm legale Arbeitsmigration aus Bangladesch in EU-Staaten strukturiert ermöglichen. Zielgruppe sind Fachkräfte in Bereichen wie Gesundheit, Bau, Landwirtschaft, IT und Pflege. Rund 3.000 Arbeitskräfte sollen in einer ersten Phase auf EU-Arbeitsmarktstandards vorbereitet werden. Laut EU-Kommission werden derzeit Talent Partnerships mit fünf Ländern entwickelt: Ägypten, Marokko, Tunesien, Bangladesch und Pakistan.
EU-Botschafter: Irreguläre Migration als Hintergrund
Der bisherige EU-Botschafter in Bangladesch, Michael Miller, ließ beim Start des Programms keinen Zweifel daran, was den Anstoß zur Partnerschaft mitgegeben hat. Wie die ILO in einer Pressemitteilung berichtete, verwies er auf die wachsende Zahl bangladeschischer Staatsbürger, die ohne regulären Status in die EU gelangen – durch illegale Einreise, gefälschte Dokumente oder Überschreitung von Visa-Fristen. Ziel sei es, durch legale Wege irreguläre und gefährliche Migrationspfade zu reduzieren.
Kritik: Steuerung statt Begrenzung
Das Programm läuft offiziell unter dem Begriff „Talent Partnership“ – eine Bezeichnung, die in kritischen Medien als beschönigende Umschreibung für organisierte Arbeitsmigration in großem Maßstab gewertet wird. Wie exxpress.at berichtete, stellt sich die Frage, ob Migration damit lediglich umgelabelt und politisch salonfähig gemacht wird, ohne dass eine echte Begrenzung der Zuwanderung stattfindet. Tatsächlich ist das Programm explizit als Reaktion auf den Arbeitskräftemangel in EU-Staaten konzipiert – und soll ausgebaut werden.
Credits: APA
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