Sebastian Kurz meldet sich im oe24-Interview zu Wort: Sein KI-Startup ist nun drei Milliarden Dollar wert, ein Comeback schließt er aus – aber seine Aussagen zur türkis-blauen Koalition und zum Kickl-Treffen sorgen für Aufmerksamkeit.
Halb-Milliardär mit Erwartungsdruck
„Das ist ein bisschen eine Verkürzung“, bremst Kurz im Interview mit oe24-Chef Niki Fellner gleich zu Beginn. Ja, seine KI-Firma Dream habe in der jüngsten Finanzierungsrunde mehr als 250 Millionen Dollar erhalten und sei damit mit drei Milliarden Dollar bewertet. Aber: „Das geht natürlich Hand in Hand mit einer hohen Erwartungshaltung, da gibt es einen gewissen Druck.“ Sein Anteil am Unternehmen liegt damit auf dem Papier bei fast 500 Millionen Dollar. Dream wurde vor dreieinhalb Jahren gegründet und bietet laut Kurz zwei Produkte an: eine KI-basierte Cybersicherheitslösung sowie ein Tool für sensible staatliche Daten, die nicht auf amerikanische oder chinesische Clouds hochgeladen werden sollen.
Europa hat den KI-Anschluss verloren
Europas Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen sieht Kurz als strukturelles Problem: „Wir sind es gewohnt, dass wir Produkte nutzen, die aus den USA kommen – egal ob iPhone, Google, Microsoft, Facebook oder Twitter. Das Schlechte ist, dass die Gewinne dort stattfinden.“ Dann verweist er auf den Anthropic-Sperr-Fall: „Von einem Tag auf den anderen wurde Europa abgeschnitten – so wie wenn es heißen würde, von heute auf morgen gibt es in Europa kein Google mehr.“
Kickl-Treffen: „War nicht so geheim“
Zum viel diskutierten Treffen mit FPÖ-Obmann Herbert Kickl sagt Kurz gegenüber oe24 trocken: „So geheim war es nicht, nachdem die Medien darüber berichtet haben.“ Es sei nichts Spektakuläres gewesen – er halte mit ehemaligen politischen Kollegen weiter Kontakt, „nicht in einer übertriebenen Regelmäßigkeit, aber ab und zu.“
„Zutiefst zufrieden“ mit Türkis-Blau
Auf die Frage, ob Kickl in einer Klubsitzung berichtet habe, Kurz habe das Ende der türkis-blauen Koalition 2019 als Fehler bezeichnet, antwortet Kurz laut oe24 ungewohnt direkt: „Ich war zutiefst zufrieden mit dieser Regierung. FPÖ und ÖVP haben damals extrem viel für das Land weitergebracht. Wir haben zweimal einen Budgetüberschuss erzielt, Reformen durchgeführt, die Arbeitszeiten flexibilisiert und wir sind als Standort attraktiver geworden.“ Ibiza habe dem ein „unglückliches Ende“ gesetzt. Sein Fazit: „Finde ich, dass es gut gewesen wäre, wenn es weitergegangen wäre, definitiv.“
Kein Comeback – aber politisch interessiert
Ein Amt strebe er nicht an, betont Kurz gegenüber oe24: „Ich genieße sehr, was ich jetzt machen darf. Ich habe immer viel vom Unternehmertum geredet – jetzt mache ich es selbst, und das fühlt sich richtig an.“ Politisch interessiert bleibe er aber: „Dass ich jemand bin, der Mitte-rechts tickt und glaube, dass das gut für Europa wäre, ist ebenfalls bekannt.“
Einordnung der Redaktion
Die „Zutiefst-zufrieden“-Aussage zu Türkis-Blau ist der politisch brisanteste Satz des Interviews – und er ist mit Bedacht formuliert. Kurz bestätigt damit indirekt, was Kickl seinem Parlamentsklub berichtet haben soll: dass der ehemalige Kanzler das Ende der Koalition bedauert. Zusammen mit dem bestätigten Kickl-Treffen und seiner klaren Mitte-rechts-Positionierung zeichnet das Interview das Bild eines Politikers, der sich zwar formal aus dem Amt zurückgezogen hat, aber inhaltlich klar signalisiert, auf welcher Seite er steht. Ob das strategische Kommunikation für eine eventuelle Rückkehr ist oder schlicht ehrliche Überzeugung – das bleibt offen. Aber beides wäre politisch relevant.
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