Raketen auf Kiew: Selenskyj kritisiert die Stadt, Klitschko spricht von “Lügen” und “Manipulation”

Raketen auf Kiew: Selenskyj kritisiert die Stadt, Klitschko spricht von “Lügen” und “Manipulation”

Die russischen Raketen treffen die Energieversorgung, die Menschen in Kiew sitzen stundenlang ohne Strom, Wasser und Heizung – und die beiden wichtigsten Politiker der Hauptstadt streiten öffentlich darüber, wer daran mitschuld ist. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Stadtverwaltung mangelnde Vorbereitung vor. Bürgermeister Vitali Klitschko kontert mit dem Vorwurf der “Manipulation”.

36 Raketen in einer Nacht

Auslöser des Streits ist ein neuer schwerer Angriff. Nach Angaben Selenskyjs feuerte Russland in der Nacht 36 Raketen auf Kiew und das Umland ab, wie oe24 berichtet. Unter anderem wurde die Nordbrücke über den Dnipro beschädigt und vorläufig gesperrt. Klitschko meldete fünf Verletzte. Die Folgen sind in der ganzen Stadt zu spüren: Haushalte und Unternehmen kämpfen mit langen Ausfällen bei Strom und Wasser, auch die Fernwärme ist betroffen. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit droht sich die Lage weiter zu verschärfen.

Selenskyj: Beschlüsse nicht umgesetzt

Selenskyj sieht die Ursachen für die Probleme nicht nur bei den russischen Angriffen. Er kritisierte, dass Beschlüsse zur Vorbereitung auf die Heizperiode auf städtischer Ebene nicht umgesetzt worden seien. Damit wirft er der Stadtführung indirekt vor, sich nicht ausreichend auf die erwartbaren Angriffe vorbereitet zu haben. Welche Beschlüsse er konkret meint, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Klitschko: “Widerwärtig”

Der Bürgermeister wies die Kritik scharf zurück. Er warf dem Präsidenten “Manipulation” und die Verbreitung von “Lügen” vor. Vertreter der Stadt seien zu den Krisenberatungen Selenskyjs gar nicht eingeladen worden. Zudem beklagte Klitschko laut Reuters, dass die Zentralregierung die Genehmigung eines Notfallplans für Kiew verzögere. “Widerwärtig sieht das alles in Bezug auf die Einwohner der Hauptstadt aus”, schrieb er. Die Vorwürfe würden auch jene Helfer herabwürdigen, die “unter Einsatz ihres Lebens unter Beschuss rund um die Uhr praktisch Unmögliches leisten”.

“Kann nicht an manchen Orten noch leuchten”

Klitschko bezweifelt zudem, dass Selenskyj die tatsächliche Lage der Energieversorgung kenne. Kiew sei Teil des ukrainischen Verbundnetzes, wenn dieses landesweit beschädigt werde, könne nicht eine Stadt allein für Stromausfälle verantwortlich gemacht werden. “Und wenn dieses Netz im ganzen Land zerstört wird, kann es nicht an manchen Orten noch leuchten, während Klitschko an anderen alles abgeschaltet hat”, schrieb der Bürgermeister, der hier ironisch in der dritten Person von sich selbst spricht.

Eine alte Rivalität

Neu ist der Konflikt nicht. Selenskyj und Klitschko, der frühere Boxweltmeister, der Kiew seit 2014 regiert, liegen seit Jahren im Streit über Zuständigkeiten und politische Verantwortung. Klitschko kritisierte schon in den vergangenen Jahren mehrfach einen aus seiner Sicht zu zentralistischen Führungsstil des Präsidenten, Selenskyjs Umfeld warf der Stadt wiederholt Versäumnisse beim Schutz der Bevölkerung vor. Dass der Streit nun mitten in einer Phase schwerer Angriffe offen ausgetragen wird, ist allerdings eine neue Eskalationsstufe. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für neue Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine in Abu Dhabi.


Credits: KI-erzeugt

Teilen:
Show Comments (0) Hide Comments (0)
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ihre Meinung? Kommentieren Sie jetzt!x