Von 50 auf 2.500: Wie Großbritannien die Kontrolle über Gender-Medizin für Kinder verlor

Von 50 auf 2.500: Wie Großbritannien die Kontrolle über Gender-Medizin für Kinder verlor

Die britische Kinderärztin Hilary Cass erschütterte 2024 das Vereinigte Königreich mit einem Bericht über die Behandlung von Kindern in Gender-Kliniken. Zwei Jahre später hat ihr nun selbst der Ärzteverband recht gegeben, der sie zunächst angegriffen hatte.

Von 50 auf 2.500 Kinder pro Jahr

Bei der konservativen ARC-Konferenz in London zeichnete Baroness Hilary Cass ein erschütterndes Bild, wie exxpress berichtet. Im Jahr 2009 wurden in Großbritannien noch rund 50 Minderjährige jährlich an Gender-Spezialdienste überwiesen, damals überwiegend biologisch männlich. Aus diesen 50 Fällen wurden im Laufe der Zeit rund 2.500 pro Jahr – und das Geschlechterverhältnis hatte sich umgekehrt: Nun waren es überwiegend biologisch weibliche Kinder und Jugendliche. Die entscheidende Frage, die das System zu lange nicht stellte: Warum?

Der Cass Review und sein Urteil

Cass ist keine politische Aktivistin, sondern eine der profiliertesten britischen Kinderärztinnen – ehemalige Präsidentin des Royal College of Paediatrics and Child Health und seit 2024 als Crossbench-Peer unabhängiges Mitglied des britischen House of Lords. Sie übernahm 2020 im Auftrag von NHS England die Leitung einer unabhängigen Überprüfung der britischen Kinder-Gender-Dienste. Ihr Abschlussbericht erschien im April 2024 – und wurde zum Wendepunkt.

Das Urteil war vernichtend: Die Dienste waren überlastet, zu stark zentralisiert, und die wissenschaftliche Grundlage für weitreichende medizinische Eingriffe war, wie exxpress unter Berufung auf Cass schildert, „im Vergleich zu fast jedem anderen Bereich der Kindermedizin erschreckend schlecht.“ Offene Fragen zu Langzeitfolgen von Pubertätsblockern für Knochen- und Gehirnentwicklung, Sexualität und Fruchtbarkeit blieben unbeantwortet. Kinder und Jugendliche, die an Angststörungen, Depressionen oder Autismus litten, seien zu oft nicht ausreichend auf diese Begleitbelastungen untersucht worden.

Tavistock geschlossen, neue Strukturen im Aufbau

Die Konsequenzen waren erheblich. Der Gender Identity Development Service (GIDS) der berühmten Tavistock-Klinik in London – lange die zentrale britische Anlaufstelle für Kinder mit Genderfragen – wurde geschlossen, wie exxpress berichtet. NHS England baut nun neue regionale Dienste auf, die Kinder breiter abklären sollen: medizinisch, psychologisch, psychiatrisch und sozial. Die routinemäßige Verschreibung von Pubertätsblockern an Minderjährige bei Geschlechtsdysphorie wurde gestoppt, das Verbot später unbefristet gemacht. Eine Überprüfung ist für 2027 vorgesehen.

BMA gibt Cass recht – mit Einschränkung

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim British Medical Association (BMA), dem großen britischen Ärzteverband mit 190.000 Mitgliedern. Der BMA-Rat hatte 2024 noch dafür gestimmt, den Cass Review öffentlich zu kritisieren, und seine Empfehlungen als „nicht belegt“ bezeichnet. Nach einer zweijährigen Eigenprüfung veröffentlichte die BMA im Mai 2026 einen Bericht, der Cass‘ Methodik als solide anerkennt und erklärt, keiner der 32 Empfehlungen des Reviews zu widersprechen, wie Wikipedia und The Pink News übereinstimmend berichten. BMA-Wissenschaftschef Professor David Strain erklärte laut Yahoo News UK, Cass sei „in der Art und Weise, wie sie die Daten angegangen ist, bestätigt worden“. Allerdings lehnt die BMA weiterhin ein generelles politisches Verbot von Pubertätsblockern ab – Verschreibungsentscheidungen sollten Ärzten vorbehalten bleiben, nicht der Politik.

Schwarzmarkt als neue Gefahr

Cass warnte laut exxpress auch vor einem unerwarteten Folge-Problem: Kinder und Jugendliche, denen nun erklärt werde, die Medikamente seien nicht mehr über den NHS erhältlich, könnten sich an unregulierte private Anbieter oder Schwarzmarktquellen wenden. Östrogen und Testosteron seien leicht zu bekommen. Damit steht Großbritannien vor einer doppelten Herausforderung: Erst wurde eine medizinische Sicherheit suggeriert, die laut Cass so nicht belegt war – nun muss das System zurückrudern, während manche Familien den alten Versprechen weiterhin vertrauen.

Credits: Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0)

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