Was am Samstagnachmittag als Schießerei auf dem Krakauer Hauptmarkt begann, ist inzwischen eines der schwersten Gewaltverbrechen in Polen seit Jahrzehnten. Sechs Menschen starben auf dem Platz, drei weitere Tote wurden im Wohnhaus des mutmaßlichen Schützen gefunden. Unter den mindestens 16 Verletzten ist auch eine Person aus Österreich. Polens Regierung spricht von einem Terrorakt, der Täter soll von rechtsextremen Ideologien “fasziniert” gewesen sein.
Sechs Tote auf dem Hauptmarkt
Laut Polizei feuerte ein Mann am Samstag gegen 15 Uhr aus einem Auto heraus wahllos auf Menschen auf dem zentralen Marktplatz, wie der ORF berichtet. Getötet wurden vier Frauen und zwei Männer, unter ihnen laut Polizei auch ein Brite. Mindestens 16 Menschen wurden verletzt, darunter zwei Polizisten. Zwölf Verletzte befinden sich laut ORF in kritischem Zustand. Der Angreifer feuerte mit einem halbautomatischen Sturmgewehr und trug Tarnkleidung. Im Fahrzeug fanden Ermittler weitere Waffen und Munition.
Ein Österreicher verletzt
Unter den Verletzten sind laut polnischem Innenministerium fünf Ausländer, je eine Person aus Österreich, Deutschland, Portugal, Russland und Großbritannien. Das österreichische Innenministerium bestätigte in der Nacht auf Sonntag, dass eine Person aus Österreich unter den Verletzten ist, berichtet der ORF. Angaben zur Identität, zur Herkunft innerhalb Österreichs und zur Schwere der Verletzungen gibt es bisher nicht.
Drei weitere Tote im Wohnhaus
Nach einer Sitzung des Krisenstabs teilte Ministerpräsident Donald Tusk mit, dass im Haus des mutmaßlichen Schützen drei weitere Leichen gefunden wurden, zwei Frauen und ein Mann. Laut Salzburg24 zeigten Drohnenaufnahmen die Toten im Gebäude. Wer sie sind und in welcher Beziehung sie zum Täter standen, ist noch unklar. Damit stieg die Zahl der Todesopfer auf neun.
“Fasziniert von rechtsextremen Ideologien”
Der mutmaßliche Täter, ein Pole Mitte zwanzig, wurde von Polizisten angeschossen und festgenommen. Laut ZDF gaben die Beamten innerhalb von drei Minuten nach der ersten Meldung die ersten Schüsse auf ihn ab. Innenminister Marcin Kierwiński sagte, der Mann sei von “rechtsextremen Ideologien fasziniert” gewesen, darauf deute “alles” hin. Tusk sprach von einem Akt des “Terrorismus”, Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz von einem “terroristischen Akt”. Unmittelbar nach der Tat dankte Tusk “den heldenhaften Polizisten, die unter Einsatz ihres Lebens gehandelt haben”. Erste Berichte über einen möglichen zweiten Täter haben die Behörden bisher nicht bestätigt, in den aktuellen Angaben ist nur noch von einem Schützen die Rede.
Zwei Tage Staatstrauer
Polen trauert am Sonntag und Montag um die Opfer, Tusk hat zwei landesweite Trauertage ausgerufen. In Warschau und Krakau legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die Ermittlungen zum genauen Motiv und zum Ablauf der Tat laufen. Tusk versprach schnelle Aufklärung, nähere Angaben zu den Hintergründen machte er zunächst nicht.
Credits: Mateusz Włodarczyk – www.wlodarczykfoto.pl – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35026763
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