Er war einer der Gründer der NEOS, saß für sie im Nationalrat und flog nach seinem Nein zum Budget aus Klub und Partei. Jetzt holt Veit Dengler zum Rundumschlag gegen Parteichefin Beate Meinl-Reisinger aus. Die NEOS seien eine Partei wie alle anderen geworden, Abgeordnete nur noch “Stimmvieh”, und der Führungsstil der Außenministerin sei dem von Herbert Kickl ähnlicher, als vielen lieb sei.
“Eine Partei wie alle anderen”
Dengler äußerte sich im Interview-Format “Normal Reden” der “Kronen Zeitung”, wie “Heute” berichtet. Seine Kernthese: Die NEOS hätten ihren Gründungsgedanken verloren. Er und der frühere Parteichef Matthias Strolz hätten einst eine “echte Bürgerpartei” schaffen wollen, davon sei nichts mehr übrig. Verantwortlich macht er Meinl-Reisinger. Sie sei “in der ÖVP sozialisiert” und von einer Gruppe “30-jähriger Berufspolitiker” umgeben. Meinl-Reisinger war vor ihrem Wechsel zu den NEOS tatsächlich in der ÖVP aktiv, unter anderem als Mitarbeiterin im Wirtschaftsbund.
“Nicht sehr weit” von Kickl
Besonders scharf fällt Denglers Kritik am Führungsstil aus. Dieser sei “straff” und komme von oben. Damit sei Meinl-Reisinger von FPÖ-Chef Herbert Kickl “nicht sehr weit” entfernt. Starke Persönlichkeiten würden in der Partei nicht gefördert, kritische Diskussionen im Keim erstickt. Durch den Klubzwang seien die Abgeordneten zu “Stimmvieh” geworden, das Parlament diene nur noch “zur Zierde”: Gesetze würden in der Regierung entschieden und im Nationalrat “durchgewunken”. “Bei dem, was ich die letzten eineinhalb Jahre gemacht habe, hätte ich auch zur ÖVP gehen können”, so Dengler.
Vom Budget-Nein zum Rauswurf
Dengler selbst ist inzwischen wilder Abgeordneter. Bei der Budgetabstimmung hatte er gegen die Regierung gestimmt, danach folgten gegenseitige Vorwürfe und schließlich sein Ausschluss aus Klub und Partei. Warum nicht mehr Abgeordnete seinem Beispiel folgen, erklärt er mit Bequemlichkeit. “Der Stall” sei vielen zu bequem: Man könne reisen, verdiene mehr als 99 Prozent der Österreicher und sitze bei Veranstaltungen in der ersten Reihe.
Impfpflicht als “Sündenfall”
Auch eine alte Entscheidung holt Dengler hervor. Die NEOS hatten der Corona-Impfpflicht 2022 im Nationalrat zugestimmt. Laut Dengler habe es dafür in der Partei keine Mehrheit gegeben: “Die haben aus Räson, weil Beate das unbedingt wollte, dafür gestimmt.” Er selbst nennt die Zustimmung einen “riesigen Sündenfall”. Überprüfen lässt sich diese Darstellung interner Vorgänge nicht, Dengler war damals selbst noch nicht Abgeordneter. Erst am Samstag hatte auch der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter die Impfpflicht als “groben Fehler” bezeichnet.
FPÖ-Absolute “möglich” – und eine eigene Partei?
Düster ist Denglers Blick in die Zukunft. Er glaubt, dass die FPÖ in drei Jahren sowohl den Bundespräsidenten als auch den Bundeskanzler stellen werde, sogar eine absolute Mehrheit traue er den Freiheitlichen zu. Sich selbst bezeichnet er nicht als “FPÖ-Fresser”, wolle aber mehr wählbares Angebot schaffen. Die Gründung einer eigenen Partei schließt er nicht aus. Eine Reaktion der NEOS auf seine Vorwürfe lag zunächst nicht vor. Das vollständige Interview wird am Sonntag um 22.15 Uhr auf krone.tv ausgestrahlt.
Credits: BKA-Tarek Wilde
Neueste Kommentare