Zwei Beben in 39 Sekunden: Tausende Tote in Venezuela befürchtet

Zwei Beben in 39 Sekunden: Tausende Tote in Venezuela befürchtet

In der Nacht auf Donnerstag hat ein Doppelerdbeben Venezuela erschüttert – eines der schwersten Ereignisse in der Geschichte des Landes. Der internationale Flughafen der Hauptstadt ist gesperrt, mehrere Hochhäuser eingestürzt. Die US-Erdbebenwarte rechnet mit bis zu 100.000 Todesopfern.

7,2 und 7,5 in 39 Sekunden

Am Mittwochabend Ortszeit (00:04 Uhr MESZ) ereignete sich nordwestlich von Caracas der erste Erdstoß der Stärke 7,2 – sein Epizentrum lag laut der US-Erdbebenwarte USGS gut 20 Kilometer westlich der Küstenstadt Morón. Nur 39 Sekunden später folgte in rund 45 Kilometer Entfernung ein zweites Beben der Stärke 7,5, wie heute.at und Südtirol News unter Berufung auf USGS und AFP berichten. Das zweite Beben lag in einer Tiefe von nur zehn Kilometern – je flacher der Herd, desto verheerender die Auswirkungen an der Oberfläche. Anschließend wurden 20 Nachbeben registriert. Die Beben zählen laut t-online zu den weltweit stärksten des laufenden Jahres.

USGS: Bis zu 100.000 Todesopfer möglich

Die USGS-Modellrechnung auf Basis von Stärke, Tiefe und Bevölkerungsdichte ergibt laut SRF und t-online eine mögliche Opferzahl von 10.000 bis 100.000. Erste Todesopfer wurden von der venezolanischen Regierung offiziell bestätigt. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Truth Social von einer „verheerenden Zahl an Todesopfern“ und erklärte Hilfsbereitschaft – laut SRF wohl mit Blick auf die neue Übergangsregierung in Caracas, die nach dem Sturz von Nicolás Maduro durch die USA im Jänner 2026 die Macht übernommen hatte.

Flughafen gesperrt, Hochhaus in Trümmern

Besonders dramatisch: Im Caracacer Stadtteil Altamira wurde ein 22-stöckiges Hochhaus nach AFP-Angaben nahezu völlig zerstört, wie heute.at und Epochtimes berichten. Mehr als 500 Rettungskräfte arbeiteten sich laut CNN durch die Trümmer. Im Hauptstadtbezirk Chacao konnten aus einem eingestürzten Gebäude 18 Menschen lebend geborgen werden, wie Bürgermeister Gustavo Duque mitteilte. Im Küstenbundesstaat Falcón wurden laut Südtirol News 22 Verletzte und 15 Vermisste gemeldet.

Der internationale Flughafen Maiquetía bei Caracas musste wegen schwerer Infrastrukturschäden geschlossen werden, wie heute.at berichtet. Schulunterricht und Zugverkehr wurden ausgesetzt. Krankenhäuser verdoppelten ihr Nachtpersonal.

Notstand und internationale Hilfe

Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez rief in einer Fernsehansprache den Notstand aus und bezeichnete die Lage als „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“, wie SRF und heute.at berichten. Innenminister Diosdado Cabello warnte im Staatsfernsehen vor weiteren Nachbeben, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten. Rodríguez forderte alle Mediziner des Landes auf, sich in Krankenhäusern zu melden.

International meldeten sich mehrere Länder mit Hilfsangeboten: El Salvador kündigte 300 Rettungskräfte und 50 Tonnen Hilfsgüter an, die Dominikanische Republik schickt Spezialteams, auch Brasilien und die USA erklärten Unterstützung. Das US-Außenministerium richtete laut Epochtimes einen Krisenstab ein.

Beben bis Bogotá spürbar

Die Erschütterungen waren noch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá rund 1.000 Kilometer entfernt zu spüren, wie heute.at berichtet – Menschen flohen auf die Straßen, Alarmsirenen heulten. Rund 80 Prozent der venezolanischen Bevölkerung leben in erdbebenbedrohten Gebieten. Das letzte schwere Beben mit verheerenden Folgen ereignete sich 1976, als in Caracas fast 300 Menschen starben.

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