Nach dem Diplomatengipfel in Antalya reist Außenministerin Beate Meinl-Reisinger nach Äthiopien – mit einem klaren wirtschaftspolitischen Auftrag im Gepäck.
Umweg über Wien wegen Budgetverhandlungen
Eigentlich hätte Meinl-Reisinger bereits am Sonntag direkt aus der Türkei nach Äthiopien weiterreisen sollen. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, flog sie jedoch kurz nach Wien zurück – Grund waren laufende Budgetverhandlungen. Ihre Delegation war bereits vorangereist. In der Nacht auf Montag reiste die Außenministerin dann nach Addis Abeba nach.
Zuvor hatte sie laut APA am Freitag und Samstag am Antalya Diplomacy Forum 2026 in der Türkei teilgenommen und dort die Außenminister von Pakistan, Syrien, der Ukraine, Jordanien und dem Sudan sowie den neuen UNO-Flüchtlingskommissar Barham Salih getroffen. Besonderes Gewicht hatte dabei laut APA das Gespräch mit dem pakistanischen Außenminister Mohammad Ishaq Dar: Meinl-Reisinger betonte dabei die Bedeutung Pakistans als Vermittler im Iran-Krieg und erklärte, es sei in Österreichs Interesse, dass dieser Krieg ende – „denn er betrifft direkt unseren Wohlstand und unsere Sicherheit“.
EU-Ethiopia Business Forum und Gespräch mit dem Außenminister
In Addis Abeba nimmt Meinl-Reisinger laut Tiroler Tageszeitung am EU-Ethiopia Business Forum teil, wo sie auch EU-Kommissar für internationale Partnerschaften Jozef Sikela trifft. Auf dem Programm steht außerdem ein Gespräch mit ihrem äthiopischen Amtskollegen Gedion Timothewos, dem Nachfolger von Taye Atske Selassie, der inzwischen zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Im Mittelpunkt stehen laut vol.at die bilaterale Kooperation in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit, Migration und Entwicklungszusammenarbeit sowie regionale Themen wie die Auswirkungen aktueller Krisen auf die Ernährungssicherheit. Auch ein Projektbesuch der Austrian Development Agency (ADA) steht auf dem Programm.
Afrika als „Chancenkontinent“
Hinter der Reise steht eine klare strategische Botschaft: Wie vol.at unter Berufung auf das Außenministerium berichtet, sieht die Bundesregierung Afrika mit seiner jungen Bevölkerung als „Chancenkontinent“ und arbeitet derzeit an einer österreichischen Afrika-Strategie. Das wirtschaftliche Potenzial des Kontinents wird vom Außenministerium mit über 2,5 Milliarden Euro beziffert – vergleichbar mit dem Mercosur-Raum.
Äthiopien selbst ist ein Land mit Widersprüchen: Wie vol.at berichtet, verzeichnet es zwar Wirtschaftswachstum und gilt als potenziell interessanter Markt für österreichische Unternehmen, doch das BIP pro Kopf liegt bei rund 1.000 US-Dollar – verglichen mit rund 55.700 Euro in Österreich. Ethnische Spannungen, regionale Konflikte und eine angespannte Lage im Norden des Landes prägen das politische Bild.
Historische Randnotiz: Maria Theresia in Addis Abeba
Am Rande der Reise eröffnet die österreichische Botschaft in Addis Abeba laut Salzburger Nachrichten eine kleine Ausstellung über den Maria-Theresien-Taler – jene Silbermünze, die bis in die 1950er-Jahre als faktische Währung in Äthiopien im Umlauf war, weil die Bevölkerung der Münze mit dem vertrauten Habsburger-Antlitz vertraute. Von den Briten erhielt die Münze wegen der barocken Züge der Herrscherin den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Fat Lady“.
Credits: APA
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