Die Affäre um Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck nimmt eine neue Wendung. Ausgerechnet aus den eigenen Reihen des Wirtschaftsbundes kommt jetzt offener Widerspruch zur Linie von Bundes-Wirtschaftsbund-Chefin Martha Schultz. Der stellvertretende Wirtschaftsbund-Präsident Andreas Wirth sieht für Ruck keinen Rücktrittsgrund, wie oe24 berichtet.
Worum es in der Causa Ruck überhaupt geht
Ausgelöst wurde der Skandal Mitte Juli, als „Profil“ und „Krone“ über Gesprächsprotokolle berichteten, die ihnen vorliegen sollen. Darin soll der amtierende WKW-Chef unter anderem geschildert haben, wie er seinen Sohn zum ÖVP-Spitzenkandidaten in Döbling machte und wie er im Gespräch mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) einen gut dotierten Posten für den früheren ÖVP-Politiker Manfred Juraczka aushandelte, wie meinbezirk.at zusammenfasst. Zusätzlich soll Ruck sich abfällig über Industrievertreter und in misogyner Weise über Politikerinnen geäußert haben. Die ÖVP reagierte scharf: Nach einer rund zweistündigen Krisensitzung schloss der Bundesparteivorstand Ruck aus der Partei aus, wie wien.ORF.at dokumentiert. Sein Amt als Präsident der Wirtschaftskammer Wien wollte Ruck trotzdem nicht aufgeben – in einem Brief an den Parteivorstand bekräftigte er, im Amt bleiben zu wollen, berichtete news.ORF.at.
Wirth stellt sich schützend vor Ruck
Nun mischt sich der burgenländische Wirtschaftsbund-Obmann Andreas Wirth ein – und das durchaus überraschend. Am Rande eines Pressetermins in Eisenstadt erklärte er laut oe24, die kolportierten Aussagen Rucks seien nicht bestätigt und die Aufnahmen zudem illegal angefertigt worden. In die Angelegenheiten eines anderen Bundeslandes wolle er sich eigentlich nicht einmischen, sagte Wirth – tat es dann aber doch. Auf die direkte Frage, ob Ruck seiner Meinung nach zurücktreten sollte, antwortete er knapp: „Warum?“
Zur „illegalen Abhörung“ und zu den nicht bestätigten Protokollen wollte sich Wirth inhaltlich nicht weiter äußern. Auch Parteiaustritte habe es wegen der Causa im Burgenland nicht gegeben, so Wirth – die Wirtschaft habe ohnehin andere Probleme als den Fall Ruck.
Widerspruch zu Schultz
Brisant ist Wirths Aussage vor allem deshalb, weil sie der Linie seiner eigenen Chefin widerspricht. WKÖ-Präsidentin und Bundes-Wirtschaftsbund-Chefin Martha Schultz hatte erklärt, Ruck werde „die richtigen Schritte setzen“ und Schaden von der Kammer abwenden – eine Formulierung, die vielfach als sanfter Rücktrittsappell gelesen wurde. Wirth sieht das anders: Er glaube nicht, dass Schultz Ruck damit den Rücktritt nahegelegt habe. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, das erst noch überprüft werde, so Wirth laut oe24.
Der Druck von anderen Seiten wächst
Während Wirth Ruck den Rücken stärkt, wird der Ton aus anderen Teilen der Volkspartei schärfer. Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler forderte im Ö1-„Mittagsjournal“ offen Rucks Rücktritt: Sollten die protokollierten Passagen stimmen, habe so etwas „im 21. Jahrhundert in einer Politik in Österreich nichts verloren“, zitiert sie salzburg24.at. Auch aus der liberalen Kammerfraktion UNOS und von NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos kamen ähnliche Forderungen nach einem Führungswechsel an der Spitze der Wirtschaftskammer Wien.
Der Fall zeigt damit ein zunehmend gespaltenes Bild innerhalb des ÖVP-nahen Wirtschaftsbundes: Während die Bundespartei mit dem Parteiausschluss bereits klare Konsequenzen gezogen hat, hält Ruck an seinem Kammeramt fest – und findet dabei, wie der Fall Wirth zeigt, durchaus noch Rückhalt in den eigenen Reihen.
Credits: Christian Skalnik/WKW
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