Sparen predigen, im Luxushotel schlafen: Bundeskanzler Christian Stocker reiste mit einer zehnköpfigen Delegation zum WM-Spiel gegen Argentinien in die USA – und nächtigte dabei im selben Fünfsternehotel wie die österreichische Nationalmannschaft.
W Hotel Dallas: Zimmer bis 860 Euro pro Nacht
Wie die Kronen Zeitung berichtet, nächtigten Bundeskanzler Stocker und seine zehnköpfige Begleitung im „W Hotel“ in Dallas – einem Luxushotel der Marriott-International-Gruppe, in dem auch die ÖFB-Nationalmannschaft untergebracht war. Die Zimmerpreise liegen dort laut Kronen Zeitung zwischen 460 und 860 Euro pro Nacht. Bei elf Personen und mehreren Übernachtungen kommt damit rasch eine fünfstellige Summe allein für die Unterkunft zusammen. Konkrete Gesamtkosten nannte das Bundeskanzleramt bislang nicht.
Alle Buchungsklassen, von Economy bis Business
Auch beim Flug wurde nicht gespart. Wie das Bundeskanzleramt der Kronen Zeitung auf Anfrage bestätigte, kamen „alle Buchungsklassen – Economy, Premium Economy und Business – zum Tragen“. Dies entspreche internen Richtlinien und sei an „Verfügbarkeit von Sitzplätzen, terminlichen Verpflichtungen, Nachtflügen sowie Sicherheitsvorgaben“ angepasst worden. Die Tickets für das Spiel selbst verursachten laut Bundeskanzleramt keine öffentlichen Kosten: „Für Fußballtickets fielen keinerlei Kosten an, die aus öffentlichen Geldern bezahlt werden würden. Die Einladung des Kanzlers zum Spiel erfolgte von der FIFA und auf Wunsch des ÖFB-Nationalteams.“
WM-Reise als Regierungstrend
Die Kanzler-Reise reiht sich in eine Serie von Regierungsreisen zur laufenden WM ein, die seit Wochen für politischen Streit sorgen. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) war bereits mit vier Mitarbeitern zum Auftaktspiel gegen Jordanien gereist und wurde dafür scharf kritisiert. Die FPÖ hatte daraufhin parlamentarische Anfragen angekündigt, um sämtliche Kosten der Regierungsreisen zur WM offenzulegen – wer fliegt, wer mitgenommen wird, wie genächtigt wird und welche Tickets anfallen. FPÖ-Generalsekretär Schnedlitz hatte dabei auch Stocker namentlich ins Visier genommen: „Für unsere Kinder ist plötzlich kein Geld mehr da, aber für die eigenen Vergnügungen der Stocker-Babler-Regierung sehr wohl“, so Schnedlitz laut heute.at.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Der symbolische Schaden ist real – auch wenn die sachliche Einordnung Nuancen erfordert. Staatliche Reisen zu Großereignissen, bei denen Österreich vertreten ist, haben eine diplomatische und repräsentative Funktion: Ein Kanzler beim WM-Spiel der eigenen Nationalmannschaft ist kein reiner Selbstzweck. Dass die Einladung laut Bundeskanzleramt von der FIFA und dem ÖFB kam und die Tickets nicht aus Steuermitteln bezahlt wurden, ist ein relevanter Sachverhalt. Gleichzeitig bleibt die Frage, warum zehn Begleitpersonen notwendig waren und warum das W Hotel – eines der teuersten in Dallas – als Unterkunft gewählt wurde, während die Regierung zeitgleich Sparmaßnahmen kommuniziert. Dass die FPÖ parlamentarische Anfragen angekündigt hat, ist der richtige Weg: Erst wenn Gesamtkosten und Zusammensetzung der Delegation öffentlich bekannt sind, lässt sich beurteilen, ob die Reise verhältnismäßig war oder nicht.
Credits: BKA, Christopher Dunker
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