Nur wenige Tage nachdem sich sämtliche 55 UEFA-Mitgliedsverbände einstimmig auf einen möglichen Boykott aller FIFA-Wettbewerbe geeinigt hatten, ist der Machtkampf im Weltfußball entschieden – zumindest vorerst. FIFA-Präsident Gianni Infantino zieht seinen umstrittenen Plan zurück, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen.
Infantinos Kehrtwende
„Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt“, erklärte Infantino in einer offiziellen Stellungnahme, wie oe24 berichtet. Seine Begründung: Man habe sich alle Standpunkte angehört, dabei sei deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt habe, die unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung nicht mehr im Interesse des ursprünglichen Ziels lägen. Ziel der FIFA sei es stets, zu vereinen und zu verbessern – deshalb werde der Vorschlag fallengelassen. Infantino kündigte an, in den kommenden Tagen und Wochen alle interessierten Parteien wieder zusammenbringen zu wollen, um den Fußball weltweit voranzubringen, „insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen“.
Vom Milliardendeal zur Kehrtwende
Ursprünglich hatte die FIFA vor, über den Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme zu erzielen. Für die Umsetzung sollte eigens die Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) gegründet werden. Den Mitgliedsverbänden hatte die FIFA laut Berichten eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um dem Deal zuzustimmen – im Gegenzug winkte eine Sonderzahlung. All das ist mit Infantinos Ankündigung nun vom Tisch.
UEFA hatte mit komplettem Boykott gedroht
Ausschlaggebend für den Rückzieher war der massive Widerstand, der sich in den vergangenen Tagen aufgebaut hatte. Die UEFA hatte nicht nur scharfe Kritik geübt, sondern nach einem Dringlichkeitstreffen sogar mit einem vollständigen Boykott gedroht: „Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, zitiert oe24 aus der Erklärung des europäischen Verbands. „Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen“, hieß es weiter. Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Dachverband AFC gingen deutlich auf Distanz. Einzig der südamerikanische Verband CONMEBOL positionierte sich zunächst nicht inhaltlich, sondern forderte weitere Informationen von der FIFA an.
Rücktritt aus den eigenen Reihen
Zusätzlichen Druck erzeugte ein prominenter Rücktritt innerhalb der FIFA selbst: Carlos Cordeiro, hochrangiger Berater Infantinos und früherer Präsident des US-Fußballverbandes, legte sein Amt aus Protest gegen die Pläne nieder. Auf LinkedIn begründete er den Schritt mit deutlichen Worten – als langjähriger Fußball-Fan und ehemaliger Banker könne er nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung ziehe. Ein solches Geschäft schade den Mitgliedsverbänden, dem Fußball insgesamt und der langfristigen Zukunft des Sports, so Cordeiro laut oe24.
Auch Infantinos Position selbst gerät unter Druck
Selbst mit der Kehrtwende dürfte es für Infantino an der Spitze des Weltverbands nicht ruhiger werden. Der britische Premierminister Andy Burnham sprach sich nach Bekanntwerden der ursprünglichen Pläne offen für eine Ablösung Infantinos aus und bezeichnete den Schweizer als „den falschen Mann“ an der FIFA-Spitze. UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte gegenüber Sky News, die weltweite Ablehnung der Investorenpläne sei ein deutliches Signal dafür, was Spielern, Fans, Vereinen und Funktionären für die Zukunft des Fußballs wichtig sei – sie hoffe, dass dies für Infantino und die FIFA „ein Weckruf“ sei.
Ein Präsident mit mehreren Baustellen
Infantino steht derzeit auch aus einem weiteren Grund in der Kritik: Während der WM in den USA, Kanada und Mexiko war eine Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun offenbar auf Intervention von US-Präsident Donald Trump zurückgezogen worden, was dessen Einsatz im Achtelfinale erst ermöglichte – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Die FIFA selbst betont, die Entscheidung sei von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen worden.
Credits: Bryan Berlin, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=196249064
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