Russland hat den Export von Diesel komplett gestoppt – und trifft damit einen Weltmarkt, der ohnehin schon am Limit läuft. Grund für den überraschenden Schritt: Im eigenen Land herrscht an vielen Tankstellen Chaos, weil ukrainische Drohnen gezielt russische Raffinerien lahmlegen.
Der Auslöser: Leere Tanks in Russland
Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak verkündete das Exportverbot am Mittwoch bei einer von Präsident Wladimir Putin geleiteten Regierungssitzung. Wie Reuters berichtet, soll die Maßnahme den heimischen Markt zusätzlich versorgen, nachdem systematische ukrainische Drohnenangriffe auf Ölraffinerien in mehreren Regionen zu Engpässen und Preissprüngen geführt hatten. Vielerorts müssen Autofahrer inzwischen stundenlang an Tankstellen warten.
Wie schwer die Treffer sitzen, zeigt eine Zahl von OilPrice.com: Ukrainische Drohnen haben mittlerweile mehr als 16 große russische Raffinerien und Treibstoffterminals getroffen und dabei über 30 Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität lahmgelegt. Besonders schwer traf es laut demselben Bericht die Raffinerie in Omsk, Russlands größte Anlage dieser Art, sowie Anlagen nahe des Ostseehafens St. Petersburg. In mehr als 20 russischen Regionen gelten laut dem Portal UNITED24 Media inzwischen offizielle Beschränkungen wie eine Tankgrenze von 20 Litern pro Fahrzeug.
Ein Verbot mit Ablaufdatum
Das Exportverbot soll laut der Moscow Times bis 31. Juli gelten und schließt nun auch Produzenten selbst mit ein – zuvor durften nur Fuel-Trader keinen Diesel mehr ins Ausland verkaufen, wie die Ölmarkt-Analystin Natalia Losada vom Analyseunternehmen Energy Aspects gegenüber CNN erklärte. Vereinbarungen mit einzelnen Partnern wie der bestehende Liefervertrag mit der Mongolei bleiben von der Regelung ausgenommen.
Ein doppeltes Problem für den Weltmarkt
Für die internationalen Märkte verschärft sich die Lage gleich doppelt: Russland fällt nicht nur als Lieferant aus, sondern muss selbst Treibstoff importieren. Bei Benzin ist das bereits Realität – laut Branchenkreisen hat Russland begonnen, per Schiff Benzin aus Indien zu beziehen, konkret aus der Nayara-Energy-Raffinerie in Gujarat. Russland zählt zu den größten Diesel-Exporteuren der Welt und deckte 2025 nach Bloomberg-Daten rund 11 Prozent des globalen Dieselbedarfs. Wichtigste Abnehmer waren zuletzt die Türkei und Brasilien, die im Juni laut Reuters gemeinsam mindestens die Hälfte der verfügbaren russischen Diesel-Ladungen aufkauften.
Fällt diese Quelle nun komplett weg, müssen sich beide Länder auf dem Weltmarkt nach Alternativen umsehen – und geraten damit in direkte Konkurrenz zu Europa um US-amerikanisches und nahöstliches Öl. Genau das könnte laut Analystin Losada die Preise auch hierzulande in die Höhe treiben.
Ungünstiges Timing durch die Iran-Krise
Verschärft wird die Lage durch einen zweiten Krisenherd: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht laut CNN erneut zu eskalieren, was die ohnehin fragile Lage in der Straße von Hormuz weiter belastet. Durch die Meerenge wird normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft. Die Kombination aus beiden Krisen ließ die europäischen Diesel-Preisaufschläge bereits auf ein mehrjähriges Hoch steigen, wie Bloomberg berichtet.
Zweifel an der eigentlichen Wirkung
Ob das Exportverbot das ursprüngliche Problem – die Versorgungskrise im eigenen Land – tatsächlich lösen kann, ist unter Experten umstritten. Sergey Vakulenko von der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace vermutet gegenüber der „Financial Times“, die Maßnahme diene eher der Beruhigung der Bevölkerung als einer echten Lösung der Benzinknappheit. Um den Unmut an den Zapfsäulen gering zu halten, hält der Kreml die Preise laut UNITED24 Media künstlich 30 bis 50 Prozent unter dem Marktniveau – finanziert über einen milliardenschweren Ausgleichsmechanismus.
Auch Vizeregierungschef Nowak selbst deutete an, dass sein Land schon bald über den reinen Bedarf hinausgehen dürfte: Bereits im Juli könnte Russland damit beginnen, auch raffinierte Produkte aus dem Ausland zu importieren.
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