Anderssons Sozialdemokraten kämpfen auf Arabisch um Wählerstimmen

Anderssons Sozialdemokraten kämpfen auf Arabisch um Wählerstimmen

Wenige Wochen vor der schwedischen Reichstagswahl setzen Magdalena Anderssons Sozialdemokraten auf eine gezielte mehrsprachige Wahlkampfstrategie. Auf der Parteiwebsite steht das Wahlprogramm in 17 Sprachen neben Schwedisch bereit – Arabisch inklusive. Gleichzeitig hält die Partei offiziell an einer „strengen Migrationspolitik“ fest.

Wahlkampfstart mit persönlichem Appell

Am Mittwoch begann in Schweden die vorzeitige Stimmabgabe, am 13. September wird gewählt. Auf der offiziellen Parteiwebsite findet sich eine komplette arabische Wahlkampffassung, in der Andersson persönlich um Vertrauen für ihre Rückkehr an die Regierungsspitze wirbt.

Migranten sympathisieren überdurchschnittlich mit den Sozialdemokraten

Dass diese Zielgruppe für die Partei besonders relevant ist, zeigen Zahlen des schwedischen Statistikamts SCB: 45,8 Prozent der Befragten mit ausländischem Hintergrund sympathisieren mit den Sozialdemokraten, unter Menschen mit schwedischem Hintergrund sind es nur 30,8 Prozent. Wichtig zur Einordnung: Zu dieser Gruppe zählen Menschen unterschiedlichster Herkunft, auch solche, die kein Arabisch sprechen.

Kein Sprachtest fürs Wahlrecht

Für die Reichstagswahl zählen ausschließlich Alter, schwedische Staatsbürgerschaft und die Registrierung in Schweden – ein Schwedischtest gehört nicht zu den Voraussetzungen. Bei den gleichzeitig stattfindenden Kommunal- und Regionalwahlen geht das Wahlrecht sogar noch weiter: Dort dürfen auch ausländische Staatsbürger wählen, Bürger von Nicht-EU-Staaten etwa dann, wenn sie seit mindestens drei Jahren durchgehend in Schweden registriert sind. Arabischsprachige Wahlwerbung kann damit unmittelbar Stimmen erreichen.

17 Sprachen, inhaltlich mehr als nur Organisatorisches

Das übersetzte Wahlmaterial der Sozialdemokraten umfasst neben Arabisch unter anderem auch Somali, Dari, Farsi, Türkisch und Tigrinya. Auf Arabisch beschränkt sich die Partei dabei nicht auf organisatorische Wahlinformationen, sondern behandelt auch Themen wie Wirtschaft, Schulen, Gesundheit und Kriminalität.

Regionale Kampagne mit eigenem Fokus

Noch deutlicher wird der gezielte Ansatz auf regionaler Ebene: Der Parteibezirk Sörmland betreibt eine eigene Wahlkampfseite mit dem Titel „Val 2026 Al kompis“ – benannt nach dem arabischsprachigen schwedischen Medium „Alkompis“. Dort versprechen die Sozialdemokraten unter anderem mehr Einsatz gegen „Hass, Rassismus und Islamophobie“, mehr „Inklusion für Menschen mit Migrationshintergrund“ sowie eine erleichterte Familienzusammenführung in humanitären Fällen.

Gleichzeitig: Festhalten an strenger Migrationspolitik

Auf nationaler Ebene setzt die Parteizentrale hingegen einen bemerkenswert anderen Akzent. Auf der offiziellen Wahlseite heißt es ausdrücklich: „Die strenge Migrationspolitik bleibt bestehen.“ Schweden müsse zunächst die Integration jener bewältigen, die bereits ins Land gekommen seien. Dazu verspricht die Partei unter anderem eine Aktivitätspflicht, eine Sprachpflicht sowie eine sogenannte Jobtreppe zur schrittweisen Arbeitsmarktintegration.

Ein politischer Spagat wenige Wochen vor der Wahl

Damit entsteht kurz vor dem Urnengang ein bemerkenswertes Spannungsfeld: strenge Migrations- und Integrationspolitik im nationalen Programm versprechen – und gleichzeitig möglichst viele Wähler in deren eigener Sprache gezielt ansprechen. Politisch könnte sich dieser Kurs auszahlen: In der jüngsten Verian-Umfrage liegen Anderssons Sozialdemokraten bei 30,5 Prozent, ihr gesamtes Mitte-links-Lager führt mit 53,9 zu 43,9 Prozent deutlich vor dem amtierenden Regierungslager. Ob sich die mehrsprachige Wahlkampfoffensive tatsächlich in zusätzlichen Stimmen niederschlägt, dürfte sich erst nach der Wahl am 13. September zeigen.

Credits: Bene Riobó – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=170506040

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