Rund 2,2 Milliarden Euro Finanzschulden, davon der Großteil in ausgelagerten Landesunternehmen: Burgenlands FPÖ-Chef Alexander Petschnig wirft der Landesregierung von Hans Peter Doskozil (SPÖ) mangelnde Transparenz vor. Grundlage seiner Kritik ist ein Bericht des Landes-Rechnungshofs. Die Landesregierung sieht die Lage anders.
Was der Rechnungshof festgestellt hat
Laut dem Burgenländischen Landes-Rechnungshof (BLRH) hatte der sogenannte „Konzern Burgenland“ – das Land samt Landesholding und ausgewählten Landesunternehmen – Ende 2024 Finanzschulden von 2,18 Milliarden Euro. Das sind laut ORF Burgenland rund 21 Prozent beziehungsweise 383 Millionen Euro mehr als 2021. Bemerkenswert ist die Verteilung: Im Landeshaushalt selbst lagen nur 627 Millionen Euro, das sind sogar 28 Millionen weniger als 2021. Auf die Landesunternehmen entfielen dagegen rund 1,56 Milliarden Euro. Nicht eingerechnet sind die Burgenland Energie mit Finanzschulden von 713 Millionen Euro sowie das Energieprojekt „Tomorrow“ mit 79 Millionen Euro, die der BLRH separat ausweist. „Wir haben festgestellt, dass das Land Burgenland Finanzschulden zunehmend in seine Landesunternehmen auslagert“, sagte BLRH-Direktor René Wenk bei der Präsentation des Berichts im Oktober 2025. Er empfahl eine gemeinsame Finanzierungsstrategie und eine übersichtliche Darstellung aller Schulden im Rechnungsabschluss.
Petschnig: „Wir bekommen keine Antwort“
Genau hier setzt Petschnig an. Im TV-Interview mit dem Onlinemedium exxpress sprach der FPÖ-Landesparteiobmann und Nationalratsabgeordnete von einer „Blackbox“: „Wir bekommen ja keine Antwort auf Fragen, was die ausgelagerten Gesellschaften betrifft.“ Den Abgeordneten gehe es nicht um Neugier, sondern um Kontrolle. Seine Warnung: „Irgendwer wird das einmal sanieren müssen.“ Spätestens bei der nächsten Krise fehle sonst das Geld, etwa um Pendlern oder der Landwirtschaft zu helfen.
Das Land verweist aufs Vermögen
Die Landesregierung hatte den Rechnungshofbericht schon bei seiner Präsentation kritisiert. Der Rechnungshof habe bei seiner Analyse die Vermögenswerte außer Acht gelassen, hieß es laut ORF aus der Landesholding. Laut VOL.AT verwies das Land zudem darauf, dass die eigenen Finanzschulden gesunken seien, und auf gestiegene Bankguthaben im Konzern.
Geschäftsführer ohne Ausschreibung
Petschnig verweist auch auf eine weitere Rechnungshofprüfung zu Geschäftsführerbestellungen in der Landesholding. Laut exxpress hatten nur 32 Prozent der geprüften Unternehmen alle betroffenen Posten öffentlich ausgeschrieben, 34 Prozent nur teilweise und 34 Prozent gar nicht. Bei solchen Jobs müsse es darum gehen, „die Besten zu finden“, so Petschnig.
„Tomorrow“ als Risiko?
Kritisch sieht der FPÖ-Chef außerdem das Energieprojekt „Tomorrow“, mit dem das Burgenland bis 2030 rund 2.000 Megawatt Wind- und Solarleistung aufbauen will. Laut ORF waren bis August bereits rund 700 Millionen Euro finanziert, weitere Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro sollen folgen. Petschnigs Frage: Was passiert, wenn die Strompreise wieder deutlich sinken? Er spricht von einem „sehr, sehr gewagten Projekt“. Die Landesregierung argumentiert dagegen, gerade der Ausbau der Erneuerbaren mache das Burgenland unabhängiger von internationalen Energiemärkten.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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