Während der Iran seine Forderungen für eine Wiedereröffnung der Straße von Hormuz deutlich verschärft hat, zeigt sich US-Präsident Donald Trump demonstrativ unbeeindruckt. Experten warnen jedoch, dass der von Washington eingeschlagene Kurs des wirtschaftlichen Drucks allein nicht ausreichen dürfte.
Trump setzt auf Gelassenheit
„Wir geben dem nicht viel Aufmerksamkeit“, sagte Trump am Sonntag dem Nachrichtenportal „Axios“, wie oe24 berichtet. „Wir verhandeln nur halbherzig mit ihnen.“ Er verwies dabei auf die wirtschaftlichen Probleme des Irans und die dortige hohe Inflation und ergänzte: „Es wird sich regeln. Es regelt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie.“ Laut „Axios“ setzt Trump nach Angaben von US-Beamten derzeit bewusst auf Deeskalation – erst vergangene Woche hatte er nach eigenen Angaben die bislang heftigste geplante Angriffswelle auf den Iran abgesagt.
Teherans neue, weitreichende Forderungen
Der Iran selbst hatte am Samstag Hoffnungen auf eine rasche Öffnung der für den internationalen Öl- und Gashandel zentralen Meerenge deutlich gedämpft. Die Führung in Teheran verlangt von den USA erhebliche Vorleistungen, bevor die Straße von Hormuz wieder freigegeben wird. Der iranische Nationale Sicherheitsrat knüpfte diesen Schritt an mehrere Bedingungen: die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade, den Abzug der US-Streitkräfte aus der Region, die vollständige Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran sowie eine bedingungslose Freigabe sämtlicher eingefrorener iranischer Vermögenswerte.
Verhandlungen über Oman, trotz aller Rückschläge
Trotz dieser verschärften Position hatten sowohl Teheran als auch Washington zuletzt von einer absehbaren Einigung zur Wiederaufnahme des freien Schiffsverkehrs gesprochen – allerdings gab es seit Kriegsbeginn bereits mehrere überraschende Kehrtwenden. Der Iran verhandelt nach eigenen Angaben direkt mit dem gegenüberliegenden Anrainerstaat Oman über die Regelung der Schiffspassagen durch die blockierte Meerenge; beide Länder hatten zuletzt erklärt, eine Einigung stehe kurz bevor. Trump selbst hatte in der Vergangenheit behauptet, seine Regierung sei an diesen Gesprächen direkt beteiligt – eine Darstellung, die der Iran zurückweist.
Experte: Wirtschaftlicher Druck dürfte nicht ausreichen
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz äußerte sich auf der Plattform X skeptisch zu Trumps entspannter Haltung. Die wirtschaftliche Lage des Irans sei zwar zweifellos schlecht, so Citrinowicz, doch sei es unwahrscheinlich, dass wirtschaftlicher Druck allein das Land zu einer Kapitulation am Verhandlungstisch zwinge oder es von zentralen strategischen Interessen abbringe – dazu zähle insbesondere der erklärte iranische Anspruch auf Kontrolle der Straße von Hormuz.
Behörde warnt vor anhaltender Bedrohungslage
Auch die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) zeichnet ein wenig entspanntes Bild: Die Bedrohungslage in der Meerenge bleibe durch Angriffe der iranischen Revolutionsgarden auf Handelsschiffe sowie weitere Schikanen ernst. „Diese Aktionen zeigen weiterhin die Absicht des Iran, seine Präsenz entlang wichtiger Transitrouten zu behaupten und den Druck auf die durchfahrenden Schiffe aufrechtzuerhalten“, zitiert oe24 die Behörde. Der Handelsverkehr stagniere derzeit auf einem deutlich reduzierten Niveau.
Warum die Meerenge so entscheidend ist
Vor dem Ende Februar von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran verlief die Schifffahrt zwischen Persischem Golf und Golf von Oman weitgehend ungestört. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde durch die Straße von Hormuz transportiert, die auch für den Transport von Flüssiggas und Dünger zentrale Bedeutung hat. Nach Kriegsbeginn brachte der Iran mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Schiffsverkehr fast vollständig zum Erliegen, in der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Öl und Gas sprunghaft an.
Personalwechsel an der iranischen Sicherheitsspitze
Parallel zu den diplomatischen Verwicklungen hat der iranische Machtapparat die Spitze seines Nationalen Sicherheitsrats neu besetzt. Der frühere Kommandant der Revolutionsgarden, Mohsen Rezaei, wurde als neuer Vorsitzender ernannt, wie iranische Medien berichten – die Ernennung erfolgte durch den obersten Führer Mojtaba Khamenei. Dass damit der bisherige, eher unbekannte Brigadegeneral Mohammad Bagher Zolghadr ersetzt wird, könnte auf eine weitere Festigung des Einflusses der Revolutionsgarden auf die Regierung hindeuten – das Gremium gilt als eines der zentralen Kontrollorgane innerhalb der Islamischen Republik.
Auch im Jemen spitzt sich die Lage zu
Im Zuge des Iran-Kriegs verschärft sich zudem der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der vom Iran unterstützten Houthi-Miliz im Jemen weiter, trotz internationaler Appelle für eine Rückkehr zur Diplomatie. Die Houthi griffen die jemenitische Hafenstadt Mokka mit ballistischen Raketen und Drohnen an; nach Armeeangaben wurden bei einem vorherigen Angriff der Rebellen sieben Zivilisten und Militärangehörige getötet. Ein Houthi-Militärsprecher erklärte auf Telegram, der Angriff habe saudischen Truppen und Waffenlagern in der Stadt gegolten, die nahe der ebenfalls strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab liegt.
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