Ließ Marokko die Migranten bewusst durch? Neue Zweifel nach Ceuta-Krise

Ließ Marokko die Migranten bewusst durch? Neue Zweifel nach Ceuta-Krise

Die Massenankunft von rund 60.000 Migranten in der spanischen Exklave Ceuta wirft neue Fragen auf. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass der gewaltige Zustrom möglicherweise kein Zufall war – sondern von marokkanischer Seite zumindest zeitweise bewusst zugelassen wurde.

Grenzpolizisten sollen ihre Posten verlassen haben

Nach Angaben spanischer Sicherheitskreise sollen marokkanische Grenzpolizisten kurz vor dem Massenansturm ihre Positionen an der Grenze zu Ceuta verlassen haben, wie oe24 berichtet. Erst Stunden später griffen die Behörden ein und versuchten mit Wasserwerfern und Tränengas, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

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„Geht dort entlang“ – Aussagen von Migranten selbst

Für zusätzliche Brisanz sorgen Schilderungen der Migranten. Mehrere Männer erzählten der „New York Times“, marokkanische Sicherheitskräfte hätten sie nicht aufgehalten, sondern ihnen sogar den Weg Richtung Spanien gezeigt. Der 26-jährige Youssef Alaoui berichtete laut oe24, das aus der „New York Times“ zitiert: „Sie sagten immer nur: Geht dort entlang, geht dort entlang.“ Ein weiterer Migrant erklärte, Beamte hätten ihn mit den Worten „Kommt nach Spanien“ zum Grenzübertritt ermutigt.

Madrid hält sich mit offiziellen Vorwürfen zurück

In der spanischen Hauptstadt wird hinter den Kulissen intensiv über mögliche politische Hintergründe diskutiert. Offiziell vermeidet die Regierung direkte Vorwürfe gegen Rabat und betont weiterhin die Zusammenarbeit mit Marokko. Gleichzeitig räumen Vertreter laut oe24 ein, dass ein Massenansturm dieser Größenordnung ohne ein verändertes Verhalten der marokkanischen Sicherheitskräfte kaum möglich gewesen wäre.

Ein möglicher Zusammenhang mit Algerien

Als möglicher Auslöser gilt auch der Zeitpunkt der Eskalation. Wenige Tage zuvor hatte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez die Beziehungen zu Algerien wieder intensiviert. Jede Annäherung Spaniens an den Rivalen Algerien wird in Marokko traditionell mit Misstrauen verfolgt – insbesondere wegen des langjährigen Konflikts um die Westsahara.

Ein bekanntes Muster aus dem Jahr 2021

Die aktuellen Ereignisse wecken Erinnerungen an eine frühere Krise: Bereits 2021 hatten innerhalb kurzer Zeit Tausende Migranten Ceuta erreicht, nachdem Marokko die Grenzkontrollen gelockert hatte – damals als Reaktion darauf, dass Spanien dem Anführer der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung medizinische Behandlung gewährt hatte. Die Situation beruhigte sich damals erst, nachdem Spanien seine Position im Westsahara-Streit zugunsten Marokkos angepasst hatte, wie oe24 in Erinnerung ruft.

Ein Gerichtsurteil als zusätzlicher Anreiz

Als weiterer Faktor gilt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs, wonach Menschen, die Ceuta schwimmend erreichen oder aus dem Meer gerettet werden, nicht automatisch nach Marokko zurückgeschickt werden dürfen. In sozialen Netzwerken soll sich daraufhin das Gerücht verbreitet haben, eine Einreise über das Meer biete Schutz vor Abschiebung.

Lage beruhigt, Verdacht bleibt unbewiesen

Mittlerweile hat sich die Situation in Ceuta laut spanischen Angaben wieder weitgehend beruhigt – nahezu alle angekommenen Migranten kehrten demnach nach Marokko zurück. Der Verdacht einer gezielten politischen Einflussnahme durch Marokko bleibt jedoch bestehen. Wichtig zur Einordnung: Konkrete Beweise für eine bewusste Steuerung des Ansturms durch marokkanische Behörden gibt es bislang nicht, wie auch oe24 ausdrücklich betont.

Credits: screenshot_x_nexta_tv

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