Drei Wellen in einer Woche, rund 30 betroffene Flüge, ein Kreuzfahrtschiff – und keine einzige echte Bombe. Die Drohungen, die seit Dienstag den europäischen Flugverkehr durcheinanderbringen, haben sich allesamt als falsch herausgestellt. Auch die Drohmail an den Flughafen Wien war eine Finte. Nun ermittelt in Österreich der Staatsschutz, und in Rom ist ein ungewöhnliches Bekennerschreiben aufgetaucht.
Vier Flüge, eine Mail, keine Gefahr
Am Flughafen Wien-Schwechat ging am Donnerstag um 8.50 Uhr eine E-Mail mit einer “abstrakten Drohung” gegen vier Flüge von und nach Wien ein, wie Polizeisprecher Stefan Loidl der APA bestätigte. Standardisierte Sicherheitsprotokolle seien abgearbeitet worden, der laufende Flugbetrieb war laut Flughafen nicht beeinträchtigt. Zusätzlich musste ein Wizz-Air-Airbus auf dem Weg von Mailand nach Warschau nach einer gesonderten Drohung außerplanmäßig in Wien landen. Verdächtige Gegenstände wurden nicht gefunden, die Maschine konnte noch am Vormittag weiterfliegen. Ein Finnair-Flug aus Helsinki, gegen den ebenfalls eine Drohung vorlag, landete planmäßig.
Staatsschutz übernimmt
Die Ermittlungen zur Drohmail an den Flughafen Wien liefen am Freitag weiter, wie die APA berichtet. Geführt werden sie vom Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung. Wer hinter der Mail steckt und ob sie mit den Drohungen in anderen Ländern zusammenhängt, ist noch unklar. Nähere Details wollte die Polizei vorerst nicht nennen.
“Kämpfer des männlichen Staates”
Einen möglichen Hinweis auf die Urheber gibt es aus Italien. Bei der römischen Flughafenbehörde ging laut ORF unter Berufung auf italienische Medien eine Drohmail im Namen von “Kämpfern des männlichen Staates” ein. Die Absender erklärten darin, sie bekämpften ein “feministisches Regime”. Ob es diese Gruppe tatsächlich gibt, ob sie hinter allen Drohungen steckt oder ob sich jemand nur als Urheber ausgibt, ist offen. Eine Bestätigung der Behörden zur Echtheit des Schreibens liegt bisher nicht vor.
Dritte Welle binnen einer Woche
Die Drohungen vom Donnerstag waren bereits die dritte Welle in dieser Woche. Am Dienstag waren laut APA rund zehn innereuropäische Flüge, darunter vier Ryanair-Maschinen, sowie ein Kreuzfahrtschiff betroffen. Am Donnerstag waren es rund 20 Flüge, die BBC berichtete von mehr als einem Dutzend. Maschinen wurden nach Wien, Évreux in Frankreich und Sofia umgeleitet, ein Finnair-Flug nach Rom wurde von der italienischen Luftwaffe begleitet. In keinem Fall wurde Sprengstoff gefunden.
Teurer Fehlalarm
Auch wenn keine echte Gefahr bestand, verursachen solche Drohungen erhebliche Kosten: Umleitungen, Durchsuchungen, Verspätungen und Einsätze von Polizei und Militär. Behörden und Fluglinien müssen jede einzelne Drohung ernst nehmen. Wer falsche Bombendrohungen verbreitet, macht sich in Österreich strafbar, etwa wegen gefährlicher Drohung oder Landzwang. Bei einer Verurteilung drohen mehrjährige Haftstrafen, je nach Schwere des Falls.
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