Im Dauerstreit um die sogenannten Gastpatienten in Ostösterreich liegen die Nerven blank. Die Fronten zwischen Wien und Niederösterreich sind verhärtet, und nun liegt ein radikaler Vorschlag auf dem Tisch, der die gesamte Spitalslandschaft auf den Kopf stellen könnte. Das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) könnte komplett umgebaut und in die Hände des Bundes übergeben werden.
Schluss mit dem Patienten-Streit
Der Hintergrund der hitzigen Debatte ist ein monatelanger Konflikt. Immer wieder reisen Patienten aus den Bundesländern in die Hauptstadt, um sich dort behandeln zu lassen. Wie das Magazin Falter berichtet, machen diese Gastpatienten rund 19 Prozent der Behandelten in den Wiener Spitälern aus. Das sorgt für immense Kosten in Wien. Kürzlich startete die niederösterreichische ÖVP sogar eine eigene Kampagne unter dem Motto „Schluss mit Blockieren. Wien muss operieren!“, um den Druck auf die Bundeshauptstadt zu erhöhen.
Wie die Kronen Zeitung berichtet, befeuert ein internationales Klinik-Ranking den Streit zusätzlich. Während das Wiener AKH weltweit auf Platz 20 landete, schnitten Krankenhäuser aus Niederösterreich deutlich schlechter ab. Kein Wunder also, dass viele Kranke lieber den Weg nach Wien auf sich nehmen.
Ein radikaler Plan aus dem Burgenland
Um dieses Chaos zu beenden, bringt nun Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) eine neue Idee ins Spiel. Wie oe24.at berichtet, schlägt der Politiker vor, dass das Wiener AKH künftig als reines Bundes-Spital geführt wird. Auch andere große Kliniken wie das Uniklinikum Graz oder das Linzer Keplerklinikum sollen von dieser Regelung erfasst werden.
In diesen hoch spezialisierten Krankenhäusern soll die mühsame Diskussion um Gastpatienten endgültig der Vergangenheit angehören. Der Bund soll demnach die Kliniken komplett übernehmen und auch vollständig finanzieren.
„Geld folgt Leistung“
Der Plan sieht vor, dass die Bezahlung nach einem klaren Prinzip abläuft: Das Geld folgt der Leistung. Damit soll das angeschlagene System langfristig stabilisiert werden. Doskozil übt in diesem Zusammenhang scharfe Kritik am aktuellen Zustand. Lange Wartezeiten und weite Wege für Kranke seien schlichtweg inakzeptabel. Der Patient müsse wieder im Mittelpunkt stehen.
Auch in der Vergangenheit sorgte die Finanzierung des AKH immer wieder für hitzige politische Runden. Wie Die Presse festhält, gab es schon vor Jahren heftige Debatten zwischen der Stadt Wien, dem Bund und der Ärztekammer über Millionenlöcher und drohende Sparmaßnahmen.
Ob der Bund das Zepter im AKH nun tatsächlich in die Hand nimmt, ist noch völlig offen. Klar ist jedoch: Der Druck im Kessel steigt, und die Politik muss rasch eine Lösung finden, damit die Patienten nicht auf der Strecke bleiben.
Quellen: oe24.at, Heute.at, Krone.at, Die Presse, Falter
Credits: APA
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