„Leben am Rand“: Zwei Tage im Leben eines Obdachlosen – zwischen Kälte, Hoffnung und Ablehnung

„Leben am Rand“: Zwei Tage im Leben eines Obdachlosen – zwischen Kälte, Hoffnung und Ablehnung

05:30 Uhr, der Morgen, es wird hell – Die ersten Augenblicke dieses Morgens wandern über das Pflaster und den Asphalt im Linzer Terminal. Der kalte Beton unter meinem Rücken ist wieder einmal schuld daran, dass ich mich kaum noch bewegen kann, vor lauter Schmerzen. Die Decke ist dünn, der Schlaf unruhig. Immer wieder unterbrochen von nächtlichem Lärm, vom ständigen Misstrauen, Angst vor Übergriffen wie schon so oft, und meistens ist gerade dann niemand da, der mir im Fall des Falles wirklich helfen würde, wenn jemand übergriffig und handgreiflich wird. Noch bevor die Pendler aus Zug und Bus, die jeden Tag hier auf dem Weg in ihre Arbeit bei mir vorbeikommen, räume ich…

06:30 Uhr, auf der Suche nach etwas Wärme – Ich ziehe los, vorbei an Menschen die auf dem Weg in ihre Arbeit sind, die mich meiden und oft auch die Straßenseite wechseln, die ihren Blick abwenden und den Kopf schütteln, mich gnadenlos vorverurteilen, ohne einen Schritt in meinen Schuhen gegangen zu sein. Manche Passanten schauen sich gegenseitig an, schauen dann mich an und drehen dann schnell ihr Gesicht kopfschüttelnd in die andere Richtung und gehen mit einem kleinen Bogen um mich, weiter. In einem

Ich setze mich an eine Straßenecke, lege eine Pappschale vor mich. „Betteln“. Die Menschen gehen vorbei. Manche werfen eine Münze ein, viele ignorieren mich. Wieder andere sagen: „Such dir doch Arbeit!“ – als wäre das so einfach, wenn man keine Adresse, kein Konto, keinen sauberen Lebenslauf hat. Hier beginnt der große Irrtum…

Immer wieder zieht jemand von den Wartenden seine Jacke enger, wenn ich neben ihm sitze. Ich versuche, mich kleiner zu machen und mich teilweise zu verstecken. Mich gibt’s nicht, lediglich für fünf Minuten vielleicht – wenn ich wirklich aufgerufen werde…

08:00 Uhr, Amtstermin auf dem Magistrat Linz – Ich warte vor dem Sozialamt. Draußen – weil ich alleine nicht reindarf, ohne Sozialarbeiter bzw. Streetworker und solange ich „nicht ordentlich“ aussehe, also warte ich. Heute will ich wieder versuchen, einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen. Der letzte wurde „aus formalen Gründen“ abgelehnt.

Ich gehe ohne Sozialarbeiter, der mich scheinbar versetzt hat, hinein und versuche mein Glück. Die Sachbearbeiterin wechselt ständig. Jedes Mal wieder von vorn und jedes Mal muss ich einer anderen Sachbearbeiterin, meine Lebensumstände detailliert erklären. Manchmal schwappt mir ein lauter, herrschender und total abschätziger Ton entgegen, wo ich sofort spüre, das hat heute eigentlich keinen Sinn hier, so wie heute.

In einem unfreundlichen Ton kommen folgende Fragen an mich: „Haben Sie eine Meldeadresse?“ – Ja, bei den Streetworkern in der Starhembergstrasse in Linz. Haben Sie alle Unterlagen mit dabei? Leider nicht, mein Ausweis fehlt, da mir dieser gestohlen wurde und all meine anderen Dokumente wurden bei der Räumung vom Terminal, von Magistratsbediensteten einfach entsorgt. „Dann können wir leider nichts machen.“ Also auch heute wieder kein Antrag möglich, keine Hilfe zu erwarten, wieder ein Antrag, der ins menschenunwürdige Nichts abgleitet…

Zur ganzen Geschichte geht es hier.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x