Erstsprachenunterricht und Deutschförderung: FPÖ wirft Wiederkehr “Taschenspielertrick” vor

Erstsprachenunterricht und Deutschförderung: FPÖ wirft Wiederkehr “Taschenspielertrick” vor

26 Millionen Euro für Unterricht in Türkisch, Arabisch oder Bosnisch, und Kinder, die nach zwei Jahren automatisch als reguläre Schüler gelten, egal wie gut ihr Deutsch ist: Eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sorgt bei der FPÖ für Empörung. Der Minister sieht dagegen keinen Widerspruch zur Deutschförderung.

26 Millionen für die Muttersprache

Ausgangspunkt ist eine Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Harald Schuh zum sogenannten Erstsprachenunterricht, wie oe24 berichtet. Dabei lernen Schüler mit einer anderen Muttersprache als Deutsch diese Sprache auch in der Schule, etwa Lesen und Schreiben. Laut Anfragebeantwortung kostet das Angebot insgesamt 26 Millionen Euro. Schuh stellt es grundsätzlich infrage: “Wenn ein Kind mangelnde Deutschkenntnisse hat, muss man davon ausgehen, dass zu Hause der Schwerpunkt ohnehin auf einer anderen Sprache liegt. Warum sollte man diese also an einer öffentlichen Schule noch fördern?”

Wiederkehr: “Freiwilliges Angebot”

Wiederkehr verteidigt das Angebot. Dem Erlernen der Unterrichtssprache Deutsch werde “im österreichischen Schulsystem ein hoher Stellenwert eingeräumt”, heißt es in seiner Beantwortung. Deutsch werde im Pflichtfach, in Deutschförderklassen, Förderkursen und im Förderunterricht gezielt gefördert. Der Erstsprachenunterricht sei ein ergänzendes, freiwilliges Angebot. Wissenschaftliche Studien zeigten laut Wiederkehr, dass sich das Erlernen von Sprachen positiv auf Denkleistung, Lernmotivation und Selbstvertrauen der Schüler auswirke. Im Erstsprachenunterricht erworbene Lernstrategien und Fachwortschatz könnten auch in anderen Fächern genutzt werden.

Der Streit um die zwei Jahre

Der zweite Kritikpunkt betrifft die sogenannten außerordentlichen Schüler. Kinder, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht folgen können, werden zunächst nicht regulär benotet. Dieser Status ist laut Schulunterrichtsgesetz auf höchstens zwei Jahre begrenzt. Danach gelten die Kinder als ordentliche Schüler, unabhängig davon, wie gut sie inzwischen Deutsch können. Wiederkehr verweist darauf, dass der Status “im Sinne der Integration als vorübergehende Maßnahme konzipiert” sei und Deutschförderung bei Bedarf auch danach fortgesetzt werden könne.

“Unter den Teppich gekehrt”

Für Schuh ist das ein “statistischer Taschenspielertrick”. “Man erklärt Defizite per Gesetz für beendet, anstatt sie zu beheben. So werden Probleme nicht gelöst, sondern unter den Teppich gekehrt und die wahren Zahlen über das Ausmaß der Sprachdefizite bewusst verschleiert”, sagte er laut oe24. Der Vorwurf zielt auf ein reales Problem: Wenn Kinder nach zwei Jahren statistisch nicht mehr als außerordentliche Schüler aufscheinen, bilden die offiziellen Zahlen nicht ab, wie viele von ihnen weiterhin Schwierigkeiten mit Deutsch haben.

Eine Regel mit Vorgeschichte

Allerdings hat die aktuelle Regierung die Grenze nicht erfunden. Sie steht seit Jahren im Gesetz. Auch das heutige System der Deutschförderklassen wurde 2018 von der damaligen ÖVP-FPÖ-Regierung eingeführt. Wie wirksam es ist, wird seither immer wieder diskutiert. Die aktuelle Debatte dürfte also weniger um eine Neuerung als um die Frage gehen, ob die bestehenden Regeln ausreichen, um Kindern tatsächlich ausreichend Deutsch beizubringen.

Credits: BKA/Valentin Brauneis

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