Eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) liefert neue Detailzahlen zur Kriminalstatistik 2025. Die FPÖ sieht darin Beleg für eine „außer Kontrolle“ geratene Lage – ein genauerer Blick auf die Zahlen liefert allerdings ein differenzierteres Bild.
Was die Anfragebeantwortung zeigt
Laut der Anfragebeantwortung an FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker gab es 2025 insgesamt 164.573 fremde Tatverdächtige in Österreich – ein Plus von 7.515 gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl deckt sich mit dem offiziellen Kriminalitätsbericht des Bundeskriminalamts, der einen Anstieg um 4,8 Prozent ausweist. Zur Einordnung ist dieser Zuwachs im Sieben-Jahres-Vergleich allerdings unterdurchschnittlich. Die Zahl österreichischer Tatverdächtiger stieg im selben Zeitraum um 0,9 Prozent auf 180.493. Insgesamt lag der Anteil fremder Tatverdächtiger an allen Tatverdächtigen bei 47,7 Prozent – laut Bundeskriminalamt der höchste Wert der vergangenen sieben Jahre.
Die Top-Herkunftsländer
Die häufigsten Herkunftsländer fremder Tatverdächtiger waren 2025 Rumänien (18.690), Syrien (14.863) und Deutschland (14.771), gefolgt von Serbien, Ungarn, der Türkei, der Slowakei, Afghanistan, ungeklärter Staatsangehörigkeit sowie Bosnien-Herzegowina. Wichtig zur Einordnung: Als „fremde“ Tatverdächtige zählen dabei ausdrücklich auch Touristen und ausländische Studierende, nicht nur dauerhaft in Österreich lebende Migranten.
Die Zahlen zu Vergewaltigungen im Detail
Bei Vergewaltigungen registrierte die Polizei 2025 laut Anfragebeantwortung 471 ausländische Tatverdächtige, davon 58 Asylwerber – ein Plus von vier Prozent bei dieser Untergruppe gegenüber dem Vorjahr. Bei Mord waren es 21 ausländische Tatverdächtige, darunter ein Asylwerber. Insgesamt registrierte die Polizei laut dem offiziellen Kriminalitätsbericht 2025 mehr als 1.275 Anzeigen wegen Vergewaltigung, von denen 1.061 aufgeklärt werden konnten. Laut dem Innenministerium liegt die Aufklärungsquote bei Vergewaltigungen 2025 mit 83,2 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt.
Ein Detail, das oft übersehen wird
In der öffentlichen Debatte häufig ausgeblendet wird ein zentraler Befund der Kriminalstatistik: In fast 90 Prozent aller Vergewaltigungsfälle bestand zwischen Tatverdächtigem und Opfer laut dem Kriminalitätsbericht bereits ein Bekanntschaftsverhältnis. Die Vorstellung eines überwiegend fremden Angreifers, wie sie das öffentliche Bild von Sexualdelikten oft prägt, deckt sich damit statistisch nicht mit der Mehrheit der tatsächlich erfassten Fälle.
Wichtige methodische Einschränkung
Bei der Kriminalpolizeilichen Anzeigenstatistik (PKS), auf der auch die Anfragebeantwortung basiert, handelt es sich laut Bundeskriminalamt ausdrücklich um eine Anzeigenstatistik – erfasst werden also Tatverdächtige, nicht rechtskräftig Verurteilte. Zudem weist das Bundeskriminalamt selbst darauf hin, dass die Statistik aktuell keine sogenannte Einfachzählung ermöglicht: Eine Person, die mehrere Straftaten begangen hat, kann in der Gesamtzahl mehrfach als Tatverdächtiger für unterschiedliche Delikte aufscheinen.
Hafeneckers politische Forderung
FPÖ-Generalsekretär Hafenecker interpretiert die Zahlen als Beleg für eine gescheiterte Regierungspolitik: „Die Lage ist außer Kontrolle und Karners angebliche Abschiebeoffensive ist ein reines Märchen“, erklärte er in einer Aussendung. „Wenn tatsächlich so viele straffällige Fremde außer Landes gebracht würden, könnten die Deliktzahlen nicht Jahr für Jahr steigen.“ Er fordert einen „Migrationsnotstand“ sowie – in seinen eigenen Worten – „eine echte Remigration statt Schönwetterstatistiken“.
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