Eine paradoxe Erkenntnis aus der jüngsten Meinungsforschung: Ausgerechnet beim Gefühl der gesellschaftlichen Zerrissenheit sind sich die Österreicher einig wie selten. Neun von zehn Befragten empfinden ihr Land derzeit als gespalten.
Eine seltene Einigkeit
Wie derStandard.at unter Berufung auf eine aktuelle STANDARD-Umfrage berichtet, sagen 90 Prozent der Befragten, die österreichische Gesellschaft sei gespalten. Ein derart hoher Zustimmungswert ist in der politischen Meinungsforschung ungewöhnlich – gerade weil er quer durch praktisch alle Bevölkerungsgruppen hindurch Bestand hat, wie es in der Berichterstattung heißt.
Wo die größte Kluft empfunden wird
Konkret benannt wird in dem Bericht vor allem eine Bruchlinie: Zwischen der Wählerschaft der FPÖ und den Unterstützern der Bundesregierung sehen 57 Prozent der Befragten die größte gesellschaftliche Spaltung, wie derStandard.at ausführt. Das deckt sich mit einer Beobachtung, die auch der einleitende Teil des Artikels aufgreift: Wo vor einigen Jahren noch die Corona-Pandemie und danach die Nationalratswahl für hitzige Debatten sorgten, sind es aktuell laut dem Bericht vor allem der Krieg im Gazastreifen und das Thema Migration, bei denen „zuverlässig die Wogen hochgehen“.
Der Kontext: Eine Umfragereihe mit klarer Handschrift
Die Erhebung fügt sich in eine Reihe regelmäßiger politischer Umfragen ein, die das Linzer Market-Institut im Auftrag des STANDARD durchführt – dieselbe Reihe, aus der zuletzt auch die vielbeachteten Sonntagsfrage-Ergebnisse stammten, wonach die FPÖ bundesweit bei rund 38 Prozent liegt, während ÖVP und SPÖ unter der 20-Prozent-Marke rangieren. Dass ausgerechnet in einem politischen Umfeld mit einer historisch starken FPÖ und schwachen Koalitionsparteien auch das Gefühl gesellschaftlicher Spaltung besonders ausgeprägt ist, dürfte kein Zufall sein.
Was offenbleibt
Der vollständige Artikel des STANDARD verspricht laut eigener Ankündigung weitere „deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Untergruppen“ – also eine detailliertere Aufschlüsselung etwa nach Parteipräferenz, Alter oder Bundesland. Diese tieferliegenden Detailergebnisse sind allerdings kostenpflichtig und lagen zum Zeitpunkt der Recherche nicht frei zugänglich vor. Festzuhalten bleibt vorerst der bemerkenswerte Kernbefund: Beim Gefühl, in einer gespaltenen Gesellschaft zu leben, herrscht unter Österreichs Bevölkerung selten gesehene Einigkeit.
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