Österreich sitzt ab 2027 im UN-Sicherheitsrat – und das für die Hälfte des geplanten Budgets. Außenministerin Meinl-Reisinger spricht von Sparsamkeit, die Zahlen dahinter verdienen einen genaueren Blick.
Zehn Millionen statt zwanzig
Das Außenministerium hat am Donnerstag die Kosten der erfolgreichen Bewerbung Österreichs für den UN-Sicherheitsrat bekanntgegeben: Insgesamt wurden zehn Millionen Euro ausgegeben, wie oe24 berichtet. Ursprünglich budgetiert waren 20 Millionen – jeweils zehn Millionen für 2025 und 2026. Tatsächlich flossen laut oe24 rund 4,6 Millionen im Vorjahr und rund 5,3 Millionen im laufenden Jahr. „Durch Sparsamkeit und Effizienz haben wir nur halb so viel ausgegeben, wie budgetiert war“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) laut oe24.
Wohin das Geld floss
Der größte Einzelposten sind laut oe24 knapp sieben Millionen Euro an freiwilligen Beiträgen für UNO-Organisationen, „in denen Österreich seine Position international stärken konnte“, so das Außenministerium. Der Rest – rund drei Millionen Euro – entfiel auf die eigentliche Werbe- und Lobbykampagne. Vier Sonderemissäre – Altbundespräsident Heinz Fischer, Ex-EU-Kommissar Johannes Hahn, die frühere Europaabgeordnete Ulrike Lunacek und Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner – warben laut Meinl-Reisinger „ehrenamtlich um Stimmen für Österreich“.
Das Ergebnis: Österreich drin, Deutschland draußen
Anfang Juni wählte die UN-Vollversammlung in New York aus dem Bewerberfeld der westeuropäischen Staatengruppe – Österreich, Deutschland und Portugal – zwei Mitglieder für den Sicherheitsrat: Österreich und Portugal. Deutschland schied aus. Österreich sitzt damit von 2027 bis 2028 im mächtigsten UN-Gremium neben den fünf ständigen Mitgliedern – den Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – sowie neun weiteren wechselnden Mitgliedern.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Zehn Millionen Euro für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat – ist das viel oder wenig? Im Vergleich zum ursprünglichen Budget ist es tatsächlich die Hälfte. Im Vergleich zu anderen Ländern, die für solche Kampagnen ebenfalls tief in die Tasche greifen, ist es ein eher bescheidener Betrag. Der Großteil des Geldes floss zudem in freiwillige Beiträge für UN-Organisationen – Ausgaben, die auch ohne Sicherheitsratskandidatur sinnvoll sind und internationale Präsenz stärken. Was auffällt: Meinl-Reisingers Selbstlob über die Budgetdisziplin kommt in einer Woche, in der die NEOS-Außenministerin sonst hauptsächlich mit dem Reformpartnerschafts-Echo beschäftigt war. Dass der Kassasturz erst nach der Wahl veröffentlicht wurde, ist diplomatisch üblich – und erlaubt das günstige Timing einer guten Nachricht.
Credits: BKA, Tarek Wilde
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