Die Zahlen aus der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta übertreffen alles, was Beobachter noch am Vormittag für möglich gehalten hätten. Binnen eines einzigen Tages sollen rund 49.000 Menschen die Grenze erreicht haben – der stärkste Ansturm seit fünf Jahren. Brüssel reagiert nun mit einem Unterstützungsangebot an Spanien.
Fast 50.000 Menschen in 24 Stunden
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums gelangten binnen 24 Stunden rund 49.000 Migranten von Marokko aus auf dem See- und Landweg in die Exklave Ceuta, wie t-online unter Berufung auf die Behörde berichtet. Laut Schätzungen des Ministeriums sind rund 7.000 der Ankömmlinge minderjährig. Die spanische Guardia Civil spricht laut dem Nachrichtenportal Focus von einer regelrechten Explosion der Migrationsbewegung. Zum Vergleich: Der bisher als historisch geltende Massenansturm im Mai 2021 hatte innerhalb von 36 Stunden rund 8.000 Menschen nach Ceuta gebracht – die aktuelle Zahl liegt damit um ein Vielfaches höher.
Tote bei der gefährlichen Überfahrt
Der Ansturm fordert einen hohen Preis: Mindestens 18 Menschen kamen laut Focus bei dem Versuch ums Leben, Ceuta zu erreichen. Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas hatte bereits zuvor erklärt, dass in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt rund 60 Leichen von Migranten geborgen worden seien. Auch in der zweiten spanischen Exklave Melilla erreichten in der Nacht rund 400 Menschen über Grenzübergänge und einen Damm das spanische Staatsgebiet, wie der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, gegenüber dem Radiosender Cope bestätigte.
Ein Gerichtsurteil als möglicher Auslöser
Als möglicher Auslöser des massiven Anstiegs gilt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs, wonach Migranten, die Ceuta oder Melilla über den Seeweg erreichen, nicht mehr sofort nach Marokko zurückgeschickt werden dürfen – stattdessen muss zunächst ein ordentliches Verfahren durchgeführt werden, wie exxpress.at berichtet. Das spanische Innenministerium wirft Schlepperbanden vor, dieses Urteil gezielt auszunutzen und Menschen mit falschen Versprechungen zur gefährlichen Überfahrt zu bewegen.
Brunner sichert Spanien EU-Unterstützung zu
Auf europäischer Ebene reagierte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner rasch. Auf der Plattform X erklärte er, er habe dem spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska die Bereitschaft der EU übermittelt, Spanien verstärkt zu unterstützen – unter anderem über die Grenzschutzagentur Frontex, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Schutz der EU-Außengrenzen sei „ein wesentlicher Bestandteil unserer Bemühungen zur Bekämpfung der illegalen Migration“, schrieb Brunner laut seinem eigenen Beitrag auf X. Zusätzlich verwies er auf laufende Gespräche mit den marokkanischen Behörden, um weitere gefährliche Überfahrten zu verhindern.
Spanien schickt Militär, EVP-Chef Weber drängt auf Handeln
Die spanische Regierung reagiert unterdessen mit einem massiven Sicherheitsaufgebot. Bis Freitag sollten laut t-online drei Einheiten mit jeweils 20 Soldaten, eine Tauchereinheit sowie ein Militärschiff nach Ceuta verlegt werden, zusätzlich wird die Polizei-Spezialeinheit vor Ort auf 200 Beamte aufgestockt. Regierungschef Pedro Sánchez und Innenminister Grande-Marlaska wurden für Freitag in Ceuta erwartet, unter anderem zu einem Besuch der Grenze von Tarajal. Auf EU-Ebene forderte EVP-Fraktionschef Manfred Weber Sánchez auf, rasch zu handeln und die gemeinsamen Außengrenzen konsequent zu schützen.
Präsident Vivas fordert weiterhin den Notstand
Ceutas Präsident Vivas hält trotz der dramatisch gestiegenen Zahlen an seiner Forderung nach einem nationalen Notstand fest – die spanische Zentralregierung hatte diesen Schritt zuletzt jedoch abgelehnt, da das geltende Zivilschutzgesetz Migrationsbewegungen nicht als abgedeckten Notstandsfall vorsieht. Mit Marokko vereinbarte Spanien nach eigenen Angaben ein Verfahren für beschleunigte Rückführungen, konkrete Zeitpläne oder Zahlen dazu liegen bislang aber nicht vor.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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