Nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen wird auch in deutschen Talkshows über Donald Trumps Zukunft debattiert. In der ZDF-Sendung “Maybrit Illner” sorgte am Donnerstag ein früherer US-General für Aufsehen. Ben Hodges vermutet, dass Trump von Wladimir Putin unter Druck gesetzt oder gar gekauft worden sei. Belege dafür nannte er nicht.
“Ich glaube, er ist gekauft worden”
Hodges war von 2014 bis 2017 Oberkommandierender der US-Armee in Europa und tritt seither regelmäßig als Kommentator in deutschen Medien auf. “Das ist ganz klar, dass Trump irgendwie von Wladimir Putin unter Druck gesetzt wird. Ich glaube, er ist gekauft worden!”, sagte er laut oe24 in der Diskussionsrunde. Der Präsident könne entweder gestehen und sagen, “Okay, ich gehöre zu Putin”, oder die Sache so lange wie möglich hinauszögern und hoffen, dass ihn sein Nachfolger vor strafrechtlicher Verfolgung schütze. Für ihn als Amerikaner sei es “so peinlich, einen Präsidenten zu haben, der nicht nur selbst korrupt ist, sondern auch anderen die Möglichkeit gibt, korrupt zu sein”.
Ein alter Vorwurf ohne neue Belege
Neu ist der Verdacht nicht. Vorwürfe über eine Einflussnahme Russlands auf Trump begleiten ihn seit seiner ersten Amtszeit. Der Sonderermittler Robert Mueller untersuchte 2017 bis 2019 die russische Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016. Er stellte umfangreiche russische Beeinflussungsversuche fest, fand aber keine ausreichenden Beweise für eine strafbare Verschwörung zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland. Trump selbst hat Vorwürfe einer Abhängigkeit von Moskau stets als “Hexenjagd” zurückgewiesen. Hodges legte in der Sendung laut oe24 keine neuen Belege für seine Vermutung vor. Eine Reaktion des Weißen Hauses auf seine Äußerungen liegt nicht vor.
Theveßen: Untersuchungen könnten zu Strafverfahren führen
Sachlicher argumentierte ZDF-Amerikakorrespondent Elmar Theveßen. Er verwies auf die neuen Möglichkeiten der Demokraten, die nach Projektionen von US-Medien beide Kongresskammern erobert haben. Untersuchungen im Kongress könnten laut Theveßen auch zu strafrechtlichen Verfahren führen. Er zog eine Parallele zu Joe Biden, der seinen Sohn Hunter kurz vor dem Ende seiner Amtszeit begnadigt hatte: “Genau dasselbe hat Donald Trump jetzt eben seinem Umfeld, seiner Familie versprochen.” Worauf sich diese Aussage konkret stützt, geht aus dem oe24-Bericht nicht hervor.
“Peak Trump hinter uns”
Optimistischer zeigte sich der Politikwissenschaftler Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München. Er sieht in der Wahlniederlage ein Zeichen, dass Trumps Macht an Grenzen stößt. “Inkompetenz und Korruption sind ja, wie man erkennen kann, zwei wichtige Faktoren, über die Autokraten oder Möchtegern-Autokraten stolpern können.” Systeme, die noch die “Reinigungskraft” aufbrächten, solche Leute loszuwerden, täten das auch. “Ich glaube, wir haben Peak Trump hinter uns. So ein bisschen Sektlaune ist gerechtfertigt.”
Zeitgleich: Trump trifft Kreml-Gesandten
Die Debatte fiel auf einen bemerkenswerten Tag. Wenige Stunden zuvor hatte Trump bestätigt, sich in Washington mit Kirill Dmitrijew getroffen zu haben, einem engen Vertrauten Putins. Er stellte ein “großes Abkommen” zum Ukraine-Krieg in Aussicht, das “ganz Europa betreffen” könnte. Mit Vertretern der Ukraine traf er sich nach eigenen Angaben nicht. Kritiker sehen darin eine Bestätigung ihrer Sorge vor einer zu großen Nähe Trumps zu Moskau, Trumps Regierung beschreibt ihre Gespräche als Vermittlungsbemühung für ein Kriegsende.
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