Arbeitslosigkeit steigt weiter – aber das Tempo lässt nach

Arbeitslosigkeit steigt weiter – aber das Tempo lässt nach

Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt auch im Juni weiter an – zum 39. Mal in Folge. Ein vorsichtiges Lichtblick gibt es dennoch: Der Anstieg verlangsamt sich, und bei Syrern sowie Jugendlichen sind sogar Rückgänge zu verzeichnen.

Die Zahlen im Juni

Ende Juni waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) insgesamt 368.948 Menschen als arbeitslos vorgemerkt oder in Schulung gemeldet – um 1,2 Prozent oder 4.500 Personen mehr als im Vorjahresmonat, wie derStandard und SN.at übereinstimmend unter Berufung auf AMS-Daten berichten. Die reine Zahl der Arbeitslosen – also ohne Schulungsteilnehmer – stieg um 2,4 Prozent oder 6.912 Personen auf 295.457. Gleichzeitig sank die Zahl der Schulungsteilnehmer um 3,1 Prozent auf 73.491. Die nationale Arbeitslosenquote erhöhte sich minimal um 0,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.

AMS-Chef sieht erste Zeichen der Besserung

AMS-Vorstandsvorsitzender Johannes Kopf gibt sich vorsichtig optimistisch. Der Rückgang bei Arbeitslosen aus Syrien – der stärkste Rückgang nach Nationalitäten – sei auf massiv steigende Beschäftigung bei dieser Gruppe von 18 Prozent und eine verstärkte Rückkehr nach Syrien zurückzuführen. „Die eindeutig verbesserte Konjunktur zeigt sich am Stellenmarkt. Es wird also langsam besser“, sagt Kopf laut AMS-Originaldatenblatt. Auch bei Jugendlichen – einem weiteren besonders betroffenen Segment – sind laut derStandard Rückgänge zu verzeichnen.

Frauen weiterhin stark betroffen

Während die Lage für Männer durch die Erholung in Bau und Industrie leicht besser wird, sind Frauen laut derStandard weiterhin überproportional vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. Der Unterschied erklärt sich durch die unterschiedliche Branchenverteilung: Männerdomänen wie Bau und Industrie erholen sich schneller als frauendominierte Branchen wie Handel, Gesundheits- und Sozialwesen. Auch Langzeitarbeitslosigkeit bleibt ein wachsendes Problem: Laut aktuellen Daten des Portals arbeitplus.at galten im Mai 2026 bereits 102.788 Personen als langzeitbeschäftigungslos – ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Seit April 2023 ununterbrochen gestiegen

Der Kontext macht deutlich: Die aktuelle Entspannung im Tempo des Anstiegs ist willkommen – ändert aber nichts an einer anhaltenden Negativentwicklung. Laut arbeitplus.at steigt die Arbeitslosigkeit in Österreich seit April 2023 ununterbrochen an. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs und die gedämpfte Konjunktur seien laut Analysten weiterhin spürbar. Die endgültigen Beschäftigungsdaten für Juni werden Mitte Juli von der Statistik Austria veröffentlicht.

Einordnung der Redaktion

Ein Plus von 1,2 Prozent klingt nach wenig – aber dahinter steckt das 39. Monat in Folge mit steigenden Zahlen. Dass der Anstieg sich verlangsamt, ist ein echtes Signal. Dass es sich verlangsamt, weil Syrer verstärkt zurückkehren und beschäftigt werden, ist politisch bemerkenswert: Es zeigt, dass die Rückkehrinitiativen der Bundesregierung zumindest teilweise Wirkung zeigen. Strukturell bleibt der Arbeitsmarkt aber angespannt: Fast 103.000 Langzeitarbeitslose, weiter steigende Frauenarbeitslosigkeit und eine Konjunktur, die nur zögerlich anzieht.

Credits: AMS, Fotostudio B&G

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