Postenschacher-Vorwurf trifft NEOS: Meinl-Reisingers Kabinettsvize bekommt Sicherheitsabteilung

Postenschacher-Vorwurf trifft NEOS: Meinl-Reisingers Kabinettsvize bekommt Sicherheitsabteilung

Während Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in Shanghai Hände mit Robotern schüttelt, sorgen daheim Personalentscheidungen in ihrem Ministerium für Unruhe – ausgerechnet bei einer Partei, die Postenschacherei immer wieder als Hauptkritikpunkt gegen andere ins Feld geführt hat.

Was bekannt wurde

Wie oe24 und heute.at übereinstimmend berichten, wurde Raphael Lassmann, der stellvertretende Kabinettschef von Meinl-Reisinger, zum neuen Leiter der Abteilung „Sicherheitsangelegenheiten“ im Außenministerium bestellt – einer der heikelsten Bereiche des Hauses. Gleichzeitig übernimmt Lassmanns Ehefrau die Abteilung VI.2 „Personaldienstleistungen, Strukturfragen, Wissensmanagement“. Beide Ernennungen erfolgten nach einem Ausschreibungsverfahren, wie das Ministerium betont.

Das pikante Detail: Botschafter blieben auf der Strecke

Besonders brisant ist laut heute.at ein Aspekt, der im oe24-Bericht nicht erwähnt wird: Bei der Bestellung Lassmanns zur Abteilungsleitung „Sicherheitsangelegenheiten“ sollen erfahrene Botschafter, die Österreich bereits im Ausland vertreten hatten, übergangen worden sein. Zudem ist Lassmann erst seit knapp einem Jahr stellvertretender Kabinettschef – eine vergleichsweise kurze Zeit für den Sprung in eine derart heikle Führungsposition. Bereits früher hatte es im Außenministerium Postenschacher-Vorwürfe gegeben: Im Frühjahr 2026 wurde bekannt, dass der ehemalige politische NEOS-Direktor Lukas Sustala als „Koordinator für Budget und Reformpartnerschaft“ ins Ministerium geholt worden war – ohne klassische Ausschreibung, rechtlich zulässig, aber politisch umstritten.

Außenministerium: „Streng nach fachlichen Kriterien“

Ein Sprecher Meinl-Reisingers weist die Vorwürfe gegenüber oe24 zurück: „Im BMEIA werden Abteilungen streng nach fachlichen Kriterien besetzt. Jede und jeder Bedienstete hat das Recht, sich auf Führungspositionen zu bewerben.“ Seit Meinl-Reisingers Amtsantritt seien rund 60 Führungspositionen ausgeschrieben und neu besetzt worden. „Nur vier davon haben überhaupt einen Bezug zum Kabinett.“ Zur Qualifikation Lassmanns heißt es: „Er kennt das Umfeld, in dem die Kolleginnen und Kollegen im Sicherheitsbereich operieren, aus erster Hand“ – er sei seit 20 Jahren im Haus tätig. Zur gleichzeitigen Beförderung seiner Frau erklärt das Ministerium laut oe24: „Im Außenministerium arbeiten zahlreiche Ehepaare. Auch in der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass miteinander verheiratete Mitarbeitende zeitgleich Führungsfunktionen innehaben.“

Das Glaubwürdigkeitsproblem

Die Vorwürfe treffen die NEOS an einer empfindlichen Stelle. In der Opposition hatten sie Postenschacher bei ÖVP und SPÖ regelmäßig und scharf kritisiert – und damit ein klares Markenkernversprechen formuliert. Heute.at zitiert Meinl-Reisingers früheres Wahlkampf-Motto „Damit endlich zählt, was du kannst und nicht, wen du kennst“ – und stellt die aktuellen Personalentscheidungen dagegen.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Unterschied zwischen klassischem Postenschacher – also der Vergabe von Stellen an politische Günstlinge ohne Bezug zum Haus – und dem vorliegenden Fall ist wichtig: Lassmann ist nach Ministeriumsangaben seit 20 Jahren Beamter des Außenministeriums, kein politischer Quereinsteiger. Ob er dennoch der beste Kandidat für die Sicherheitsabteilung war, oder ob erfahrene Botschafter übergangen wurden, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen – zumal das Ausschreibungsverfahren nicht öffentlich dokumentiert ist. Das eigentliche Problem für die NEOS ist ein kommunikatives: Wer in der Opposition so konsequent auf Transparenz und Leistungsprinzip pocht, muss besonders sorgfältig erklären, warum ausgerechnet der eigene Kabinettsvize und seine Frau gleichzeitig Abteilungsleitungen übernehmen.

Credits: BKA, Tarek Wilde

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